
Festschrift des
Keplergymnasiums
Tübingen
Erweiterungsbau
1958
Herausgegeben im Auftrag des Vereins der ehemaligen
Schüler und der Freunde des Keplergymnasiums Tübingen. Umschlagentwurf:
Studienrat E. Meyder. Für den Anzeigenteil verantwortlich: J. Theurer. Druck: H.
Laupp jr, Tübingen. Fotos: Arzt, Gröger, Jäggle, Kleinfeldt, Metz, Schweizer.
Klischees: E. Maurer, Tübingen. (Edition 2006: Peter
U. Bussmann, Tübingen).
INHALTSÜBERSICHT
Gruß
und Geleit
Studienrat
Dr. E. Rieber: Johannes Kepler in Tübingen.
Studienrat Dr.
E. Rieber: Zur Geschichte des Tübinger Keplergymnasiums.
Oberregierungsrat
Dr. H. Dietz: Bauen und Erziehen.
Oberstudiendirektor
Prof. W. Schweizer: Unsere Schule in neuer Gestalt
Pfarrer
R. Fritz: Der Beginn einer neuen Woche .
Studienrat
Dr. P. Goessler: Geisteswissenschaften am Keplergymnasium.
Studienrat
W. Lang: Latein am Keplergymnasium
Gymnasialprofessor
K. Arzt: Eine mathematische Sammlung..
Gymnasialprofessor
H. Streicher: Physik in neuen Räumen
Studienrat
B. Zimmermann: Chemische Schülerübungen.
Oberstudienrat
Prof. Dr. P. Filzer: Ein biologisches »Heimatmuseum«.
Hauptkonservator
Dr. O. Rathfelder: Naturschutz und Schule.
Oberstudiendirektor
Prof. W. Schweizer: Musikpflege und Schule.
Oberschullehrer
H. Kaßner: Chorarbeit am Keplergymnasium.
Studienrat
E. Meyder: Zum Kunst- und Werkunterricht.
Studienrat
A. Dürr: Schauspielgruppe und Wochenschlussfeier.
Studienrat
W. Lang: Schullandheimaufenthalt in Tieringen
Studienrat
H. Reichle: Statistik eines Schullandheimaufenthaltes.
Oberstudiendirektor
Dr. R. Ulshöfer: Praktische Ausbildung der Studienreferendare an der
Schule
Studienrat
K. G. Jung; Als Austauschlehrer in USA.
Dr.
K.. Weidle: In welche Schul?.
R.
Jäger, Klasse 7a: Die Schülerzeitschrift
UKW.
Reifeprüfung
1958 - Themen und Aufgaben
Die
Lehrer des Keplergymnasiums
Die
Schüler des Keplergymnasiums
Vereinigung der
ehemaligen Schüler und der Freunde des
Keplergymnasiums
Die Erstellung des Erweiterungsbaus für das Keplergymnasium wurde am 5. Dezember 1955 vom Gemeinderat der Universitätsstadt Tübingen einstimmig beschlossen unter dem Vorsitz von
OBERBÜRGERMEISTER HANS GMELIN
Dem Gemeinderat gehörten
damals an:K. Brack, A. Bühler, F. Dannenmann, E. Endriss, O. Erbe, K. Frank, R. Frauendiener, E. Friesch,
G. Fritz, E. Geist, Dr. Haering, L. Hönle, O. Kentner, K. Kehrer, K. Klett, W.
Kohler, J. Krauß, F. Lang, H. Lutz, Ch. Märkle, R. Maier, H. Raiser, Frau D.
Schlatter, K. Schuster, P. Schwarz,
A. Vödisch
Der Erweiterungsbau
wurde vom Städtischen Hochbauamt Tübingen erstellt. Die Gestaltung der Pläne und die
Leitung der Bauarbeiten lag in
den Händen von Oberbaurat
i. R. Paul Giesing, Oberbaurat Richard Jäger, Baurat Wilhelm Scheerer, Architekt Werner Mayerlen, Baumeister
Otto Henkel
Im
Laufe der Jahre, vor allem aber nach dem Zweiten Weltkrieg, sind die Schüler-
und Klassenzahlen des Keplergymnasiums ständig angestiegen, die Raumnot wurde
immer drängender. So mußte das Wildermuthgymnasium trotz eigener Raumnöte zwei
Klassenräume an das Keplergymnasium abtreten. Außerdem konnte der
Schichtunterricht am Keplergymnasium bis heute nicht aufgehoben
werden.
Die
Anstrengungen der Stadt zur Besserung der Schulraumnot in den höheren Schulen
und bei den Volksschulen setzten frühzeitig ein: trotz der Erstellung der
Mörikeschule, die im November 1951 bezogen wurde, war keine wesentliche
Erleichterung zu spüren. 1952 wurde die Mittelschule als neue Schulform in
Tübingen eingerichtet; sie benötigte neue Schulräume. Eine Lösung konnte nur der Bau eines Schulgebäudes für die
Kaufmännische und Gewerbliche Berufsschule bringen. Der Neubau dieser
Schule wurde im Oktober 1955 seiner
Bestimmung übergeben. Dadurch war es möglich, der Evangelischen Volksschule im
früheren Schulgebäude der Kaufmännischen Berufsschule Räume zuzuweisen und die
Mittelschule im alten Gebäude der Gewerblichen Berufsschule an der
Schmiedtorstraßc unterzubringen. Die Volksschulen konnten damit von ihren
dringendsten Nöten nahezu befreit werden. Auch für die Mittelschule waren die
nun zur Verfügung stehenden Räume vorläufig ausreichend.
Nun
galt es im Bereich der Gymnasien gesunde Verhältnisse zu schaffen. Nach der
Freigabe des Wildermuthschulgebäudes durch die Besatzungsmacht im April 1954
konnten das Uhlandgymnasium und das Wildermuthgymnasium ihren Bedarf in eigenen
Räumen weitgehend decken.
Lediglich
im Keplergymnasium war die Lage noch völlig unbefriedigend. Für 24 Klassen
standen nur 16 Klassenzimmer und viel zu wenig Spezialräume zur Verfügung. Der
Gemeinderat hat unter dem Druck dieser Verhältnisse am 5. Dezember 1955 den Beschluß gefaßt, das
Keplergymnasium großzügig zu erweitern. Der Erweiterungsbau enthält neben 5
Klassenräumen für die Volksschulen und neben Spezial- und Unterrichtsräumen für die Hauswirtschaftliche
Berufsschule insgesamt 9 große Klassenzimmer für das Keplergymnasium,
ferner Spezialräume für den Physik-, Biologie- und Chemieunterricht, außerdem
einen Versammlungsraum (Aula), der als Musiksaal benutzt werden
kann.
Ich
freue mich ganz besonders, daß der Bau so gut gelungen scheint und daß er nach
einer Bauzeit von zweieinhalb Jahren (das Richtfest fand am 30. November
1956 statt) am 12. September 1958 seiner Bestimmung übergeben werden kann. Mögen
sich die Tübinger Schuljugend und ihre Lehrer in diesem neuen Gebäude
wohlfühlen! Mögen aus diesem modernen schönen Bau Generationen weltoffener,
lebenstüchtiger und charaktervoller Persönlichkeiten
hervorgehen!
Oberbürgermeister
der Universitätsstadt Tübingen
Nun
ist das schöne Werk glücklich vollendet. Das Keplergymnasium kann
in seine neuen Schulräume festlichen Einzug halten. Ich beglückwünsche die
Schule herzlich zu diesem bedeutenden Ereignis.
Das
Oberschulamt, das mit dem Bauwerk von den ersten Anfängen der Planung an
eng verbunden war, stellt mit Genugtuung fest, daß heute nicht nur ein
ergänzender Anbau errichtet ist, sondern ein neues Haus. Dieser Neubau gibt der
Schule zusammen mit dem alten Gebäude endlich den unerläßlich notwendigen
Lebensraum, er eröffnet ihr auch neue Möglichkeiten der pädagogischen
Entfaltung. Formende Kräfte der Ordnung strahlen vom sinnvoll gestalteten
Schulraum aus, er gliedert die Menge der Schüler in Fachgruppen zu
selbstgewähltem Tun in Experiment und Diskussion, in Besinnung und in musischer
Übung. Zugleich sammelt der Raum und hilft dem einzelnen, zur Gemeinschaft zu
finden.
Aber
diese im Werke der Technik ruhenden Kräfte bedürfen des belebenden Geistes, um
bildend zu wirken. Daß der gute Geist des Keplergymnasiums auch das neue Haus
erfülle, das ist mein Wunsch.
Präsident
des Oberschulamtes Südwürttemberg-Hohenzollern
Wenn
das Keplergymnasium die Einweihung des Erweiterungsbaues festlich begeht, so
haben auch die Eltern seiner Schüler allen Grund zu freudiger
Anteilnahme. Sie haben in den vergangenen Jahren miterlebt, wie sich die Raumnot
der Schule hemmend auf ihre äußere Entwicklung und auf ihre innere Entfaltung
ausgewirkt hat. Mit Aufmerksamkeit haben sie das Werden des Neubaues von den
ersten Planungen an verfolgt, denn sie verbanden damit die Hoffnung, daß die
Befreiung aus den räumlichen Fesseln dem leiblichen und geistigen Wohl ihrer
Kinder zugute kommen werde. Sie haben dabei nicht übersehen, daß Schwierigkeiten
aller Art zu überwinden waren, daß im Großen und im Kleinen unendlich viel
mühselige Arbeit zu leisten war und daß vor allem die Finanzierung des Vorhabens
vom Gemeinderat und von der Verwaltung der Stadt Tübingen große Opfer forderte.
Die Eltern fühlten sich deshalb für ihre Kinder allen Persönlichkeiten und allen
helfenden Händen, die zum Gelingen des neuen Hauses beigetragen haben, zu
aufrichtigem Dank verbunden.
Es
wäre aber eine verhängnisvolle Selbstgenügsamkeit, wenn die Elternschaft es bei
ein paar schlichten Worten des Dankes und bei wohlwollender Teilnahme an den
festlichen Veranstaltungen bewenden lassen wollte. Die Schule übernimmt mit den
neuen Räumen die Verpflichtung, unsere Kinder auf neuen Wegen und mit neuen
Mitteln für das Leben vorzubereiten. Dabei geht es nicht um ein Mehr von
brauchbarem Wissen, sondern um die Art und Tiefe des Anrufs an die jungen
Seelen, die zu einem höheren, geistigen Leben erweckt werden sollen.
An
dieser Stelle zeigt sich die innere Not, in die unsere Schule in den letzten
Jahrzehnten durch die stürmische
Entwicklung der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, technischen und
politischen Verhältnisse geraten ist. Wie soll ihr das Werk der »Emporbildung
der inneren Kräfte der Menschennatur« gelingen können gegen die Übermacht der
materiellen Gewalten, gegen schale Vergnügungssucht und brutales Streben nach
leichtem Geldverdienen? Wo soll sie den Hebel ansetzen in einer Welt, in der
weithin feste religiöse Bindungen, das Gefühl für echte Werte und das Empfinden
für Wert und Würde des Menschen fehlen? Es kann kein Zweifel sein, daß die
Schule Hilfe braucht und daß ihr in erster Linie vom Elternhaus geholfen werden
muß.
Die
Tatsache, daß die meisten Eltern möglichst wenig, am liebsten gar nichts von der
Schule hören und sehen wollen, legt allerdings die Vermutung nahe, daß an diese
innere Not kaum gedacht wird. Die Eltern werden sagen: »Wir haben keine Zeit,
uns mit diesen Fragen zu befassen.« Um aber zu wissen, was hier Pflicht ist,
genügt es zu fragen, ob Haus und Hof, Geschäft und Fabrik, Beruf und Karriere
wichtiger sind als das körperliche, seelische und geistige Wohl der Kinder. Es
wäre der Schule schon viel geholfen, wenn die Eltern mehr für als
gegen die Schule vor ihren Kindern eintreten wollten. Die Kinder sollten
spüren, daß Haus und Schule gut miteinander stehen. Zu vertrauensvollen
Beziehungen von Schule und Haus kann es aber nicht kommen, wenn die Eltern nur
gelegentlich an einer Schulfeier oder an einem Elternabend teilnehmen und im
übrigen den Kontakt auf ganz »besondere Anlässe« beschränken. Erst wenn die
Eltern sich zur Schule bekennen und bereit sind, im Geiste miteinzuziehen in das
neue Haus, um mit den Lehrern und Schülern eine auf Vertrauen ruhende Gemeinschaft zu bilden, dann sind die
Voraussetzungen geschaffen für eine wirksame Hilfe aus der inneren
Not.
Darüber
hinaus gibt es eine Reihe ganz konkreter Fragen, die auch nur gelöst werden
können, wenn Schule und Haus zusammenarbeiten. Auf sie braucht hier nicht näher
eingegangen zu werden.
Diese
Ausführungen mögen genügen, um den Eltern klarzumachen, daß die Schule von ihnen
tätigen Dank erwarten darf und muß. Wir alle sind uns doch einig in dem
Wunsche, daß der Neubau ein Neubeginn werden möge für eine glückliche und
segensreiche Zukunft des Keplergymnasiums
Vorsitzender
des Elternbeirats

JOHANNES KEPLER IN TÜBINGEN
Seit
2. November 1937 führt unsere Schule den Namen des großen schwäbischen
Mathematikers und Astronomen Johannes Kepler. Es handelt sich dabei nicht in
erster Linie um die Wahl eines verpflichtenden Leitbildes für wissenschaftliche
Arbeit und menschliche Haltung. Dies ist in unserem Fall vielmehr eine Folgerung
aus dem Bewußtwerden der besonderen geschichtlichen Beziehung, welche den
Namenspatron unseres Gymnasiums gerade mit Tübingen verbindet. Unserem Kepler war als zartem,
sensiblem, immer wieder kränklichem Jungen mit 13 Jahren im Herbst 1584 durch das Bestehen des Landexamens
die Aufnahme in eine der niederen Klosterschulen des Landes und damit der
Eintritt in den einzigartigen Studiengang für die schwäbische Elite gelungen,
der ins herzogliche Stipendium zu Tübingen
führte. Nach ärmlicher, freudloser Kindheit hatte er zwei Jahre der
harten mönchischen Erziehung im Kloster Adclberg zugebracht, das er dann für
weitere drei Jahre mit der strengen Ordnung im Kloster Maulbronn vertauschte.Im
September 1588 war er zur Ablegung
seines Examens als Baccalaureus in
Tübingen gewesen, um nach einem letzten Studienjahr als »Veteran« in
Maulbronn endlich am 17. September 1589 als annähernd Achtzehnjähriger die
Universität Tübingen beziehen zu dürfen.
Als
Stiftler im alten Augustinerkloster über dem Neckarufer, jener durch die
Jahrhunderte berühmten Hochburg schwäbischen Geistes, hat Kepler in viereinhalb
Jahren entscheidende Anregung und Ausprägung erfahren. Von hier aus hat sich ihm
dann auch - völlig gegen seine Erwartung - der Weg in die Welt und zu
überragenden Leistungen auf den Gebieten eröffnet, für die er im
Innersten berufen war. Professor Martin Crusius, jener hochberühmte Lehrer des
Griechischen und fast unerschöpfliche Annalist, ein Stoffsammler von
unheimlicher Arbeitsamkeit, war Kepler als eifrigem Studenten ganz besonders
zugetan. Von den streitbaren, ja streitsüchtigen Hütern lutherischer Orthodoxie
in der theologischen Fakultät, deren Disziplinen Kepler nach zwei Jahren des
Studiums an der Artistenfakultät als jungen Magister beanspruchten, unterschied
sich der Exeget des Alten Testaments, Professor Matthias Hafenreffer, der ein
Lebensjahrzehnt älter war als Kepler, durch seine milde und versöhnliche Natur.
Zwischen diesem gewinnenden Lehrer und seinem hervorragenden Schüler entstand
eine Freundschaft, die bis zu Hafenreffers Tod währte. Wer aber die tiefsten
Kräfte in dem wissensdurstigen Studenten weckte und den Funken in seine Seele
warf, der in ungeahnter Weise zündend eine geistige Revolution mit heraufführen
sollte, das war Michael Mästlin., seit 1583
in Tübingen Professor für Mathematik und Astronomie. Nur dem engen Kreis
seiner vertrauten Schüler vermittelte Mästlin die umwälzende Lehre des
Kopernikus, für die er auf einer Reise nach Italien auch Galilei gewann. Das
neue Weltbild anzunehmen bedeutete damals fast noch eine Ketzerei. Kepler macht
es sich begeistert zu eigen. Dem Tübinger Lehrer aber, der ihm diese neue Sicht
vermittelt hat, bleibt er, wie der spätere Briefwechsel zwischen Mästlin und
Kepler zeigt, in dankbarer Anhänglichkeit ergeben. Ja, er bleibt es auch dann
noch, als sich der alte Mästlin verdrießlich mehr und mehr in sich
verschließt.
Keplers
Werdegang als Stiftler läßt sich an der Hand von Originalen aus der
Stiftsregistratur und der Universitätsbibliothek Tübingen einigermaßen genau
verfolgen. Die Fortschritte der Stipendiaten wurden damals nämlich viermal im
Jahr überprüft. Diese Quartalexamina fanden mit unbedingter Pünktlichkeit auf
den Tag St. Sebastian! (20.Januar), St. Georgii (23.April), St. Magdalenae
(22.Juli) und St. Lucae (18.Oktober)
statt. Die Listen der Prüflinge samt ihren Benotungen in den einzelnen
Prüfungsfächern und zusätzlichen Bemerkungen verblieben im Konzept in der
Registratur des Stifts (Durch
das freundliche Entgegenkommen des Herrn Ephorus Dr. Lang konnte ich die
Originale in der Stiftsregistratur einsehen. Bereits vor neunzig Jahren konnte
C. Grüner als Mitarbeiter an einem Werk über Kepler einiges daraus
veröffentlichen.).
1.
Zum Examen auf Lucae 1589 lesen wir
Keplers Namen zum. erstenmal in den Listen. Auf besonderem Blatt stehen fünf
Stiftler als »noviter recepti« (neu Aufgenommene) verzeichnet, darunter »Joannes
Keplerus Leomontanus, natus anno 71, 27. Dembris«. Bis zu Magdalenae 1591 wird Kepler
unter den Baccalaurei publici geführt, sein Name dabei beharrlich »Käppler«
geschrieben. Die Zeugnisse der Stipendiaten werden nach den Buchstaben A, a und
B, b unterschieden, wobei wir A als beste Note
annehmen dürfen. Auch beim Landexamen wurden die Prüflinge damals nach A und B
qualifiziert. Als Baccalaureus wurde Kepler in den Fächern Ethik, Dialektik,
Griechisch, Hebräisch, Sphära oder Astronomie, Physik und Mathematik geprüft.
Gerade das letztgenannte Fach hatte im Stift von Anfang an eifrige Pflege
gefunden.
Die
Beurteilung Keplers lautet fast durchweg A, das eine und andere Mal in einem
einzelnen Fach nach a abgeschwächt. Beim Quartalexamcn zu Lucae 1591 ist Kepler
schon einige Zeit unter die vulgares magistri aufgenommen. Er wird aufgeführt
mit der Bemerkung S (Stipcndiatenzeit) 2 1/4 Jahre. Sein Zeugnis:. conc(io =
Predigt) a . Ex(amen) -. Statt der Examensnote lesen wir einen Vermerk vom
19.Oktober 1591: »M(agister) Joh. Keppler, Leonberg, 20 iahr alt, zwei iahr im
stipendio, zwei monat Magister, studiert ziemlich wol, predigt ziemlich
wol.«
Am
10. August 1591 hatte Kepler bei der Magisterprüfung unter 14 Kandidaten den
zweiten Platz belegt. Primus war damals ein Enkel des Reformators Johannes
Brenz. Die Zeugnisse des Magisters Kepler bieten dasselbe Bild wie die des
Baccalaureus: in Predigt und Studium zumeist die Note A. Zu diesen beiden
Gebieten tritt für die Beurteilung ab Lucae 1593 gesondert Hebräisch, ab
Sebastiani 1594 auch noch Mores (= Führung). Einmal, zu Lucae 1592, wird Kepler
mit einem ändern jungen
Magister,
Tobias Dauber, zusammengefaßt unter der Bemerkung: »sindt auch sonst fleissig.«
Das letzte Quartalzeugnis von Gcorgii 1594 enthält in allen Sparten die Note A. Zu diesem Termin findet sich
eine abschließende Zusammenstellung am Ende der Zeugnislisten:
»Welche diss quartal auss dem stipendio kommen.« Unter diesen: „M. Joannes
Keppler von Leonberg per Gratz professionem Mathematicam daselbsten anzunemmen,
mitt prediger erlaubniss gezogen.«
Soweit
die Akten aus dem Tübinger Stift. Sie erfahren eine Ergänzung durch einen
Schriftwechsel wegen einer Stiftung aus Keplers Heimat Weil der Stadt, in deren
Genuß er seit seinem zweiten Tübinger Studienjahr gestanden und die ihm
verlängert wurde. Auf ein langes lateinisches Gesuch des neugebackenen Magisters
vom Juni 1590 an den Rector Magnificus wendet sich dieser mit dem Senat der
Universität Anfang November 1591 an Bürgermeister und Rat der Stadt Weil. In dem
Schreiben lesen wir u. a.: »Dieweil obgemelter Kepler (so erst newlich in
Magistrum promouiret worden) dermassen eines für-trcfflichen unnd herrlichen ingenij, das
seinethalben etwas sonderlichs Zuhoffen . . . Wollten wir unsers theils
Ime Keplern uff sein bittlich an halten dasselbig auch gern seiner sondern
doctrin und geschikligkeit .halben lengcr erstreckhen.« Die Antwort aus Weil der
Stadt fiel entsprechend positiv aus. Ehe Kepler sein theologisches Studium im
Stift abschließen konnte, war an der Ev. Stiftsschule in Graz die Stelle des
Mathematikprofessors, verbunden mit der des Landschaftsmathematikers vakant
geworden. Die Beziehungen der von der Reformation erfaßten österreichischen
Länder zu Tübingen, einem Zentrum reformatorischer Lehre, waren damals recht
rege. Nicht weil man ihn als einen der kopernikanischen Lehre anhängenden
Feuerkopf, den man auf keine schwäbische Kanzel lassen mochte, abschieben
wollte, sondern weil seine Hochschule mit dem glänzend geeigneten Anwärter auf
die Stelle Ehre einzulegen hoffte, berief man Kepler nach Stciermark. Herzog
Friedrich von Württemberg gab in einem Schreiben an die Leitung des Tübinger
Stifts seine Einwilligung. Die schicksalhafte Tragweite der Annahme dieser
Berufung, die ihn auf die Bahn des Astronomen brachte und für immer seiner
engeren Heimat entriß, konnte damals niemand, am wenigsten Kepler selbst ahnen,
als er am 13. März 1594 von Tübingen Abschied nahm.
E.
Rieber
ZUR
GESCHICHTE DES TÜBINGER KEPLERGYMNASIUMS

Vor
135 Jahren ist in unserer Stadt die Schule ins Leben getreten, die nunmehr
als
mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium den Namen des großen schwäbischen Mathematikers und Astronomen
Johannes Kepler trägt. Ein weiter Weg führt von den Anfängen der
Realschule in der unteren Stadt, im Kornhaus, bis zu dem ausgedehnten, jetzt
modern erweiterten Gebäudekomplex in der äußeren Uhlandstraße, der heute neben
der größten höheren Lehranstalt Südwürttembergs auch der Bildungsstätte des
Nachwuchses für das wissenschaftliche Lehramt im südlichen Württemberg
dient.
Die
Entwicklung unserer Anstalt seit den Jahren 1822/23 nimmt nur eine
verhältnismäßig kurze Zeitspanne ein gemessen an der Geschichte des höheren
Schulwesens in Tübingen. Als Herzog Karl von Württemberg seinerzeit in der Verordnung zu seinem Generalreskript vom
11. März 1793 den Magistraten empfahl, »auf
die Errichtung der sogenannten Real- und Bürgerschulen Bedacht zu nehmen«, sah eine Tübinger lateinische Schule
bereits auf ein etwa 5oojähriges Bestehen zurück. Von ihrer Lage auf dem
Schulberg, den man im Zusammenhang mit dem Österberg sah, stammt die echt
humanistische Bezeichnung »schola Anatolica« = Österbergschule, wobei
»Österberg« als »östlicher Berg« verstanden ist. Dieser Name bleibt in
offiziellem Gebrauch bis zum Auszug der Anstalt vom Schulberg im Herbst
1861.
In der zweiten Hälfte des 17.
Jahrhunderts hatte sich Magnus Hesenmann für eine größere Berücksichtigung der
Muttersprache im Unterricht eingesetzt und gegenüber einer bloßen Wortkenntnis
Sachwissen gefordert. Johann Amos Comenius
versucht in seiner »Janua linguarum reserata« (aufgeschlossene
Sprachenpforte) eine Verbindung von Sprach- und Sachunterricht. Männer
wie Leibniz sprachen von dem Bedürfnis
nach technisch und wirtschaftlich fördernden Schulen, die sie Kunst-, Werk- oder
Realschulen nannten.
Der Pietismus in seinem Wirklichkeitssinn
und in seinem Bestreben, die Zöglinge der Stiftungen August Hermann Franckes in
Halle außerhalb der Zeit des theoretischen Unterrichts und der »Erbauung«
positiver Beschäftigung zuzuführen, gelangte zu Ansätzen in Richtung auf eine neue Schulgattung, eben die
Realschule. Franckes Hallenser Amtsbruder Christoph Semler eröffnete in Halle im
Jahre 1708 eine »mathematische und mechanische Realschule«. Durch den Verzicht
auf das Fach Latein, was damals
einer Revolution gleichkam, war Zeit gewonnen worden für die »Kenntnis
von Gewicht, Maß, Gebrauch des Zirkels und Lineals, Wissenschaft des
Kalenders, Astronomie, Geographie, Gartenbau, Honigbau, Anatomie, Diät,
Polizeiordnung, Geschichte des Vaterlands und Kenntnis der Heimat«. Die Schule
ging nach einigen Jahren wieder ein.
Erst die im Jahre 1747 in Berlin von
Johann Julius Hecker ins Leben gerufene »Ökonomisch-Mathematische Schule« konnte
sich halten. Zunächst war hier alles auf die praktische Vorbereitung für einen
bestimmten Beruf abgestellt und der
Unterricht dementsprechend teilweise von Fachleuten aus der Berufspraxis
erteilt worden. In der Folge jedoch wurde wieder eine Lateinabteilung angeschlossen, aus welcher
später das Berliner
Friedrich-Wilhelm-Gymnasium
hervorgegangen ist - eine bemerkenswerte Parallele zur Entwicklung unserer
größeren Oberrealschulen neuerer Zeit mit ihren ausgebauten Lateinzügen!
Mit ihrer älteren Schwester, der
Gelehrten- oder Lateinschule, hat die Realschule gemein, daß beide ihr Entstehen
zunächst dem Bedürfnis nach Ausbildung für ganz bestimmte Berufe verdanken und
sich erst später zu allgemeinen Bildungsanstalten entwickeln, welche ihren
Schülern eine Allgemeinbildung vermitteln wollen, die über das hinausgeht, was
die Volksschule ihrem Wesen nach leisten kann.
Mit der überraschenden Bereicherung des
Kulturinhalts und mit der Aufklärung, die in Deutschland in der zweiten Hälfte
des 18, Jahrhunderts ihren Höhepunkt erreicht, erobern sich im höheren
Schulwesen neben den Humaniora die Realia ihren Platz. Pietismus und
Rationalismus, die beiden großen Antipoden, haben beide die Richtung aufs
Praktische gemein. Damit fördern sie den »Realismus«.
Im Herzogtum Württemberg war Nürtingen
Anfang 1783 zu einer Realschule gekommen. Im herzoglichen Reskript an die
Dekanatämter vom 2. April 1793; betreffend Errichtung von Real- und
Bürgerschulen wird verkündet, »daß nach dem Beispiel der Stadt Nürtingen noch
einige Real- und Bürgerschulen errichtet werden möchten. Der Nutzen, den diese
Schulen gewähren, ist durch die Erfahrung bestätigt. Sie sind für die zu Handwerkern bestimmten älteren deutschen Schüler,
was die lateinischen Schulen für diejenigen sind, welche sich den Studien
widmen. Die Schüler sollen nämlich darin
nicht nur eine weitere und höhere Anleitung in denjenigen Kenntnissen
erhalten, welche in den deutschen Schulen gelehrt werden, sondern sie
sollen auch noch in anderen Fächern des menschlichen Wissens, die dem künftigen
Professionisten nützlich, ja oft notwendig sind, zum Exempel in der Geographie,
Naturlehre, Naturgeschichte, in fremden Sprachen, im Zeichnen usw. unterrichtet werden. Wir sehen aber dabei wohl ein,
daß nur solche Communen, deren öffentliche Kassen in einem sehr guten
Zustand sind, eine solche Anstalt auszuführen vermögen.«
In der Folge kam zu Nürtingen die
Realschule in Stuttgart (1796), in Ebingen wurden an der Lateinschule die
realistischen Fächer ausgebaut, es folgten Realschulgründungen in Ravensburg
(1805), Ulm (1809), Reutlingen und Biberach (1811) und schließlich Schwäbisch
Hall (1812). Ein Erlaß des Ministeriums des Innern, des Kirchen- und Schulwesens
im Königreich aus dem Jahre 1820 zeigt
deutlich, wie sehr die Sorge um einen zeitgemäßen Unterricht jetzt an
höchster Stelle wirksam geworden ist. Der Kgl. Studienrat (die
Schulaufsichtsbehörde) soll um Errichtung besonderer Realklassen bestrebt sein.
Die dem philologischen Unterricht bestimmten Stunden sind zugleich für die Mitteilung von Realkenntnissen zu benützen.
Dieser Anordnung ist gewissenhaft Genüge zu leisten. Ferner ist, »wie die
Bedürfnisse einzelner Anstalten nach den Erfahrungen es erfordern, dafür zu
sorgen, daß bei der Revision der Lehrpläne dem Unterricht in den toten Sprachen
eine oder die andere Stunde entzogen und
einem Realfache, namentlich, wo es zweckmäßig wäre, dem mathematischen zugelegt
werde«.
In
Tübingen ist man damals mit dem Realschulgedanken ernstlich umgegangen.
Das
herzogliche Reskript vom 11. März 1793 war im September desselben Jahres im
Bürgermeisterkollegium durchberaten worden. Aber man hatte schon damals wenig
Geld. Zum andern aber empfand man die Aussonderung von Knaben, die nicht
studieren sollten, aus der Anatolischen Schule als Kränkung für manche Eltern.
Warum sollten denn ihre Kinder auf einmal nicht mehr Latein lernen dürfen? Wer
seinen Sohn nicht dem Studium zuführen wollte, mußte sich jetzt als Bürger
zweiter Klasse vorkommen. So protestierte man gegen die »einseitige Erklärung
und Abänderung der Landesgesetze«. Die Wogen der Erregung gingen so hoch, daß
der Paedagogarch der Regierung schließlich gutachtlich empfahl, alles beim alten
zu lassen.
Die erneute Aufforderung der Stuttgarter
Regierung zur Gründung von Realschulen vom Jahre 1820 schlug nun einen neuen Ton
an, der auf günstigere Resonanz bei der 27 Jahre zuvor so provozierten Tübinger
Bürgerschaft hoffen ließ. Im Oktober 1822 berichtet der Paedagogarch, Prof. Dr.
Sigwart, an den Kgl. Studienrat, daß in der Klasse des Rektors der Lateinschule
drei Abteilungen geführt werden und daß die Schüler der dritten Abteilung jetzt
schon »Realschüler« heißen. So gab es in Tübingen also bereits Realschüler,
bevor eine Realschule eröffnet war!
Unter
Vorsitz von Oberbürgermeister
Laupp wird am 3. Juli 1822 im Tübinger Gemeinderat über die Realschulfrage
beraten mit folgendem Ergebnis: »Obwohl die Stadt- und Stiftungskässen dermalen
kaum in der Lage sind, einen weiteren Aufwand auf sich zu nehmen, so wird doch
in Betracht des großen Nutzens, der aus einer Realschule für die Volksbildung
hervorgeht, die Errichtung einer solchen Schule in Tübingen einstimmig anerkannt
und beschlossen, eine solche Schule zu gründen.«
Die
erste Klasse wird mit Beginn des Jahres 1823 eröffnet, eine zweite folgt im
Herbst desselben und eine dritte im Herbst des folgenden Jahres. Wurden damals
für Anschauungsmittel einschließlich der Apparate für den physikalischen
Unterricht ganze 19 fl. ausgeworfen, so war doch die allerschwächste Stelle der
neuen Schule die mangelhafte Lösung der Personalfrage. Was im ehemaligen
Knabenschulgebäude, dem jetzigen Kornhaus, 1823 begonnen wurde, konnte so lange
nicht gedeihen, als man den Unterricht durch erbärmlich bezahlte Lehrer
nebenamtlich erteilen ließ.
Dazu kam die Zwittergestalt der Schule.
Die Schüler der neuen Realschule mußten entweder dem Lyzeum oder der Volksschule
angehören, wo sie neben ihren 21-25 Realschulwochenstunden noch durchschnittlich
14 Stunden zu absolvieren hatten. Dies hätte eine untragbare Belastung von 40
Unterrichtsstunden in der Woche ergeben müssen, wenn nicht fast alle Fächer der
Realschule wahlfrei gewesen wären. So nahmen z. B. nur ganz wenige Schüler am
französischen Unterricht teil. Hausaufgaben wurden in der
Realschule keine gestellt, da die Schüler von den anderen öffentlichen
Hauptschulen
damit versehen wurden. Bei unentschuldigtem Fehlen drückte man mehr als ein Auge zu. Unter solchen Umständen kann
man sich den Unterrichtserfolg
leicht denken.
Ein eingehender Bericht von Prof.
Pahl
vom
Lyzeum, der gleichzeitig der erste Leiter der Tübinger Realanstalt war, an den
Kgl. Studienrat, worin alles angeführt wird, was man an der seitherigen
Organisation der Realschule aussetzen kann, vom Hin- und Herwandern von Lehrern
und Schülern vom Schulberg zum Kornhaus bis zu den Gefahren
aus
einem übertriebenen Fachlehrersystem,
gipfelt in der Feststellung, daß »bei einer solch ungleichartigen
colluvies von Lehrern und Schülern die letzteren die Realschule ais eine
Freistätte der Unordnung und des Mutwillens betrachten«. Es ging damals hart an
der Auflösung der
Anstalt
vorbei, da Prof. Pahls Vorschlag auf Anstellung zweier hauptamtlicher Reallehrer
finanziellen Schwierigkeiten begegnete.
Endlich konnte deren
Wahl stattfinden. Beide Kandidaten waren aus dem Volksschullehrerstand
hervorgegangen und hatten die Reallehrerprüfung mit Auszeichnung bestanden. Am
25. Oktober 1833 begann die neue,
nunmehr zweiklassige
Schule ihre Arbeit. Während Reallehrer Wildermuth
nach
zwei Jahren eine neuerrichtete Stelle am Lyzeum bezog, widmete sein Kollege
Kieß,
vorher
Mädchenschullehrer in Tübingen, der Realschule noch fast 20 Jahre seine Kraft.
Mit seltenem pädagogischem
Geschick begabt, hat Kieß
mit bescheidenen Mitteln selbst physikalische
Apparate
hergestellt und ein Lehrbuch der Arithmetik und Algebra geschrieben, das auch an
anderen Schulen eingeführt wurde.
Mit der Neuordnung für die Realschüler,
für die 29 bzw. 30 Wochenstunden vorgesehen waren, blieben noch viele Wünsche
unerfüllt. Um keine Konkurrenz zum Lyzeum aufkommen zu lassen, hatte die Behörde
das Eintrittsalter aus dem Lyzeum oder aus der Volksschule m die Realschule auf
das vollendete elfte Lebensjahr festgesetzt. So konnte ein Realschüler höchstens
zweieinhalb, im ungünstigsten Fall nur eineinhalb Jahre in der Anstalt
verbleiben.
Der Staat leistete damals, abgesehen von
der Stuttgarter Realschule, noch keinen
Beitrag zu den niederen Realschulen, während für das Gelehrtenschulwesen
jährlich an die 80 000 fl. aufgewendet wurden! So schrieb in jenen Jahren
sprunghafter industrieller und kommerzieller Entwicklung ein
Landtagsabgeordneter als Berichterstatter der Schulkommission in seinem Bericht
voll Erregung: »Die Zeit ist unfehlbar nicht mehr fern, in welcher der
Unterricht nach dem wahren Bedürfnis reguliert werden wird, in welcher die
industrielle Jugend ihre eigenen, und zwar hinreichenden Anstalten haben und
nicht mehr bei der gelehrten Jugend kümmerlich hospitieren wird, in welcher der
Realunterricht nicht mehr bloß als Hintersaß des gelehrten Unterrichts
vernachlässigt und verachtet sein, sondern sich seinem ganzen Werte nach
emanzipieren wird.« Wenn diese aggressiven Sätze des Abgeordneten Menzel
(Balingen) uns auch im Ton befremden mögen, so zeigen sie doch zweierlei mit
aller Deutlichkeit: einmal das Hochgefühl der Kreise, welche das industrielle
Zeitalter mit heraufgeführt haben, zum andern das Mißverhältnis zwischen ihrer
wirtschaftlichen Funktion und ihrer sozialen Geltung.
Die Eröffnung der Oberklasse an der Tübinger Realschule ab Dezember
1837 mit Hufe eines ersten Staatsbeitrages von 1000 fl. war das Ergebnis
nahezu zweijähriger zäher Verhandlungen, in deren Verlauf der Stiftungsrat eine
Reorganisation von Lyzeum und Realschule durchzusetzen trachtete. Der Bericht
einer Kommission aus seinen Reihen fordert unter anderem vierstündigen
lateinischen Pflichtunterricht an der Realschule von Klasse I ab. Zweifellos war
nach allem, was vorausgegangen, Latein als Unterrichtsfach zu einer erstrangigen
Prestigefrage geworden. Nun zeigten sich die Folgen der Lösung, daß die
Vorstandschaft über die Realschule dem Leiter des Lyzeums übertragen worden war.
Es ist nur verständlich, daß Rektor Pahl gegen jeglichen Lateinunterricht an der
Realschule ebenso Sturm lief wie gegen eine Herabsetzung des Eintrittsalters.
Der Bürgerausschuß will nun Pahls
Vorstandschaft und seinen Unterricht an der Realschule aufgehoben wissen. Im
Jahre 1842 ist es endlich so weit, daß diese selbständig wird. Durch Anfügen
einer weiteren unteren Abteilung wird sie auf vier Klassen ausgebaut und hat
damit dieselbe Einrichtung und Klassenzahl wie das Lyzeum erreicht, aus dessen
Leitung sie jetzt entlassen wird. In Reallehrer Kieß, der seit 1837 den Titel
eines Oberreallehrers führt, erhält die Realanstalt ihren neuen Vorstand. Ein Reallehrerseminar, das an der Tübinger
Schule eine Musterschule als Übungsfeld finden sollte, hat sich als nicht
lebensfähig erwiesen und wurde nach siebeneinhalbjährigem Bestehen im Frühjahr
1846 wieder aufgehoben. An ihm hatten unter
anderen Prof. Quenstedt Naturgeschichte und - ganz gegen seinen Willen -
Friedrich Theodor Vischer deutsche Sprache gelehrt. Als dreiklassige Anstalt
hatte die Realschule im Kornhaus nur dadurch weiterhin Raum finden können, daß
die Amtswohnung eines Lehrers gekündigt und deren Küche zum
physikalisch-chemischen Institut erklärt worden war. Mit vier Klassen wurde die
Lage nun noch schwieriger. Der Straßenlärm war für den Unterricht kaum
erträglich. An Markttagen soll der Zugang zum Gebäude einem Bericht zufolge
geradezu »lebensgefährlich« gewesen sein!
Auch noch nach ihrer Lösung vom Lyzeum
stand die Realschule verständlicherweise ganz in dessen Schatten, vollends als
ersteres auf eine Eingabe der Bürgerschaft hin nach Aufstockung einer weiteren
Klasse durch Kgl. Dekret vom 10. November 1855 zum Landesgymnasium erhoben wurde. Wer
seinen Sohn studieren lassen wollte, brachte ihn aufs Gymnasium. Es gab sonst keinen Weg zur Universität,
abgesehen von den ehrwürdigen Klosterschulen des Landes, den heutigen
theologischen Seminaren. Die Realschule versuchte nun alles, ihre Oberklasse zu
retten, und sie ging dabei recht pragmatisch vor: Gästen, d. h. Lehrlingen aus
Handel und Gewerbe, wurden einzelne Stunden geöffnet und diese entsprechend auf
den Abend gelegt.
Kaufmännisches Rechnen nahm man in den Lehrplan auf, und schließlich
wurde Tübinger Bürgersöhnen an der Oberklasse das Schulgeld erlassen. Diese
Übung blieb ein Jahrzehnt in Geltung. Seit 1847 wurde Englisch als freiwilliges
Unterrichtsfach von einem Lehrer des Lyzeums erteilt. Den Großteil der
Teilnehmer an dem neuen Realschulfach stellten Schüler des Lyzeums. Daneben
konnten auch Volksschullehrer, Studenten und Lehrlinge an diesem Unterricht
teilnehmen. Im Herbst 1852 wechselte Oberreallehrer Kieß nach zwanzigjähriger
Tätigkeit an der Tübinger Realschule nach Reutlingen über, wo er 1867 als
Professor an der dortigen Realschule starb.
Sein Nachfolger in Tübingen, Dr.
Ferdinand Kommerell, konnte
im Jahr nach seinem Amtsantritt (1855) mit
seiner
Schule aus dem Kornhaus in das seitherige Mädchenschulgebäude im Südosten der
Stiftskirche, das sogenannte Toten- oder Grufthäusle, umziehen. Die Stadt hatte
nämlich für die Mädchenschule das Fakultätsgebäude Münzgasse 20 käuflich
erworben. Jetzt konnte man wenigstens an Zeichenunterricht denken, der seit 1853
von ausgebildeten Lehrkräften erteilt wird.
Der neue Leiter der Realschule aber hatte
in den ersten Jahren seiner Vorstandschaft einen schweren Stand. Hatte ein
Visitationsbericht des Jahres 1845 die Wiederaufhebung der Oberklasse zur
Erwägung gestellt, so gewann diese um 1860 jedoch wieder an Frequenz, vor allem
dadurch, daß Gymnasiasten mit technischen Berufszielen nach Abschluß der
Mittelstufe des Gymnasiums, dazu auch auswärtige Schüler ihre Vorbereitung aufs
Polytechnikum in der Oberklasse der Realschule suchten.
Kommerells Vorbereitungsunterricht
zeitigte die besten Erfolge. Seine Mathematik
war, mit meisterhafter Klarheit und nüchterner Gründlichkeit vorgetragen, damals
das Herzstück des Realunterrichts, Von erstaunlicher Arbeitskraft und auf Grund
seiner philosophischen und theologischen Studien über eine breite
wissenschaftliche Basis verfügend, fand der geborene Tübinger und frühere
Heidenheimer Reallehrer neben dem Unterricht an seiner Schule und dem Kampf um
deren Existenz noch Zeit zu mehrfacher Vorstandschaft und anderweitiger
Lehrtätigkeit, vor allem aber zu ausgedehnter wissenschaftlicher Arbeit. Seine
»Gedanken eines Reallehrers über die Realschule« im Correspondenzblatt sind
heute noch anregend zu lesen. Wie sein Vorgänger Kieß schrieb er aus der Praxis
heraus mathematische Unterrichtswerke, eine Übung, welcher die meisten der
späteren Schulleiter bis heute treu blieben. Im Jähr 1861 erwarb die Stadt für
das Gymnasium das stattliche Hauffsche Anwesen, einst von Kanzler Autenrieth
erbaut (heute Fritz Schimpf), am Lustnauer Tor mit Hilfe eines
Staatsbeitrags.
Nun bezog die Realschule das alte Gebäude
der anatolischen Schule gegenüber der Südostecke des Pfleghofs auf dem
Schulberg, ein Erdgeschoß und drei Stockwerke mit insgesamt neun
Unterrichtsräumen und der Wohnung des Famulus. Nach längerem Experimentieren
wird zu Kommerclls Entlastung an den Oberklassen eine zweite Lehrstelle
errichtet, die dem Lehramtskandidaten Friedrich Ramsler übertragen wird, der als
Hilfslehrer, seit 1870 als Professor und schließlich
1872-1894 als Rektor an der Schule arbeitet. Dr. Ramsler, ursprünglich
Volksschullehrer, hatte sich zu einem angesehenen Romanisten entwickelt, der
neben seiner Schulleitung und dem Unterricht an der Realschule einen Lehrauftrag
für Französisch an der Universität versah. Kommercll hatte einen solchen Auftrag
für Mathematik gehabt.
Unter Ramsler wurde aus der fünfklassigen
Realschule durch Teilung der drei unteren Klassen, welche je zwei Jahrgänge
umfaßten, etappenweise bis 1878 eine achtklassige Anstalt mit acht
Klassenlehrern. Die sechziger und siebziger Jahre hatten einen mächtigen
wirtschaftlichen Aufschwung gebracht, besonders in der »Gründerzeit« nach dem
gewonnenen deutsch-französischen Krieg 1870/71. Zwei Jahre vor dessen Ausbruch
war in Württemberg die allgemeine Wehrpflicht eingeführt worden und im
Zusammenhang damit die Berechtigung zum einjährigen freiwilligen Dienst auch für
den erfolgreichen Besuch der Oberklasse einer Realschule
erteilt.
Jetzt stieg die Schülerzahl beständig,
und die anatolische Schule mußte erweitert werden. Die Stadt kaufte zwei an sie
anstoßende Gebäude, um an ihrer Stelle mit einem Aufwand von 50 000 Mark ein zweites
Realschulgebäude zu errichten, dessen vier Klassenzimmer und Zeichensaal
im Herbst 1878 bezugsfertig waren. Inzwischen waren unter dem Einfluß des sich
steigernden Zuzugs zum technischen Studium im Jahre 1876 drei Realanstalten des
Landes: Stuttgart, Ulm und Rcutlingen, zu zehnklassigen Vollanstalten ausgebaut
und ihnen das Recht erteilt worden, Reifezeugnisse für die Technische Hochschule
auszustellen.
Prof.
Dr. Karl Fink, seit 1881 an der Tübinger Realschule, von 1894 bis 1898
Nachfolger Ramslers in deren Leitung, hatte mit Unterstützung des Handels- und
Gewerbevereins und der Bürgervereine wie schon sein Vorgänger Vorstöße
unternommen, den Ausbau seiner Schule zur Vollanstalt zu erreichen, was nach dem
Vorgang von 1876 nur noch eine Frage der Zeit zu sein schien. Auch er, wie
Kommercll früh verstorben, erlebte den angestrebten Ausbau nicht mehr.
Nach
Finks Tod gab es viel Wechsel im Rektorat. Dr. Otto Krimmel ging bereits
nach halbjähriger Tätigkeit als Schulleiter von Tübingen weg ans Stuttgarter
Lehrerinnenseminar. Sein Nachfolger Jacob Wilhelm Beißwanger verstarb
nach noch nicht anderthalbjähriger Leitung der Schule mit achtundvierzig Jahren
im Frühjahr 1900. Friedrich Haag vertauschte nach drei Jahren 1903 sein
Rektorat mit einer Professorenstelle an der Friedrich-Eugen-Realschule in
Stuttgart, nachdem auch sein Versuch, die Tübinger Realschule zur Vollanstalt
weiterzuführen, dilatorisch behandelt worden war. Die
Ministerialabteilung hatte nämlich als Voraussetzung dafür ein neues
Schulgebäude verlangt.
Die Stadt aber hatte mit dem Neubau des
Gymnasiums in der Uhlandstraße, das am 16. September 1901 bezogen wurde, große
Lasten auf sich genommen. Erst als Eugen Krimmel im Oktober 1903 das Rektorat
der Realschule übernahm, kehrten dort wieder stabilere Zeiten ein.
Mit Schuljahrbeginn 1909, am 16.
September, wird auf Grund eines Erlasses der Ministerialabteilung für die
höheren Schulen an der Realschule in Tübingen eine Klasse IX errichtet. Am 5.
Oktober folgt die Erhebung zur Oberrealschule, womit das Recht zur Ausstellung
von Reifezeugnissen für die Hochschulen, einschließlich der Universität
verbunden ist. Damit ist ein langerstrebtes Ziel errreicht. Die Schülerzahl der
neuen Vollanstalt betrug damals (Stichtag 1. Januar 1910) 485, darunter 15
Mädchen. Auf die Oberstufe entfielen 142, Auswärtige waren es 51. Bei der ersten
Reifeprüfung, die am 12. Juli 1910 abgeschlossen war, erhielten 18 Schüler das
Reifezeugnis, darunter 3 Mädchen.
Die bauliche Erweiterung der Realschule
von 1878 hatte längst nicht mehr genügt. Man war wieder auf das Kornhaus
zurückgekommen, wo im ersten Stock Zeichensäle eingerichtet und dafür im Anbau
am Schulberg Klassenzimmer gewonnen wurden.
Das
neue Gymnasium in der Uhlandstraße nahm in seinen Räumen zwei Realklassen auf,
das alte Kornhaus außerdem drei. Diese Verteilung auf drei Gebäude konnte
natürlich keine Dauerlösung sein. Ein großräumiger Neubau war eine gebieterische
Notwendigkeit geworden.
Im Sommer 1906 beschloß der Gemeinderat,
ihn in der Fortsetzung der Uhlandstraße aufzuführen und hierzu einen Wettbewerb
für schwäbische Architekten auszuschreiben. 100 Beteiligte stellten 114
Entwürfe; zur Ausführung kam ein Entwurf des Architekten Elsässer in Stuttgart,
eines einstigen Schülers des Tübinger Gymnasiums. Man begann mit dem Bau, der
gegen 300 000 Mark kostete, im Herbst 1908.
Am Samstag, 7. Mai 1910, konnte die
Einweihung stattfinden. Um 10 Uhr versammelten sich die Teilnehmer auf dem
Schulberg, wo man von dem »alten, rauchgeschwärzten, unansehnlichen und doch so
lieben, guten Hause« mit seiner prächtigen Aussicht auf Stadt und Neckartal
Abschied nahm. Mit vier Klassen war man 48 Jahre zuvor eingezogen, mit 16 zog
man jetzt ins neue geräumige Haus, unter den Klängen der Tübinger
Regimentskapelle, in strömendem Regen!
Der Übergabe des neuen Hauses an den
Schulleiter unter verschiedenen Ansprachen und der ersten Begehung durch die
Ehrengäste schloß sich um 11 Uhr die Festfeier in der Städtischen Turnhalle an,
wobei es an Reden und Glückwünschen nicht mangelte. Anschließend war man im
oberen Museumssaal zum Festessen beisammen. Die Kette der Trinksprüche wollte
nicht abreißen. Um 7 Uhr abends fand dann eine gesellige Zusammenkunft statt,
die aus allen Kreisen der Bürgerschaft sehr zahlreich besucht war. Im
Mittelpunkt des reichen, aus Ernst und Heiterkeit gemischten, musikalisch
aufgelockerten Abendprogramms stand eine Aufführung aus „Herzog Ernst von
Schwaben“ von Schülern und Schülerinnen der oberen Klassen. Die Tübinger Chronik
verteilte der Bedeutung des Ereignisses wegen ihren ausführlichen Festbericht
auf zwei Tagesausgaben.
Nach vierjähriger Arbeit im neuen
Schulhaus brach der Weltkrieg aus, zu dessen Beginn ein Teil der Lehrer gleich
einrückte. Von den 11
Schülern, welche sich im Juli 1914 an der Reifeprüfung beteiligten, traten 10
als Kriegsfreiwillige bzw. Fahnenjunker ein. Ihnen folgten im Lauf des ersten
Kriegsjahres noch eine Anzahl aus Klasse 6-9, einer sogar aus Klasse 4.
Inzwischen waren an der Westfront bereits drei junge Lehrer
gefallen.
Während die Schülerschaft, soweit sie
nicht zum Militär eingerückt war, von Anfang an neben ihrem Schulunterricht
Wach- und Botendienste, Erntearbeit und Hilfe bei der Sanität leistete,
milderten Professoren der Universität den kriegsbedingten Lehrermangel durch
Übernahme einzelner Unterrichtsstunden, wie dies in Einzelfällen
auch
im zweiten Weltkrieg wieder geschah. Während der Ferien wurden im Schulhaus
Landwehr- und Landsturmkompanien eingekleidet. Nach mehreren Kriegsfeiern
im Hause ging man
dazu
über, die Siege der deutschen Truppen im Osten durch Klassenausflüge zu feiern.
Für die Schüler an Klasse 6, 7 und 9, die
als Kriegsfreiwillige ins Heer eintraten, wurden im Dezember 1914 zum erstenmal
Notprüfungen abgehalten. Die ordentlichen Versetzungsprüfungen, ebenso die
mündlichen Prüfungen am Schluß des Schuljahres fielen auf behördliche Anordnung
über die Dauer des Krieges aus. Nach dem Schwinden verfrühter Siegeshoffnungen
wurden die höheren Schüler in der Jugendwehr systematisch für den Kriegsdienst
vorbereitet.
Der steigende Mangel an Lebensmitteln
während des Krieges und nach dem Zusammenbruch konnte natürlich nicht ohne
Auswirkung auf die Leistung unserer Schüler bleiben, wie auch die Regelmäßigkeit
des Unterrichts in den Kriegswintern und in der ersten Zeit nach
Kriegsende infolge der Schwierigkeit der Brennstoffversorgung sich nicht mehr
aufrechterhalten ließ. Die Verluste unserer Schule im ersten Weltkrieg betrugen
4 junge Referendare und 17 Schüler, deren Namen die Ehrentafel am Eingang des
Schulhauses nennt. Bedingt durch Kriegsfolgen wie Geburtenrückgang und
wirtschaftliche Verschlechterung weiter Bevölkerungskreise nahm die Schülerzahl,
die 1920 mit 648 Schülern in 20 Klassen einen Höchststand erreicht hatte,
zunächst wieder ab. Eine weitere Verringerung brachte die Aufhebung der
Vorklassen.
Bei der Amtsübergabe von Studiendirektor
Krimmel, den auf 1. Februar 1924 Dr. Viktor Kommerell in der Leitung
ablöste, war die Frequenz der Anstalt wieder auf 564 gestiegen, was man von
Seiten der Schulverwaltung nicht ohne gewisse Sorge sah. Wenn vorher ein
Rückgang der Schülerzahl als Kriegsfolge zu verzeichnen war, so schickten
nunmehr viele Eltern ihre Kinder sozusagen auf Zeitgewinn in die höhere Schule,
da bei den traurigen wirtschaftlichen Verhältnissen keine Aussicht bestand, sie
auf absehbare Zeit im Erwerbsleben einigermaßen günstig unterzubringen.
Der neue Schulleiter, Sohn des früheren
Rektors Dr. Ferdinand Kommerell, ist Tübinger Gymnasiast und Stiftler gewesen.
Neben seiner Schulleitung führte er die gewissermaßen schon zur Tradition
gewordene Arbeit unserer mathematischen Schulleiter an verschiedenen
mathematischen Fachwerken und in akademischer Lehrtätigkeit fort. In
Gemeinschaft mit seinem Vetter, dem Universitätsprofessor Dr. Karl Kommerell,
zeichnete Viktor Kommerell als Herausgeber mehrerer mathematischer Lehrbücher.
Ende 1930 erhielt er die Stellung eines Honorarprofessors an unserer
Landesuniversität.
Viktor Kommcrell, der vielseitige
Mathematiker von Ruf, hat sich für ein stärkeres Gewicht des Lateinunterrichts
an seiner Schule auf Kosten der Mathematik eingesetzt! Da im Laufe des
Medizinstudiums das Kleine Latinum verlangt wird, hatte man bereits im Jahre
1908 freiwilliges Latein an den Oberklassen eingerichtet, das recht gut besucht
wurde. Nun hätte es sich noch darum gehandelt, den Schülern die Möglichkeit zu
verschaffen, das Große Latinum an der Schule zu erwerben. Das hieß aber, einen
Zug mit Latein als Pflichtfremdsprache einzurichten, wie er heute
besteht. Dem hat die Behörde damals sich noch versagen zu müssen
geglaubt.
Dabei war Kommerells Bestreben in dieser
Frage keineswegs in erster Linie pragmatisch bestimmt. Dazu war er selbst auf
dem altsprachlichen Sektor viel zu gründlich ausgebildet, um dessen
erzieherische Werte nicht fruchtbar machen zu wollen, um so der Gefahr einer
einseitigen Auffassung der Oberrealschule als Vorbereitung für technische
Studienzweige zu begegnen. Es war hohe Zeit, daß die Lehrpläne von 1903, 1912
und 1928 mit den deutschkundlichen besonders die naturwissenschaftlichen Fächer
neben der Mathematik an den Realanstalten stärker zur Geltung zu bringen
suchten.
Im
Jahre 1933 trat Dr. Kuno Fladt die Nachfolge Dr. Kommerells an. Wie
dieser war Dr. Fladt neben seinem Schulamt in der Herausgabe von mathematischen
Schulbüchern, Veröffentlichungen zur Methodik und Didaktik dieses Faches sowie
in Vorlesungen über Elementarmathematik tätig. Heute wirkt er als
Honorarprofessor an der Universität Freiburg. Unter ihm wurde die Tübinger
Oberrealschule mit je einer Klasse 4-7 unter die Versuchsschulen des Landes
eingereiht, was sich in den Berichten über zahlreiche Fachsitzungen zeigt, auf
denen Erfahrungen mit Lehrbüchern ausgetauscht und Unterrichtsmethoden neu
durchdacht wurden.
Das
neue politische Regime im Reich brachte auch in der Organisation und im inneren
Leben der höheren Schulen einschneidende Veränderungen. Im Zuge der
Nivellierungstendenzen wurde die hiesige Oberrealschule Ende Mai 1937 als
»Oberschule für Jungen« in die Einheitsform der höheren Schule überführt,
Bereits damals unterbreitete der Schulleiter der Ministerialabteilung den
Vorschlag, ihr bei dieser Gelegenheit den Namen »Kepleroberschule« beizulegen.
Am 2. November desselben Jahres kann er die Namensverleihung in einem Festakt im Vortragssaal der
Schule bekanntgeben.
Inzwischen
häufen
sich die Maßnahmen zur Politisierung und weltanschaulichen Gleichschaltung des
Unterrichtswesens. Vor allem aber wird die körperliche Ertüchtigung mit größtem
Nachdruck durchgeführt. Geschlossen steht die Schülerschaft in der Hitlerjugend.
Dabei mehren sich die Klagen über eine untragbare Beanspruchung der jungen
Menschen für außerschulische Aufgaben und über ständige Störung des
Unterrichtsbetriebs.
Zu Beginn des Jahres 1938 gipfelt der
Bericht des Schulleiters in den Worten: »Es ist allerhöchste Zeit, daß die
Schularbeit von der außerschulischen Welt wieder anerkannt und auf sie Rücksicht
genommen wird. Die Ablenkung und die Zerfahrenheit unserer Schüler wird
nachgerade unerträglich.«
Zu
Beginn des folgenden Schuljahrs steht die Welt bereits unter dem Druck drohender
Kriegsgefahr. Am letzten Augusttag werden sämtliche höheren Schulen Tübingens
mit Ausnahme ihrer Sammlungsräume für Wehrmachtszwecke beschlagnahmt. Strohlager werden
eingerichtet, Schuleinrichtung, Lehrmittel und Schulakten in Sicherheit
gebracht. »Über Ersatzräume kann nichts gesagt werden«, lautet die lakonische
Auskunft auf die Anfrage, wo denn nun Unterricht gehalten werden soll. So muß
dieser in den ersten Kriegstagen ausfallen. Mitte September wird er als
Schichtunterricht im Wechsel mit dem Uhlandgymnasium in dessen Gebäude unter
anteilmäßiger Verkürzung aller Fächer
wieder aufgenommen.
Die
zum Wehrdienst Einberufenen der obersten Klasse erhalten im ersten Kriegsjahr
das Reifezeugnis ohne Prüfung, wenn sie ein halbes Jahr die Oberprima besucht
und »nach Führung und Leistung die Zuerkennung verdient«
haben.
Als
in der zweiten Januarwoche 1940 eine Rückkehr in unser Schulgebäude wieder
möglich geworden ist, müssen zwci Wochen später Kohlenferien gegeben werden, die
sich auf zwei Monate ausdehnen. In jenem Frühjahr sind von ehemals 43
Reifeprüfungsbewerbern noch 14 zur Prüfung verblieben. Die anderen haben ihren
Reifevermerk erhalten und stehen längst im Feld.
Am Ende des Schuljahres kann keine
Schlußfeier gehalten werden, weil die Turnhalle nicht geheizt werden darf.
Vorübergehende teilweise Belegung der Schulräume, Kohlenmangel und Einziehung
von 7 Lehrern zum Kriegsdienst verkürzen auch im folgenden Jahr den Unterricht.
Luftschutzproben, später Fliegeralarme,
Einsatz bei Erntearbeiten., bei allerlei Sammlungen wie Altmaterial,
Bucheckern und Seegras, Holzlese,
Wehrdienstlager, politische und weltanschauliche Feiern unterbrechen den
Schulunterricht in immer stärkerem Maße. Die Leistungen der Schüler
sinken.
Ende April 1943 sind von den der Schule
verbliebenen 12 Lehrern 8 über 60 Jahre alt und die übrigen 4 kriegsuntauglich.
Im September jenes Jahres werden die auf Grund militärärztlicher Untersuchung
festgestellten Luftwaffenhelfer von zwei
Unteroffizieren nach Karlsruhe abgeholt. Die Reste der Klassen 6-8 werden
jetzt mit denen des Uhlandgymnasiums teil weise zusammengelegt. Im Oktober 1943
können nur noch 250 Schüler
unterrichtet werden. Die Klassen 5-7 sind in diesem Monat in Böblingen zu
Aufräumungsarbeiten eingesetzt.
Noch im Dezember werden zwei weitere
Jahrgänge, Schüler der Klasse 5 (!), zu Luftwaffenhelfern gemustert und Mitte
Januar 1944 nach Karlsruhe gebracht. Klasse 6 und 7, soweit noch vorhanden,
werden nun zu einer HJ-Klasse zusammengefaßt, und HJ-Führer halten Übungsstunden
in Deutsch und Geschichte. Nach dem Luftangriff vom 15./i6. März 1944 braucht
man unsere Schüler in der eigenen Stadt zur Trümmerbeseitigung. Immer spärlicher
werden die Protokolle des Lehrerrats. Nach dem Versetzungskonvent vom 6. Juli
1944 setzen sie fast auf den Tag genau für zwei Jahre aus.
Die sich überstürzenden Ereignisse beim
Zusammenbruch, die militärische Besetzung der Stadt, die Auflösung der
behördlichen Organisation, die Sorge um die nackte Existenz, die Beschlagnahme
von Schulgebäuden für schulfremde Zwecke, das alles lähmt den Unterrichtsbetrieb
völlig.
Unter beträchtlichen Schwierigkeiten wird
das Schulwesen wieder in Gang gebracht. In der Tübinger Kepleroberschule kann
der Unterricht am 5. Oktober 1945 wiederaufgenommen werden. Mit der
kommissarischen Führung der Geschäfte des Schulleiters wird Studiendirektor
Brunnenmiller beauftragt, der unter den gegebenen Umständen eine
schwierige und äußerst undankbare Arbeit übernimmt. Infolge Mangels an Räumen
und Heizmaterial, fortwährender Verschiebung der Lehraufträge und dauernder
personeller Veränderungen in der Lehrerschaft kann man nur von einem Tag zum
andern planen.
Eine Kürzung des Unterrichts an den
Unterklassen zwischen 25 und 40 Prozent bei 10-stündigcr Ausnützung der ganz
wenigen geheizten Schulräume von morgens 7 Uhr bis abends 18 Uhr und einer
Stunde Mittagspause ist nicht zu umgehen. Ohne Beanspruchung der überlasteten
Stadtgemeinde sind Öfen und Brennmaterialien beschafft worden. Sonst fehlt es an
allem, von den Lehrbüchern bis zum Schulheft. Der Ernährungs- und
Gesundheitszustand ist bei Lehrern und Schülern schlecht. Bei fast einem Drittel
der Schüler einer Unterklasse ist der Vater gefallen, gestorben, vermißt oder
noch in Gefangenschaft.
Als
Oberstudiendirektor Dr. Eugen Bückle nach vertretungsweiser Leitung der
Anstalt durch Oberstudienrat Hornung vom Januar bis August 1948, am 2.
September 1948 das Rektorat übernimmt, ist die Entwicklung inzwischen in
einigermaßen normale Bahnen gelangt. Im neuen Land Südwürttemberg-Hohenzollern
wird zur Ausbildung des Nachwuchses für das höhere Lehramt ein Seminar für
Studienreferendare errichtet, das in großer räumlicher Beengung seinen Sitz in
der Kepleroberschule bekommt.
Im äußeren und inneren Ausbau des
Schullebens versucht man, den Erfordernissen der Zeit gerecht zu
werden.
Seit 1949 trägt ein Elternbeirat mit je
einem unter den Eltern gewählten Vertreter für jede Klasse die Sorgen der Schule
mit und ist um die Lösung ihrer Fragen mitbemüht.
Wenngleich die vieldiskutierte
Schülermitverwaltung noch weithin im Stadium des Experimentierens steht, so
nehmen unsere Schüler heute doch vieles selbst in die Hand, worin sie früher von
Schulleitung und Lehrerschaft geführt sein wollten. Planung und Gestaltung von
Schulfeiern, vor allem zahlreiche Klassenabende, die der engeren Verbindung von
Elternschaft und
Schule
dienen, sind für unsere Schüler Gelegenheiten, selbst gemeinschaftsbildend tätig
zu sein.
Eine Schülerzeitschrift, zunächst von
unseren Schülern allein, unter dem Titel »Der Pennäler« herausgegeben, wird
heute als »UKW« (Uhland-, Kepler- und Wildermuthgymnasium) gemeinsam
redigiert.
Im Schuljahr 1953/54 wird auf freiwilliger Grundlage
erstmalig zu Beginn einer jeden Arbeitswoche eine kurze Besinnung mit
musikalischer Umrahmung für Schüler der Oberstufe eingeführt. Dazu treten im
darauffolgenden Schuljahr regelmäßige Wochenschlußfeiern in der letzten
Samstagstunde; diese werden zum Teil von Schülern der oberen Klassen übernommen.
In Studienrat Dürr, der von Jahr zu Jahr eine Schauspielgruppe aus Angehörigen
der Oberklassen schult und mit ihr in öffentlichen Aufführungen schon öfters
hervorgetreten ist, haben die Feiern am Wochenende ihren Betreuer
gefunden.
Als
Dr. Eugen Buckle am Ende des Schuljahres 1953/54 in den Ruhestand tritt, versieht
Oberstudienrat Wilhelm Schweizer die Rektoratsgeschäfte und wird am 18.
November 1954 vom Präsidenten des Oberschulamts als Oberstudiendirektor
feierlich ins Amt des Schulleiters eingeführt. Er tritt 24 Klassen mit 845
Schülern an. Als seitheriger Stellvertreter des Direktors ist er sowohl mit dem
Lehrerkollegium als auch mit der Schülerschaft längst verbunden und mit dem
besonderen Charakter der Anstalt aufs beste vertraut. Hatte er ihn doch
vor
der Übernahme der Schulleitung weithin mitgeprägt. Durch ein in Westdeutschland
heute führendes vielgliedriges mathematisches Unterrichtswerk als
Wissenschaftler und Didaktiker seines Faches von weitreichender Wirkung, daneben
in Vorlesungen an der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät der
Universität Tübingen tätig, die ihn im Jahr 1954 mit der Ernennung zum
Honorarprofessor ehrte, bildet der heutige Leiter des Keplergymnasiums wie so
mancher seiner Vorgänger eine lebendige Brücke von der Schule zur Universität.
Vieles
hat sein Vorgänger in stiller und zäher Arbeit zum Besten der Schule ins Leben
gerufen, manches hart erkämpft. Nacheinander können drei Planstellen mit
Altphilologen besetzt werden, und es wird ein Zug ausgebaut, der mit Latein als
zweiter Fremdsprache in der Reifeprüfung erstmals im Frühjahr 1955 den Erwerb des Großen Latinums
ermöglicht. Die allgemeine Anordnung, daß alle höheren Vollanstalten des Landes
die Bezeichnung »Gymnasium« erhalten, hat unserer Schule mit Beginn des Jahres
1954 die Bezeichnung »Keplergymnasium« gebracht. In seiner Antrittsrede hatte
der neue Schulleiter die musische Erziehung als sein ganz besonderes Anliegen
bezeichnet. In welchem Maße dies bis heute Wirklichkeit geworden, ist in weiter
Öffentlichkeit bekannt.
Die
letzten Jahre brachten im Rahmen der Bemühungen um eine wirksame Schulreform
eine lehrplanmäßige Neuorganisation für unser Bundesland, wobei durch Kürzung
der Fülle des Lehrstoffs in den einzelnen Fächern zugunsten exemplarischer
Behandlung einer Stoffauswahl und durch Einführung des neuen Pflichtfachs
»Gemeinschaftskunde« für die Abschlußklassen 6 und 9 ein besserer Bildungserfolg
erreicht werden soll. Nach der neuen
Ordnung hat unsere Schule als »mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium« zu gelten. Mit
seinen gegenwärtig 752 Schülern in 24 Klassen bei 29
Studienratsplanstellen, wozu noch 2 Stellen für Assessoren sowie eine für den
evangelischen und eine halbe Stelle für den katholischen Religionslehrer kommen,
ist dem Tübinger Keplergymnasium mit Erlaß des Kultusministeriums vom 30.
November 1957 der Rang einer »besonders bedeutenden höheren Schule« zuerkannt
worden.
Bei allem erfreulichen Ausbau im äußeren
wie im inneren Leben der Schule und bei aller Anerkennung von deren Bedeutung
blieb ein Notstand, der ihre pädagogischen Möglichkeiten nicht zu voller
Auswirkung kommen ließ: ihre Raumnot. Vor 48 Jahren für 450 Schüler gebaut, hat
das Keplergymnasium beim Amtsantritt seines jetzigen Leiters das Doppelte an
Schülern unterzubringen gehabt. Für 24 Klassen waren 16 Unterrichtsräume bei
einer Durchschnittsklassenstärke von 42 Schülern vorhanden. Das hieß in den
letzten Jahren Schichtunterricht von 7 Uhr früh bis 18 Uhr abends. Wanderklassen
zwischen Kellergeschoß und Dachstock brachten Lärm und Unruhe ins Haus und
erschwerten Ordnung und Disziplin. Die Stadt verschloß sich der Notwendigkeit
eines großangelegten Anbaues nicht, und der Gemeinderat beschloß diesen bereits
in der Sitzung vom 5. Dezember 1955.
Es
bedurfte aber noch langer Verhandlungen, vor allem zwischen Staat und Stadt,
viele Schwierigkeiten mußten aus dem Weg geräumt werden, bis im Juli 1956 die
Baugrube ausgehoben und die ersten Gerüste erstellt wurden. Unsere große
Schulfamilie, nicht zuletzt die Eltern unserer Schüler, verfolgten das Wachsen
des Baues mit Freude und Hoffnung.
Am
30. November 1956 konnte Richtfest gehalten werden. Was alle beteiligten Stellen,
vorab die Stadt Tübingen, ihr Oberbürgermeister, Gemeinderat und die
städtischen Ämter an Planung, Verhandlungen, verantwortungsfreudigem Eingehen
hoher finanzieller Verpflichtungen auf sich genommen haben, was alle an Bau und
Einrichtung Beteiligten geleistet haben, wird von der ganzen Bürgerschaft
dankbar anerkannt. Daß unsere den Schulen so aufgeschlossene Stadt bei allen den
Aufgaben, die sie bedrängen, ihrem Keplergymnasium die Räume schafft, die ihm
helfen, seinen Schülern eine den Erfordernissen unserer Tage angemessene
Ausbildung zu geben, bedeutet Lehrern wie Schülern hohe Verpflichtung.
E.
Rieber
Im Rektorat des Keplergymnasiums:
Oberstudiendirektor Prof. Wilhelm Schweizer mit Gymnasialprofessor Kurt
Arzt.

Die
Schreinerarbeiten am Erweiterungsbau des Keplergymnasiums
führten aus:
Hermann und Arthur Binanzer
Bau- und Möbelschreinerei
Tübingen,
Reullinger Straße 37, Telefon 3312
Karl Bisinger
mech. Bau- und Möbelschreinerei, Innenausbau Tübingen-Derendingen, Roßbergstraße 15, Telefon 3058
Ernst August Karrer
Möbel- und Innenausbau
Tübingen,
Nauklerstraße 37 a, Telefon 2612
Karl Kehrer
Schreinerei, Tübingen, Herrenberger Straße 75, Telefon 31 97
Albert Klink
Schreinerei, Tübingen, Derendinger Straße 22, Telefon 3208
Heinz Lettmann
Schreinerei, Tübingen, Köllestraße 33, Telefon 3983
Hermann Reisser &. Sohn
Möbelwerkstätte, Innenausbau Tübingen, Schulstraße 10, Telefon 4593
Ernst Riekert
Schreinerei
Tübingen-Lustnau, Pfrondorfer Straße 16, Telefon 3570
Martin Sulz
Möbelwerkstätte, Einrichtungshaus Ofterdingen, Telefon Mössingen 196
BAUEN UND
ERZIEHEN
In
räumlicher Enge erziehen - kann eine Not werden. Ist es nicht so, daß die
Schulatmosphäre und damit der Erfolg der Schularbeit nicht unwesentlich von
der räumlichen Gestaltung der Schule
abhängt. Wenn das Keplergymnasium dieses Jahr die Türen zu einer ganzen
Zahl von neuen Klassenzimmern aufschließen darf und in das neue Schulgebäude
einzieht, so bedeutet das einen wichtigen Einschnitt in seiner
Schulgeschichte.
Wenn
ich als Leiter der Abteilung »Höhere Schulen« im Oberschulamt heute Schulbesuche
durchführe, so ist mir der Zusammenklang von Raum und Erziehung immer wieder
klargeworden. Immer wieder spüre ich, wie die Auflockerung der Klassen und die
räumlich ermöglichte freiere Haltung im Arbeitsunterricht fruchtbare
Voraussetzungen für den Erziehungserfolg sind. Das spürt auch die Jugend. So
faßt ein l7-Jährigcr die Freude über sein neues Schulhaus in die
frohbeschwingten Sätze: »Als wir in unser neues Gebäude umzogen, wurde mir klar,
daß dieser Umzug mehr bedeutete als nur einen Wechsel des Hauses. Die Schule,
aus der wir kamen, war ganz im Stile früherer Zeit errichtet. Sie machte auf
mich mit ihrer starren unfreundlichen Architektur immer einen etwas düsteren und
unwohnlichen Eindruck. Die helle, klare und einfache Konstruktion des neuen
Gebäudes wirkt wohltuend und anziehend auf mich. Daß es eine Schule ist, sieht
man dem Bau von außen nicht an. Vom Gesamtplan bis zur kleinsten Einzelheit
steht sie im völligen Gegensatz zu den >Anstalten<, die ich vorher
besuchte. Hier ist alles freizügig, praktisch, einfach und schön. Früher
dagegen war alles streng geometrisch, starr und ohne jede
Auflockerung.«
Der
Junge weiß, daß »die Gestaltung des Schulbaus nicht nur eine äußerliche
architektonische Änderung bedeutet, sondern eine Wandlung in der Auffassung von
Schule und Erziehung überhaupt ausdrückt«. Er fügt am Schluß die verpflichtende
Bemerkung an: »Mir wurde klar, daß gerade diese Bequemlichkeit, Formschönheit
und Freizügigkeit, die uns geboten werden, von mir Achtung und Selbstdisziplin
verlangen.«
Die
Forderungen, die sich aus der Natur des jungen Menschen und dem Sinn der
Erziehung in unserer Zeit ergeben, können heute kaum mehr in räumlich beengter,
durch Behelfe und Schichtunterricht gekennzeichneter Schularbeit erfüllt werden.
Wohl wird es selten eine eindeutige Verbindung architektonischer Möglichkeiten
mit pädagogischen Notwendigkeiten ergeben. Aber an der Lösung, wie sie für das
Keplergymnasium gefunden wurde, ist zu erkennen, wie der Architekt bemüht war,
eine intime Beziehung zwischen dem jungen Menschen und seinem Arbeits- und
Freizeitraum zu schaffen. Diese Beziehung kann nicht intim genug sein. Ich finde
vor allem den Übergang von Arbeitsstätte zu Freizeitraum sehr glücklich gewählt.
Die Natur ist einbezogen in die Gesamtgestaltung und gibt das Gefühl der freien
Atmungs- und Bewegungsmöglichkeit.
Was
die Schule unserer Zeit von der früheren am meisten trennt: daß sie nicht mehr
autoritär gelenkte Lern- und Paukanstalt, sondern freie Erziehungsschule ist,
bestimmt heute wesentlich die baulichen Akzente. Die »Schulkaserne« war der
Ausdruck der Gleichschaltung, der autoritären Lenkung, der rezeptiven Haltung
der Jugend, des geistigen Drills und des Verzichts auf Mittätigkeit und
.Mitverantwortung. Die Gliederung und Formenwelt einer solchen Schulkaserne
wirken unwillkürlich auf die jungen Menschen. Es ist nicht verwunderlich, wenn
solche Jungen sich der Umwelt anpassen und dauernd in solchen Räumen geistig
stramm stehen. Das ist im Fall des
Keplergymnasiums glücklicherweise vermieden worden. Vor allem in der
Organisation des Innenraums sind wichtige moderne pädagogische Forderungen
erfüllt. An modernen Schulen wollen wir ja dem jungen Menschen eine anregende
und zugleich wohnliche Umgebung schaffen. Wir brauchen daher auch mehr Fachräume: sie
dienen dem Experiment im naturwissenschaftlichen Unterricht,
zeichnerischer oder musikalischer Betätigung und manueller Arbeit. Die
Gruppenerziehung in Arbeitsgemeinschaften sollte jeder Begabung gerecht werden
können und Begabungen zusammenführen.
Gelingt
es noch, die Gemeinschaftserziehung und die Mitverantwortung der Schüler durch
Gesellschaftsräume zu beleben, so hat der Architekt auch für diese modernen
pädagogischen Ziele die Voraussetzungen geschaffen. Ich habe gerade an
englischen Schulen die Bedeutung der Gesellschaftsräume - der Halle, des
Präfektenzimmers u. a. - ermessen können.
Die
ideale Lage des Keplergymnasiums und seines Neubaues gibt ihr wesentliche
Vorteile gegenüber vielen anderen Schulen unseres Bezirks. Die Freiräume und
besonders die Grünfläche im weitesten Sinne – die städtischen Anlagen im
Hintergrund - müssen als Teile der gesamten »pädagogischen Provinz« aufgefaßt
werden. Hier haben wir die ideale Umrahmung einer städtischen Schule - einer
Stätte der Erziehung zu welt-und naturoffenem Wesen. Da können Leib und Seele
gedeihen. Von ganzem Herzen können wir von der Schulverwaltung der Jugend, dem
Schulleiter und seinen Lehrern zu diesem Neubau gratulieren. Der Stadt Tübingen, ihrem Oberbürgermeister,
Gemeinderat und Baustab gebührt aufrichtiger Dank für die zweckmäßige und
großzügige Planung.
H.Dietz
UNSERE SCHULE IN NEUER GESTALT
Mit
der Einweihung des Erweiterungsbaues beginnt ein neuer Abschnitt in der 135jährigen Geschichte des Keplergymnasiums.
Der Zuwachs an neuen Räumen
bedeutet nicht nur die äußere Beseitigung der jahrzehntelangen
Raumnot, er wird auch tief in die Unterrichts- und
Erziehungsarbeit eingreifen und wesentlich dazu beitragen, die im Gang
befindliche innere Reform dieser Arbeit auf einer Reihe von Gebieten
voranzutreiben.
1.
Am meisten springt dies beim naturwissenschaftlichen Unterricht in die
Augen. In unserem Altbau, der vor 48 Jahren eingeweiht und von 16 Klassen
mit 485 Schülern bezogen wurde, war ursprünglich nur ein einziger »Hörsaal«, der
nach Größe und Einrichtung sehr unzulängliche bisherige Physikraum, als
gemeinsamer Lehrsaal für Physik, Chemie und Biologie vorgesehen. Als sich in den
zwanziger Jahren die Klassenzahl erhöhte, mußte ein Klassenzimmer des
Erdgeschosses behelfsmäßig für Chemie eingerichtet werden. Nach dem Krieg
wurden schließlich noch die beiden letzten Klassenzimmer des Erdgeschosses in
einen Biologiesaal und den zugehörigen Sammlungsraum verwandelt. Die
Sammlungs- und Übungsräume für die drei Naturwissenschaften waren schon von
Anfang an unzureichend. Der einzige Übungsraum ging zudem verloren, als die
Hausmeisterwohnung aus hygienischen Gründen vom Keller- in das Erdgeschoß
verlegt wurde.
Bei
der außerordentlich raschen Entwicklung und der wachsenden Bedeutung der
Naturwissenschaften In den letzten 50 Jahren und bei der immer lauter werdenden
Forderung nach Abhaltung naturwissenschaftlicher Übungen ergaben sich daher bald
unhaltbare Verhältnisse. Kein Wunder, daß schon vor dem zweiten Weltkrieg der
Plan entstand, einen Flügelanbau für die naturwissenschaftlichen Fächer auf der
Seite des Turnplatzes zu errichten. Der Krieg ließ es nicht so weit
kommen.
Der
jetzt erstellte Neubau erlaubt die Lösung aller dieser Probleme. Da ist im
zweiten Stock der Physiksaal der Oberstufe (für 24 bis 27 Stunden
an Klasse 7 bis 9) mit dem zugehörigen Sammlungsraum. Anschließend folgt der
kombinierte Saal für die Mittelstufenphysik (12 Stunden an Klasse 5 und
6) und die Oberstufenbiologie (19 bis 22 Stunden an Klasse 6 bis 9) mit
geteiltem Sammlungsraum (30 Stunden Biologie an Klasse 1 bis 5 werden nach wie
vor im Biologiesaal des Altbaus erteilt). Der neue Chemiesaal (für 22 bis
24 Stunden an Klasse 6 bis 9) mit Vorbereitungsraum und Sammlung wurde mit
Bedacht in den obersten Stock gelegt. Er ist so geräumig gehalten, daß auch
Experimentalvorträge jeder Art für einen größeren Kreis von Zuhörern oder, wenn
nötig, gemeinsamer Unterricht für zwei Klassen stattfinden kann.
Von entscheidender Bedeutung für die
fruchtbare Gestaltung des Unterrichts sind die zur Physik, Chemie und Biologie
gehörigen geräumigen drei Übungsräume. In jedem von ihnen ist es möglich,
bis zu 40 Schüler
gleichzeitig
an zweckmäßig ausgestatteten Arbeitsplätzen experimentieren zu lassen. Da sich
besonders in Physik und Chemie erfahrungsgemäß je über 100 Interessenten
freiwillig zu diesen Übungen melden, die Zahl der Lehrerstunden aber eng
begrenzt sein muß, wenn nicht große Kosten entstehen sollen, so werden wir die
Räume stark besetzen müssen und aus dieser Not eine Tugend machen, indem wir
tüchtige schulische Kräfte als »Assistenten« des Lehrers zur Betreuung der
Kameraden einsetzen.
In
diesen Übungen soll der Schüler Gelegenheit erhalten, im eigenen Versuch
Naturgesetzen nachzuspüren, Fragen aufzuwerfen, Lösungen zu suchen,
Fehlerquellen und Irrwege auszuschalten, sorgfältig zu beobachten, genau zu
messen, das Wesentliche zu erkennen, Gewonnenes herauszustellen. Auf diese Weise
soll er an geeignet gewählten charakteristischen Beispielen grundlegende
Begriffe und Sätze der Naturwissenschaften erfassen, mit den Methoden
naturwissenschaftlicher Forschung vertraut werden und zugleich die formende und
bildende Kraft einer solchen Tätigkeit erfahren.
2.
Die Astronomie, in den meisten Bundesländern ein Stiefkind des
Unterrichts, wurde schon immer in der Heimat von Johannes Kepler und besonders
auch an unserer Schule liebevoll gepflegt. Am meisten haben sich ihrer die
Mathematiklehrer angenommen, und sie werden es weiterhin in verstärktem Maße
tun. Darauf weist die Plattform im dritten Stock des Neubaus hin. Sie ist
nicht zuletzt für astronomische Beobachtungen gedacht. Freilich fehlt uns noch
ein astronomisches Fernrohr. Ob sich wohl ein Spender findet, der uns
hilft, die nötigen 3000 DM hiefür aufzubringen? - Der gestirnte Himmel hat auch
heute noch, wie zu Kants Zeiten, all denen etwas zu sagen, die sich die Zeit und
Mühe nehmen, ihn zu beobachten.
3.
Auch die Mathematik ging beim Bau nicht ganz leer aus. Sie hatte nach dem
Krieg ihr Sammlungszimmer verloren. Nun trägt eine Tür im ersten Stock
des Neubaus das Schild »Mathematische Sammlung«. Freilich sind auch hier wie
überall die Schränke nur teilweise gefüllt. Im Lauf der nächsten Jahre soll
jedoch in den neuen Werkräumen eine möglichst vollständige Sammlung
mathematischer Anschauungsmittel aller Art von Lehrern und Schülern
in gemeinsamer Arbeit hergestellt werden. Sie mag, wie die übrigen Sammlungen,
unseren Referendaren als Muster dienen und anderen Schulen Anregung zur
Nachahmung geben.
4.
Im Zimmer neben der mathematischen Sammlung ist die Erdkunde-, Karten-
und Diapositiv Sammlung untergebracht. Die letztere enthält schon
jetzt rund 6000 vielfach farbige Dias aus dem Bereich der Biologie, Erdkunde,
Geschichte und bildenden Kunst in übersichtlicher Gliederung. Sie wurde in
jahrelanger selbstloser Arbeit von Oberstudienrat Dr. Gradmann für die
Schule hergestellt (Selbstkosten 25 bis 40 Pfennig pro Stück). Die Sammlung wird
weiter ausgebaut und auf alle Fächer ausgedehnt. Neben Dr. Gradmann, der auch in
seinem Ruhestand an diesem Werk weiterarbeitet, will sich der Photoklub
der Schule aktiv einsetzen, sobald die zweite Dunkelkammer (unter der
Treppe des oberen Flurs)
zur
Verfügung steht. Um diese Dias unbehindert und überall verwenden und damit in
besonders lebendiger und wirksamer Weise den alten Satz von der Anschauung
als dem Fundament aller Erkenntnis beherzigen zu können, wurden in jedem
Saal des Neubaus Projektionsflächen und Steckdosen angebracht und
Ver-dunkelungsvorrichtungen vorgesehen. Wir hoffen, die vielfach noch fehlenden
Vorhänge bald beschaffen und auf jedem Flur
ein fahrbares Projektionsgerät bereitstellen zu können. Dem
gleichen Zweck, eine
breite
Veranschaulichung zu ermöglichen, dienen die in allen neuen Klassenzimmern
angebrachten Korkwandflächen, Aufhängeleisten und Schaukästen.
5.
Das größte Geschenk, das der neue Bau für die Schule in sich birgt, ist die
Aula. Welche Behinderung und Einschränkung es für uns bedeutet hat, viele
Jahre lang mit einem früheren Zeichensaal als Versammlungsraum vorlieb nehmen zu
müssen, haben wir oft und oft schmerzlich empfunden. Die neue Halle mit ihren
rund 400 Plätzen bietet uns nun endlich die Möglichkeit, ohne Zeit- und
Geldverlust die vielen Veranstaltungen und Feiern, die wir als wesentlichen
Bestandteil unseres Schullebens
betrachten, im eigenen Haus abzuhalten: Wochenanfangsfeiern, Wochenschlußfeiern, Aufführungen
der Schauspielgruppe, Klassenelternabende, Elternbesprechungen,
Lichtbildervorträge, Konzerte, gesellige Veranstaltungen im kleineren und
größeren Kreis. Einzig die Schlußfeiern mit ihren über 1000 Teilnehmern werden
wir nach wie vor in der Hermann-Hepper-Turnhalle durchführen müssen.
Die
Aula ist zugleich unser wichtigster Musiksaal. Von den insgesamt 34 bis
37 Stunden Musikunterricht an 24 bis 25 Klassen und den 6 Stunden für Orchester
und Chor werden die meisten in der Aula abgehalten. Flügel, Radioapparat,
Tonbandgerät, Plattenspieler, Notenschränke, Plattenregale, Notenpulte und 45
Stühle mit Schreibplatte stehen dazu bereit. Auf die Schauspieler wartet eine
geräumige Bühne mit vier Zugängen, Souffleurkasten, Soffiten, Kulissen und
Scheinwerfern. So manche Einzelausstattung wird erst im Lauf der Zeit aus
Erträgen von Aufführungen beschafft werden können.
Die
Aula wird durch all dies zum meistbenutzten Raum der Schule und,
nicht nur der Lage nach, zu einem Mittelpunkt des Schullebens. Es ist unsere
Hoffnung, daß sie mithelfen möge, eine immer engere Verbindung zwischen Eltern,
Lehrern, Schülern und Altschülern zuwege zu bringen und eine immer stärkere
Teilnahme und Mitarbeit der Elternschaft und Schülerschaft zu
erreichen.
6.
Die vielberufene Mitverwaltung und Mitarbeit der Schülerschaft (außerhalb
des Unterrichts) ist in deutschen Schulen landauf landab bekanntlich noch ein
schwaches Pflänzchen, trotz kräftiger Förderung durch Schulleiter und
Lehrerschaft. In Tübingen zeigt sie sich vor allem bei der Herausgabe der
Schüler-Zeitschrift UKW. Ihr wird in einem Raum des dritten Stocks eine
Heimstätte geschaffen, die zugleich auch
Scbülerratszimmer und Lesezimmer (samt Lesebücherei) für obere
Klassen ist.
Vielleicht findet die ältere
Schülerschaft im neuen Haus doch auch noch weitere Gelegenheiten eigenen
Einsatzes. Auf jeden Fall lockt im zweiten Stock der Gruppenarbeitsraum
mit dem großen sechseckigen
»round
table«, an dem 18 Personen Platz finden, zu fruchtbaren Besprechungen über
brennende Fragen aus allen Bereichen der Schule und des Lebens.
7.
Mit einiger Zuversicht und Erwartung sehen wir einer freiwilligen Betätigung
entgegen, die an unserer Schule bisher nicht möglich war. Es ist der
Werkunterricht in den drei Räumen des Untergeschosses, die für Holz-,
Metall-, Papierbearbeitung, Buchbinderei und Modellieren vorgesehen sind. Wie
die anderen »musischen« Betätigungen an der Schule soll auch das Werken eine
Ergänzung des wissenschaftlich-theoretischen Unterrichts darstellen und zu einer
sinnvollen Freizeitgestaltung führen. Der bildende und formende Wert
eines solchen handwerklich-künstlerischen Tuns ist wohl jedermann deutlich.
Natürlich geht es nicht darum, eine Lehrlingsausbildung bruchstückhaft
nachzuahmen, vielmehr sollen die teilnehmenden Schüler (die vermutlich recht
zahlreich sind) unter Anleitung geeigneter Fachkräfte mit Werkstoff und Werkzeug
in Berührung kommen und so weit gefördert werden, daß sie einfache Gegenstände
richtig, sauber und schön zu gestalten vermögen und ihre schlummernden
schöpferischen Kräfte geweckt werden. Es ist dabei ebenso sehr an die vielen
Schüler gedacht, die nach der 6. oder 9. Klasse einen praktischen oder
Ingenieurberuf ergreifen, wie an die anderen, die von Berufswegen nie mehr ein
Werkzeug in die Hand nehmen. Der Verein der ehemaligen Schüler will uns bei der
Durchführung gerade dieses Planes besonders unterstützen.
Wir
haben den Gang durch den Neubau beendet. Es wird eine wichtige Aufgabe des
Schulleiters sein, einen gesunden Ausgleich zwischen den vielfältigen
mathematisch-naturwissenschaftlichen, geisteswissenschaftlichen und musischen
Bestrebungen zu finden und dafür zu sorgen, daß keine Überlastung und keine
Zersplitterung eintritt. Die in Jahren bewährte harmonische Zusammenarbeit
unseres Lehrerkollegiums bietet die beste Gewähr für eine erfolgreiche Lösung
dieser Aufgabe.
W.
Schweizer


DER
BEGINN EINER NEUEN WOCHE
Montag
früh 7.20 Uhr: Schüler aus den Klassen 6-9, die ausnahmsweise nicht schon
um 7 Uhr antreten müssen, wandern unsrem Musikzimmer zu. Was sie wollen? Unsere Schulglocke ruft sie nicht zum
Unterricht; kein Mensch zwingt sie,
sich so früh schon im Keplergymnasium einzufinden; alle kommen freiwillig und
wollen an unserer Wochenanfangsfeier teilnehmen, zu der jeden Samstag auf
dem Schwarzen Brett eingeladen
wird. Seit Pfingsten 1955 gehört diese Andacht zu den ständigen
Einrichtungen unserer Schule. Wir haben also seitdem neben der Wochenschlußfeier auch einen
besinnlichen Auftakt zum Beginn unserer Arbeit in jeder Woche. Mit Recht! Der
erfreuliche Besuch der Feiern ist uns ein Beweis dafür, daß auf Seiten der
Schüler und Lehrer - einige von ihnen finden sich regelmäßig ein - doch
ein echtes Bedürfnis dafür vorhanden ist, sich in aller Stille gemeinsam auf die neue Woche zu
rüsten.
Wir glauben, daß es nicht nur
für die Teilnehmer selbst, sondern für die ganze Schule einen Gewinn bedeutet,
wenn sich regelmäßig eine Schar von Lehrern und Schülern zu Beginn der
Woche unter ein wegweisendes biblisches Wort stellt und nach Ansprache, Gebet,
Gesang und Instrumentenspiel gesammelt an die Arbeit geht. Wir haben daher
neuerdings den Versuch unternommen, die Wochenanfangsfeiern ebenso
für die Klassen 1-4 einzuführen. Sie »tagen« seit Beginn dieses Schuljahres
zusammen
mit den Schülern der Klassen 5, getrennt von den Oberklassen, zur selben
Zeit in unserem Vortragssaal.
Wir möchten gerne auch schon unsren
jüngsten
Schülern dazu verhelfen, daß sie möglichst frühe die Wahrheit des Wortes von
Hermann
Öser an sich selbst erfahren: »Wer das heilige Schweigen um sich hat
ausbreiten
lassen, der
vernimmt
die himmlischen Wirklichkeiten.« Eine besondere Freude
ist es uns, daß die Oberklassen den musikalischen Teil der Feiern selbst
gestalten. Ein Oberprimaner hat sich bereit erklärt, die Verantwortung dafür zu
übernehmen.
Es ist ihm ein besonderes Anliegen, daß die Besucher der Morgenfeiern
durch den ganzen Reichtum der klassischen Musik, besonders die Werke des
Thomaskantors., geführt werden: von den kleinen Präludien, den zwei- und
dreistimmigen
Inventionen, Partiten, Suiten und Fugen des Wohltemperierten Klaviers bis hin zum A-dur-Klavierkonzert.
Neben
unsren jungen und altbewährten
Pianisten sind es auch kleine Gruppen aus mehreren Klassen, die mit vokaler
oder
instrumentaler Musik erfreuen; sie haben schon Sätze aus Kantaten gesungen oder
Trios mit Violine, Cello und Klavier oder Duos mit Klavier und Flöte gespielt. Ein paarmal konnten wir sogar
unser Bläserquartett auf Tonband hören.
So versuchen wir, unsre Feiern besonders
ansprechend auszugestalten. Durch sie
hat sich im Laufe der Jahre eine kleine Schulgemeinde gebildet, die diese
wenigen Minuten zu Beginn der Woche nicht mehr missen möchte. Natürlich freuen
wir uns, bis wir in einen würdigeren und größeren Raum - unsre neue Aula - umziehen und dort auch noch mehr
Teilnehmer aufnehmen können. Frei lieh legen wir größten Wert darauf, daß
auch fernerhin bei unsren Morgenfeiern der Charakter der Freiwilligkeit gewahrt
bleibt. Echte Frömmigkeit wächst nur unter der Sonne der Freiheit. Und unsre
geistige Situation, die von dem Schatten der religiösen Reaktion überlagert ist,
verlangt nach solchem Christentum, das fromm und frei in einem ist.
R.Fritz
GEISTESWISSENSCHAFTEN
AM KEPLERGYMNASIUM
Die
Bezeichnung mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium ist für den Laien
irreführend. Die Mathematik hat hier gegenüber den anderen gymnasialen Typen nur
eine Wochenstunde von Klasse 5 ab mehr, und die Gesamtstundenzahl von Physik,
Chemie und Biologie auf allen Stufen zusammengenommen beträgt genauso viel wie
die des Deutschen oder Englischen oder der Mathematik und nicht einmal die
Hälfte der für Religion, Geschichte, Gemeinschaftskunde und die zweite Fremdsprache
vorgesehenen Stundenzahl. Dieser allgemeinbildende Charakter unseres
mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasiums unterscheidet es vom Typ
der Fachschule, die Spezialisten heranzüchtet. Kein geringerer als der
Nobelpreisträger und Physiker Heisenberg fordert einmal: »Wir wollen, daß unsere
Jugend ... in der geistigen Luft des
Abendlandes aufwächst, um an die Kraftquellen zu gelangen, von denen unser
Erdteil durch zwei Jahrtausende gelebt hat.« Mit dieser geistigen Tradition, mit
der subjektiven, weithin irrationalen Welt des Menschen, die sich dem rationalen
Kalkül letzten Endes entzieht, vor allem auch mit einer Ordnung der sittlichen
Werte haben es die Geisteswissenschaften zu tun - oder sollten es
wenigstens.
Es
liegt im Wesen der stärkeren Traditionsgebundenheit und historischen Bezogenheit
der philologischen Fächer, daß sich der Bildungsstoff weniger als in den
naturwissenschaftlichen wandelt. Der neue Lehrplan für Baden-Württemberg von
1957 hat als wesentliche Änderung gebracht, daß auch in Südwürttemberg nach
einer 12-jährigen Vorherrschaft des Französischen das Englische wieder an allen
Gymnasien nicht altsprachlicher Richtung erste Fremdsprache geworden ist, womit
der steigenden Weltbedeutung der englischen Sprache und der angelsächsischen
Kultur Rechnung getragen werden sollte. Eine weitere bedeutsame Neuerung
gegenüber der alten Oberrealschule ist, daß nunmehr bei uns neben dem Französischen das Latein als zweite
Pflichtfremdsprache zur Wahl steht, wodurch, ganz abgesehen von dem
geistesbildenden Wert gerade dieser Sprache, den Abiturienten des Lateinzugs der
Zutritt zu sämtlichen akademischen Fächern ohne weiteres ermöglicht
wird.
Endlich haben wir
im neuen Lehrplan offiziell das neue Fach Gemeinschaftskunde an den Klassen 6
und 9, dem die Aufgabe gestellt ist, »dem jungen Menschen seine Haltung in der
Gesellschaft aufzuzeigen und ihn auf seine verantwortliche Mitwirkung im
öffentlichen Leben vorzubereiten«. Ganz bewußt wird dabei von der
»Staatsbürgerkunde« alten Stils, die sich im wesentlichen auf die Belehrung über die staatlichen Institutionen,
vor allem die Verfassung beschränkte, abgerückt. Vielmehr soll der
Unterricht gründlicher
soziologisch fundiert und stärker
auf die nichtstaatlichen »mitmenschlichen« Beziehungen unter den Menschen und
Menschengruppen ausgerichtet werden. Man wird freilich nicht zuviel von diesem
Fach erwarten dürfen, denn über das menschliche Zusammenleben gewonnene
Einsichten brauchen noch lange nicht zu einem entsprechenden aktiven Handeln zu
führen, da sich eine gemeinschaftsgebundene Haltung nur da bilden kann, wo sie
immer wieder geübt wird. Das heißt, der junge Mensch sollte in der Schule, neben
dem Elternhaus, dem wichtigsten sozialen Übungsfeld, mehr Gelegenheit haben,
Mitverantwortung zu tragen - ein viel diskutiertes Problem, das in der heutigen
deutschen Normalschule kaum lösbar erscheint.
Wir
Philologen nehmen natürlich gerne die Hilfen, die die moderne Technik für den
Unterricht bietet, an. Auch wir haben unsere helle Freude an dem stolzen Neubau,
der uns nicht nur sonnige und luftige Klassenzimmer bietet, sondern auch andere,
langgehegte Fachwünsche verwirklicht. Die Erdkunde bekommt einen großen, den
Erfordernissen eines modernen Unterrichts entsprechend technisch gut
ausgerüsteten Raum. Es werden endlich auch für dieses Fach und für die Geschichte Sammlungszimmer geschaffen,
wo Karten, Modelle, Bilder und anderes Anschauungsmaterial geordnet
untergebracht werden können. Wir haben nun auch die Möglichkeit, außerhalb der
üblichen, immer etwas unpersönlich wirkenden Schulatmosphäre in kleinen, intimer
und freundlicher eingerichteten Räumen
Arbeitsgemeinschaften abzuhalten, in denen der Lehrer nicht mehr als
Vorgesetzter vor der Klasse steht, sondern mit in der Runde am Tisch
sitzt.
Vor
allem sind nunmehr genügend Klassenzimmer mit Verdunkelungseinrichtungen
vorhanden, so daß das Lichtbild als modernes Anschauungsmittel auch in den Geisteswissenschaften eine weit größere
Bedeutung bekommen wird als bisher, wo alle gut gemeinten Bemühungen an
räumlichen und technischen Unzulänglichkeiten scheitern mußten. Durch die
jahrelange hingebende Arbeit des Kollegen Gradmann verfügt die Schule schon
jetzt über ein reiches Archiv an Diapositiven in Biologie und Erdkunde und über
ansehnliches Material in Geschichte. Diese Schätze können nunmehr gehoben und
verwendet werden. Man muß sich freilich immer dessen bewußt sein, daß es mit
Anschauung allein noch nicht getan ist und daß das Bild nur dienende Funktion
haben darf. Wie Denken ohne
Anschauung leer, ist Anschauung ohne Denken blind, und in einer Zeit der
Überflutung des menschlichen Auges durch das Bildermeer der Illustrierten und
der Filme muß es eine wesentliche Aufgabe des Erziehers sein, die Jugend zu
lehren, von der zufälligen sinnlichen Erscheinung zum Wesen durchzustoßen, um Welt und Mensch wirklich zu
erkennen.
P.
Goessler
|
|
Frau A. Kops und sitzend Studienassessor Dr. Willi
Kops, dahinter stehend Studienrat Dr. Arno Tausch, Studienrat Dr. Viktor
Garten, Gymnasialprofessor Anton Amann, Studienrat Dr. Peter Goessler und
Frau Dr. Karla Johns.
LATEIN AM
KEPLERGYMNASIUM
In
unserem Lehrplan nimmt sich das Latein aus wie ein erratischer Block, der sich,
von Gletschern der Vorzeit aus einer völlig anderen Bildungsgegend
eingeschleppt, gegen die Erosionskräfte ganzer Generationen behauptet hat. Der
Anblick täuscht: das Pflichtlatein wenigstens ist am Keplergymnasium keineswegs
ein Stück altersgrauer Tradition, sondern - so paradox es klingen mag -die
neueste Errungenschaft des Lehrplans.
Den
Anstoß zur Aufnahme des Lateinischen in unsern Lehrplan gab zunächst natürlich
die Universität mit ihren Anforderungen; und sicher dienen und dienten die
freiwilligen Lateinkurse in erster Linie dazu, ein künftiges Studium von der
Hypothek des Latinums zu entlasten. Wäre das die einzige Rechtfertigung des
Lateinbetriebs, so wäre nur logisch, die Abschaffung des Latinumzwanges zu
fordern. Daß die Fakultäten im Gegenteil ihre Forderungen zum Teil erheblich
verschärft haben, muß aber offensichtlich schwerwiegende Gründe
haben.
Auch
den Eltern, die ihre Söhne in das Wagnis des Pflichtlatein schicken, schwebt
doch wohl etwas mehr vor als ein
Berechtigungsschein, nämlich die Auseinandersetzung mit einem Bildungsgut
besonderer Art.
Über
den formalen Bildungswert des Lateinischen ist schon viel geredet und gedruckt
worden. Ich meinerseits glaube keineswegs, daß die treffende und stilechte
Wiedergabe eines guten englischen Textes mit seinem Nuancenreichtum weniger
Intelligenz und Sprachgefühl erfordert als die Übertragung eines lateinischen
Textes. Aber das eine steht fest: der Lernende wird im Latein von der ersten
Stunde an härter und pausenloser beansprucht als etwa im Englischen. Dazu nur
ein Beispiel aus dem Anfangsunterricht:
»Grandmother
Livia is ill« kann nicht gut anders übersetzt werden als »Großmutter Livia ist
krank«. Der entsprechende lateinische Satz »Livia avla aegra est« läßt dagegen
mindestens fünf Übersetzungen zu: 1. Großmutter Livia ist krank, 2. Livia ist
eine kranke Großmutter, 3. Die kranke Großmutter ist Livia (und keine andere),
4. Livia, als Großmutter, ist (schon) kränklich, 5. die kranke Großmutter Livia
existiert (ist nicht etwa als Ausrede erfunden).
So
muß der Schüler selbst in so primitiven Beispielen, unter vielen Möglichkeiten
wertend, seine Wahl treffen, indem er ständig das Einzelne und das Ganze in
Beziehung setzt und das Wesentliche dieser Beziehung
zu
erfassen sucht. Der Grund dieser Erscheinung liegt unter anderem in der
Tatsache, daß das klassische Latein wortärmer, formenreicher und in der
zeitlichen Entwicklung so weit von uns entfernt ist (2000 Jahre), daß die
Fremdheit der Sprache und des Denkens ständig zum »Umdenken« zwingt; auf der
andern Seite aber ist das Latein als indogermanische Sprache dem Deutschen so
verwandt, daß es vom deutschen Sprachgefühl her noch »nach-gedacht« werden kann
(also zum Üben geeigneter ist als etwa das Semitische oder
Chinesische).
Eine
Sprache stellt aber nicht nur einen Tummelplatz logischer und geistreicher
Übungen dar, sondern enthält gleichzeitig den Niederschlag des Volkstums, in dem
sie gewachsen ist. So ist das Latein der formgewordene Geist eines Volkes, das
mit einer seltsam nüchternen Formkraft die antike Welt militärisch, sprachlich,
moralisch, juristisch und sozial geeinigt und darüber hinaus das nicht eroberte
Abendland aufs tiefste beeinflußt hat. Dabei ist der römische Staat trotz seiner
militärischen Leistungsfähigkeit nie ein Militärstaat gewesen wie etwa die
Mongolenreiche oder die Türkei der Eroberungszeit, sondern ein Rechtsstaat, der
in seinen Grundlagen auch in der Zeit der größten Exzesse der Staatsführer nie
ernsthaft in Frage gestellt war. Es war Bedürfnis und Fähigkeit des Römers,
allgemeingültige Normen zu suchen und zu setzen.
So
ist die »res publica« dem Römer nicht die romantisch geliebte Heimat, sondern
die Öffentliche Ordnung, die »virtutes« sind in Rom die Staats- und
gesellschaftserhaltenden Eigenschaften des Menschen. Achill, der um persönlichen
Ruhmes willen den Tod wählt, ist dem Römer trotz aller Bewunderung so wenig
gemäß wie Alexanders phantastischer Zug nach Indien. Cato Uticensis, der die
Ordnung der res publica gestört sah, weigerte sich, in einer Diktatur ohne
Rechtsordnung (so sah er die Zukunft) zu leben. Selbst wo man sein Urteil über
Cäsar und sein politisches Programm nicht billigte, blieb er das anerkannte,
echt römische Vorbild.
Wie
die Griechen in Forschung, Philosophie und Kunst die großen Anreger waren und
bleiben werden, so stellen die Römer politisch gesehen das Gesetz dar, nach dem
wir angetreten sind. Wir haben es bitter nötig, uns dieses Gesetzes zu erinnern.
Es liegt in uns Deutschen ein gefährlicher Hang, die Dinge völlig unrömisch, d.
h. romantisch zu sehen. Wenn wir z. B. mit der Verabsolutierung des Staates
Schiffbruch erlitten haben, versuchen wir, den Staat zu übersehen oder gar in
Frage zu stellen. Die moderne Psychologie bietet viele Ansatzpunkte für eine
solche Haltung, und die amerikanische Literatur hat den psychologisierenden
Roman, dessen Blüte in Europa eigentlich schon vorüber warf von neuem in den Vordergrund gerückt. Ob es gegenüber
diesem
Ansturm des manchmal
»Allzupersönlichen« nicht angebracht ist, den Blick auch zurückzulenken in eine
Welt, in der man mit Selbstverständlichkeit das Allgemeingültige
suchte?
Es
ist sicher kein Zufall, daß die neuere amerikanische Literatur eine so
intensive Vorliebe für antike Stoffe und
Studien zeigt. Nach ihren Tendenzen zu schließen werden wir bei den (nach
deutschem Vorbild?) gemachten Vorschlägen zur amerikanischen Schulreform
manche Überraschung erwarten dürfen, vielleicht sogar in bezug auf das
Lateinische. Der Deutsche hat von jeher ein lebendiges Gefühl dafür gehabt, daß
die Welt der Bildung eine Einheit ist und daß die Vermittlung von Fertigkeiten
ohne umfassende Fähigkeiten eine fragwürdige Sache sein kann. Wenn die
Amerikaner das jetzt einzusehen beginnen und für die begabteren ihrer Schüler
eine früher einsetzende, umfassendere Bildung erstreben, so dürfen wir mit Stolz
sagen, daß wir Deutsche uns unsre Schule gar nicht anders vorstellen können. Es
tragen deshalb durchaus alle höheren Schulen mit Recht denselben Namen
»Gymnasium«. Sogar die Wirtschaftsoberschule ist bereits auf dem Weg von der
reinen Realienbildung zur Allgemeinbildung.
Längst
haben sich die neueren Sprachen, die Mathematik und die Naturwissenschaften
einen festen Platz im Altsprachlichen Gymnasium erobert. Es ist nur sinnvoll,
wenn im Naturwissenschaftlichen Gymnasium ein nicht zu kleiner Teil der Schüler
sich mit dem lateinischen Bildungsgut befaßt und damit das Auseinanderfallen der
gebildeten Welt in zwei Hälften verhindert. Braucht das Altsprachliche Gymnasium
die Auseinandersetzung mit der lebendigen Gegenwart, so bedarf das
Mathematisch-Naturwissenschaftliche Gymnasium durchaus des Bewußtseins einer nicht minder
lebensmächtigen Vergangenheit.
W,
Lang
EINE
MATHEMATISCHE SAMMLUNG
Es
ist ein kleiner schmucker Raum im Neubau. Aus schönen Glasschränken schauen
mathematische Modelle und Geräte, von der Wand blickt Johannes Kepler, eine kleine Tafel lädt zum Schreiben ein
und in der Mitte steht ein nagelneuer Tisch mit acht Stühlen. Das ist die
mathematische Sammlung. Im September 1958 haben die Mathematiklehrer unserer
Schule das Erlebnis, einen eigenen Raum in Besitz nehmen zu dürfen. Wohl werden
hier in erster Linie Modelle als
mathematische Anschauungsmittel ihre Heimstätte finden, aber man kann sich auch
in Ruhe mit Mathematik beschäftigen: Schüler, Referendare und Lehrer
sollen an diesem Ort mathematische Anliegen ungestört diskutieren können.
Die
Mathematik ist Kernfach für alle unsere Schüler: eine »dritte
Pflichtfremdsprache«,
an deren Schöpfung alle Kulturkreise der Menschheit und sämtliche Nationen
beteiligt waren. Diese Mathematik ist für den modernen Menschen eng verknüpft mit den fortschrittlichen
Leistungen der Wissenschaft, der Physik und Technik .Wer denkt nicht an Radar, Fernsehen,
Automatisierung, Atomreaktoren oder künstliche Satelliten; mancher weiß,
daß ein Rechenautomat durch Rentabilitätsberechnung den Koreakrieg beendet hat,
nur wenige wissen um die Glanzleistungen
der Entdeckung unbekannter Planeten mit dem Rechenstift. Unsere Schüler
sollen aber alle etwas hören oder wenigstens spüren von der Erhabenheit jener zuchtvollen Sprache unseres
Geistes, in der sich der Kosmos wohl am klarsten widerspiegelt.
In
dem Raum, der mathematischer Mittelpunkt unserer Schule werden soll, stellt sich
sicher mancher Besucher die Frage: Wo steht die Mathematik, die ja überhaupt die erste Wissenschaft war, heute,
zweieinhalb Jahrtausende nach Pythagoras ?
Zwei
Pfeiler tragen sie: die reine Mathematik, das heißt die zweckfreie
mathematische
Forschung, und die
angewandte
Mathematik, ein wissenschaftliches Streben, das praktische Absichten verfolgt.
Beide Forschungsgebiete sind aber stark miteinander verflochten, und die
Vergangenheit zeigt, wie zwischen ihren Bereichen immer wieder ein enges Zusammenspiel
besteht.
Die reine Mathematik sammelt
ihre Erkenntnisse zweckfrei, aber nicht zwecklos. So hatte Apollonius von Perge
die Lehre von den Kegelschnitten gestaltet - 1800 Jahre später fand sie Kepler
vor, als er die Bewegung der Planeten erforschte. Auch die moderne Quantenphysik
war nur möglich, weil die Mathematik Matrizenrechnung und Gruppentheorie schon
bereithielt. So ist der Fortschritt der Naturwissenschaft ohne die
Grundlagenforschung der Mathematik undenkbar.
In
der Schule bauen wir unsere Mathematik fast nur auf anschaulicher
Grundlage
auf. Wir gehen aus von der Umwelt. Ihre Formen und Figuren führen zur Geometrie. Aus den Beziehungen des Lebens werden
schrittweise abstrakte Begriffe abgeleitet. Dieser häufig naiven
Begriffsbildung stellt die mathematische

Bundesjugendwettkämpfe
1956: Beim Tauziehen von links: Studienrat Hans Reichle, Oberschullehrer
Wilhelm Noller, Studienrat Wilhelm
Lang.
Wissenschaft
eine andere gegenüber: abstrakte Festlegungen auf Grund logischer Überlegungen,
frei von jeder Anschauung. Immer wieder hatte der Mathematiker erfahren müssen,
daß die Anschauung irren kann. So wurden die Sachverhalte, denen man besonderes
Vertrauen schenken wollte, als Grundsätze (sogenannte Axiome) an den Anfang
gestellt. Die Griechen fanden auf diese Weise die axiomatische Methode. Jedes
mathematische Gebiet stellt heute an seine Spitze ein System solcher Grundsätze.
Seine Auffindung und Festsetzung ist entscheidend. Ist dieses System gesichert,
wird auch die mathematische Disziplin vor Irrtümern der Anschauung
bewahrt.
Diese Großtat der Griechen ist von
weittragender Bedeutung geworden für unsere heutige Mathematik. Die axiomatische
Methode hat noch weiter geführt. Es gibt mathematische Bezirke, die dasselbe
Axiomensystem zugrunde legen können, sie haben dieselbe mathematische
»Struktur«. Während die Geometrie etwa 20 Axiome zu ihrem Aufbau braucht, gibt
es noch einfachere Strukturen, die mit weniger auskommen.
Die einfachste ist die »Gruppe«, die nur
drei Axiome benötigt. Sie ist für Algebra, Geometrie und Physik von weittragender Bedeutung
geworden. Weitere Strukturen sind »Körper« und »Verband« und andere. Mit diesen
Strukturen rücken verschiedenartigste mathematische Gebiete enger zusammen,
nämlich alle, die dieselbe Struktur besitzen. Die Auffindung und Erforschung
solcher Strukturen ist eine Hauptaufgabe des heutigen Mathematikers.
Daneben
hat sich der andere Pfeiler der Mathematik besonders seit Keplers Zeiten
entwickelt. Mußten noch zahlreiche Rechenknechte in jahrelanger Arbeit die
Logarithmen berechnen, so geht das heute mit den modernen Rechenautomaten
zehntausendmal schneller und noch genauer vor sich. Sagte doch Kepler, als er
mühevoll die Punkte der Marsbahn berechnet hatte, daß er
den
Spuren des Schöpfers schwitzend und keuchend gefolgt sei. Moderne
Rechenautomaten müssen nur addieren und subtrahieren; sie wiederholen diese
einfachen Rechen-Vorgänge in rascher Folge und speichern auch Zwischenergebnisse
auf, um sie im richtigen Augenblick wieder einzufügen; sie treffen
Entscheidungen und können so Rechenfehler wieder
ausmerzen.
Aber
das wesentlichste, das Rechenprogramm, schreibt ihnen der Mensch vor. Neben
diesen Maschinen, die Zahlenwerte auswerfen, gibt es noch eine zweite Sorte von
Rechenautomaten. Ihre Ergebnisse erscheinen in Form von Kurven. Sie heißen
Analogierechenautomaten. Ein Netz von elektrischen Strömen entspricht genau dem
mathematischen Sachverhalt. Ändert man die Anfangswerte stetig, so gibt das
sofort eine entsprechende Wirkung auf das Ergebnis. Rechenautomaten beider Arten
steuern unsere großen automatisierten
Fabriken, steuern Raketen, berechnen in Kürze die Rentenumstellung eines Staates und
schicken sich an, die Wetterprognose
zu errechnen.
Von
diesem wissenschaftlichen Ausblick kehren wir zurück zu unserem kleinen Raum mit
seinen Schränken, in denen einfache Modelle und Geräte sich befinden.
Sie
sollen helfen, die Mathematik dem Verstand des jungen Menschen
näherzubringen.
Jede
echte Bildungsstätte ist Leben. In ihr hat auch die Mathematik einen wesentlichen Platz. Mathematik soll zum
urteilsfähigen Menschen erziehen, zu klarem und sauberem Denken führen; sie ist nicht
zuletzt auch ideelles Bildungsgut, weil sei entscheidend an der Kultur
des Abendlandes beteiligt ist und einen
bedeutenden Bestandteil unseres heutigen philosophischen Weltbildes darstellt. Der Weg der wissenschaftlichen
Mathematik ist abstrakt und rein logisch. Der Weg der Schule ist psychologisch und
führt zum Abstrakten über das Konkrete. Es ist die Aufgabe der Mathematik
in der Schule, die Verbindung mit der
Hochschule zu erhalten, ja die Spanne zwischen schulischer und
wissenschaftlicher Mathematik
möglichst zu verkleinern. So haben moderne Betrachtungen wie
Abbildungsgeometrie und Vektorrechnung Eingang in die Schule gefunden. Immer wird ein anschaulicher Zugang zum
Neuen gesucht.
Die
Vorstufe des Rechenautomaten liegt im Rechenstab und in der Rechenmaschine. Sie
müssen
in diesen Schränken Platz finden, genauso wie Maßstab, Reißbrett und
Waage,
wie Lichtbild und Film. Alles soll zusammenhelfen, die Mathematik leichter zugänglich zu machen. Begreifen –
Verstehen – Können - Freude bilden eine wichtige Kette im Mathematikunterricht.
An ihrem Ende steht eines der wesentlichen Anliegen der Schule: die Schaffung von
Bildungswerten.
Auch
der Name unserer Schule wird sich in diesem Räume widerspiegeln. Nicht
nur
das Bildnis Keplers soll hier hängen. Neben dem Märchenbuch, das er für seinen
jüngsten Sohn schrieb, stehen da seine großen Werke, mit denen er die zweitausendjährige überkommene astronomische
Auffassung überwand. In seinem Sinne
wollen wir unseren Schülern das Streben nach Wahrheit fördern!
K.Arzt
Ausführung
der Grab-, Kanalisations-, Beton-, Stahlbeton- und
Maurerarbeiten für den
zweigeschossigen Längsbau durch Karl
Brack, Bauunternehmung Tübingen-Lustnau Hoch-,
Tief- und Stahlbetonbau -f Bagger- und
Planierarbeiten
PHYSIK IN NEUEN
RÄUMEN
Allerlei
Gedanken mögen dem durch den Kopf gehen, der die neuen hellen
naturwissenschaftlichen Räume unserer Schule betritt und sich dabei der etwas
düsteren, recht unzweckmäßigen Erdgeschoßräume des Altbaus erinnert. Es wäre
nicht verwunderlich, wenn er auf den ersten Blick sich sagen würde: »Übertrieben
wie so vieles Moderne, das in die Augen fallen soll und für die Wirkung nach
außen aufgemacht ist.«
Doch ist dies sicher nicht so. Wir
naturwissenschaftlichen Lehrer haben die Räume und ihre Einrichtungen so sehr
mitplanen dürfen, daß wir mit gutem Gewissen sagen können: sie sind nicht der
Wirkung nach außen wegen so geworden, sondern in der Ausrichtung auf sachliche
Notwendigkeiten eines neuzeitlichen
naturwissenschaftlichen Unterrichts. Wenn dabei auch noch architektonisch
ansprechende Lösungen zustande kamen, so sind wir darüber glücklich und allen denen vom Baufach
sehr dankbar, die unsere Wünsche Gestalt werden ließen.
Dem
Kenner wird sofort auffallen, daß nicht die Lehrräume, sondern die Übungsräume
das eigentlich Neue sind. In den Lehrräumen sind zwar die Möbel auch viel
zweckmäßiger geworden; grundsätzlich hat sich aber sonst nicht viel geändert.
Allein im kombinierten Biologie-Physik-Saal wurde ein neuartiger
Experimentiertisch aufgestellt, der die elektrischen Schaltanlagen in seinem
Innern birgt. Dadurch entfällt im Saal selbst das »technische Beiwerk« einer
Schalttafel.
Das
ist für den heutigen Physikunterricht geradezu symbolhaft. Er kann nicht mehr
auf technische Zwecke ausgerichtet sein; das wäre uferlos. Er muß sich
inhaltlich auf die tragenden Leitgedanken des physikalischen
Weltbilds
von heute beschränken. Er muß in seiner methodischen Gestaltung die Art und
Weise physikalischen Forschens den Schülern lebendig vermitteln. Und dazu vor
allem brauchen wir die Übungsräume.
Gewiß
machen wir auch schon lange im Lehrsaal keine Kreidephysik mehr, gewiß sind wir
von der »Durcharbeitung« eines Lehrbuchs übergegangen zur Fragestellung an die
Natur in möglichst vielen Experimenten. Wer gibt uns aber die Gewißheit, daß die
Gedankengänge der Schüler mit der Wirklichkeit parallel laufen, daß sie alle das
vorgeführte Experiment richtig beobachten und auch seinen Sinn klar erfassen?
Naturwissenschaftliche
Erkenntnis setzt aber gründliche, genaue Beobachtung voraus; erst dann kann die
geistige Einordnung des Beobachteten in größere Zusammenhänge erfolgen. Der
selbständige Schülerversuch in den
naturwissenschaftlichen Übungen schärft nicht nur die Beobachtungsgabe,
fördert nicht nur nebenbei auch technische Fertigkeiten, sondern vermittelt vor
allem das unmittelbare Erleben kausaler Gesetzlichkeiten, wie es der
Demonstrationsunterricht nicht vermag. Die Entdeckerfreude, daß bei sauberer
Arbeit alles genau zusammenstimmt, ist durch gar nichts Zu ersetzen, weil sie
das Vertrauen in das eigene Können stärkt und das Bedürfnis weckt,
weiterzumachen, »weiterzuforschen«. Dabei möchten wir erreichen, dass allmählich
die »Hand« dem »Kopf« in vielen Dingen das Denken abnimmt und daß dann der ganze
Mensch sich forschend und schaffend erlebt.
Mit
Recht wird man sagen, daß das doch nicht mit allen Schülern gehe, daß viele doch
ganz andere Interessen haben. Selbstverständlich erreichen wir das oben
gesteckte Ziel nur mit einem Teil unserer Schüler; eben mit denjenigen, die es
sich zutrauen und deshalb freiwillig zu den Übungen kommen.
Wozu
dann der große physikalische Übungsraum? Weil wir allen Schülern öfters die
Gelegenheit geben wollen, sich selbst zu
prüfen, ob sie physikalisch arbeiten können. Wir wollen immer wieder, mit
der Zeit recht oft, ganze Klassen aus dem Unterrichtsraum in den Übungsraum
nehmen und die Schüler in Gruppen das, was sonst der Physiklehrer vormacht,
selbst machen lassen. Ich habe als junger Lehrer vor dem Krieg am
Dillmann-Realgymnasium in Stuttgart den Physikunterricht an Klasse 5 und 6 sehr
weitgehend, monatelang oft ausschließlich als Arbeitsunterricht mit
Schülerversuchen durchgeführt.
Dieses Ziel schwebt mir auch für unsere Tübinger Schule vor. Die Grundvoraussetzung dafür, der genügend große und zweckmäßig eingerichtete Raum, ist jetzt da. An freudigen Helfern wird es bei den Studienreferendaren nie fehlen. Und die notwendigen Geräte werden sich schon Jahr für Jahr etwas mehren lassen. Auf alle Fälle soll einmal in den Übungsräumen Leben herrschen. Denn nur auf diese Weise können wir der Stadt Tübingen sinnvoll für die nicht geringe Last danken, die sie mit dem Neubau für die Ausbildung der Jugend auf sich genommen hat. H. Streicher
CHEMISCHE
SCHÜLERÜBUNGEN
Ein
merkwürdiger Zufall will es, daß mein Unterricht lange Zeit in dem Raum
stattgefunden hat, in welchem ich vor fast 40 Jahren die Aufnahmeprüfung zum
Besuch der damaligen Oberrealschule abgelegt habe. Das über der Türe meines
jetzigen Chemiesaals vorhanden gewesene Schildchen mit der Aufschrift »Vorklasse
b« wurde erst kürzlich beseitigt. Die Chemie hat hier nach dem ersten Weltkrieg
ihren Einzug gehalten. Aber der Raum verlor dadurch leider nichts von seiner
Unbehaglichkeit. Seine Einrichtung war allzu bescheiden. Es bestand keine
Möglichkeit der Ausweitung. In dem düsteren Zimmer, das selbst zur Sommerszeit
künstliche Beleuchtung erforderte, führten wir unsere ersten selbständigen
Versuche aus. Jeder »Ehemalige« wird sich an diese schwierigen
Arbeitsverhältnisse erinnern.
So
ist es verständlich, daß ich der Stunde des Einzugs in unseren Anbau mit ganz
besonderer Freude und Erleichterung entgegensehe. Die neuen lichtdurchfluteten
Räume sind großzügig angelegt. Vor allem wurde eine scharfe Trennung in
Unterrichtssaal und Übungsraum verwirklicht. Viele Unzulänglichkeiten, die
bisher hindernd im Wege standen, sind damit hinfällig geworden.
Freilich
weist unsere Einrichtung natürlich noch immer große Lücken auf. Doch der äußere
Rahmen ist jetzt geschaffen und wird für viele Jahrzehnte auch gesteigerten
Anforderungen genügen können. Nachdem Regale
und
Schränke vorhanden sind, geht es nun an die notwendige Erweiterung des
Gerätebestandes, der gewiß noch Kopfzerbrechen und Kosten verursachen
wird.
Im
dritten Obergeschoß des Anbaus tritt am meisten der große, mit Oberlicht
versehene Übungsraum in Erscheinung. Hier darf sich der Schüler selbst
betätigen. Das ist im Unterschied zu dem bisher gegebenen
Demonstrationsunterricht etwas grundlegend anderes. Die moderne
Naturwissenschaft gründet sich auf das Experiment. Deshalb gilt es die manuelle
Geschicklichkeit des Schülers in Aufbau und Ausführung grundlegender
Eigenversuche zu schulen. Das selbständige Beobachten des Versuchsablaufs ist
von entscheidender Bedeutung und kann durch einen anschaulichen Unterricht von
selten des Lehrers nicht ersetzt werden. Beim eigenen Experiment dagegen
vermag der Schüler in dem ihm gemäßen Arbeitstempo Beobachtungen aufzunehmen und
sich Gedanken zu machen über die Ursachen der Vorgänge. Gelingt ihm dann noch
die Zusammenfassung seiner Versuchsergebnisse und ihre Einordnung in allgemeine
Gesetzmäßigkeiten, so ist viel erreicht.
Nachdem
unsere Schüler nur zu häufig gezwungen waren, ihre chemischen Versuche unter
primitiven Bedingungen in der Küche oder auf dem Hofe des Elternhauses
durchzuführen, werden sie nun Arbeitsverhältnisse vorfinden, die sich -
äußerlich gesehen - von denen eines modern ausgestatteten Laboratoriums kaum
unterscheiden. Diese großen Erleichterungen sind dazu angetan, ihr Interesse für
eine Wissenschaft zu steigern, deren Bedeutung für Leben und Wohlbefinden jedes einzelnen unverkennbar ist.
B,
Zimmermann

Die
Biologen von links: Oberstudienrat Dr. Hans Gradmann, Studienrätin Dr. Gertrud Mayer,
Oberstudienrat Prof. Dr. Paul Filzer
EIN
BIOLOGISCHES »HEIMATMUSEUM«
In
dem Maße, in dem unsere Städte wachsen und die ohnehin meist dürftigen Reste von
Grünflächen der Überbauung anheimfallen, wächst für den Biologieunterricht an
unseren Schulen die Gefahr, naturfern zu sein. Die Anmarschwege bis zu den
Stellen, wo der Lehrer seinen Schülern noch ein Stück unveränderte Natur zeigen
kann, werden immer länger. Es besteht kaum noch die Möglichkeit, im Rahmen einer
normalen Unterrichtsstunde Beobachtungen an wirklich freilebenden Pflanzen und
Tieren zu machen. So verliert die Biologie die Möglichkeit, gerade das den
Schülern bieten zu können, was sie ändern Schulfächern voraus hat oder haben
sollte: die unmittelbare Fühlung mit der Natur.
Nun
hat sich allerdings in den letzten Jahren mit der Vervollkommnung der
Farbenphotographie dem Biologielehrer die Möglichkeit erschlossen, einen Abglanz
des Ursprünglichen darzubieten: er kann besonders kennzeichnende Pflanzen, Tiere
und Lebensgemeinschaften in Farbdias vorführen, deren Wert nicht so sehr von
einer perfekten Aufnahmetechnik abhängt, vielmehr den Lehrer vor die Aufgabe
stellt, mit diesen Bildern persönliche Erlebniswerte zu verbinden. Kaum, ein
Biologie- oder Erdkundelehrer wird wohl künftig auf einen solchen Schatz von
persönlichen Dokumenten verzichten wollen.
Darüber
hinaus eröffnen sich dem Biologielehrer noch zwei andere Möglichkeiten. Die eine
wird geschaffen durch die seit einigen Jahren wieder möglich gewordenen
Schullandheimaufenthalte, die eine geradezu ideale Gelegenheit bieten, den
Biologie- und Erdkundeunterricht in Gottes freie Natur zu verlegen und sie dem
Schüler zum Erlebnis werden zu lassen.
Die
zweite liegt in der Durchführung von biologischen Arbeitsgemeinschaften, deren
Tätigkeit wenigstens während des Sommerhalbjahrs ins Freie verlegt werden kann.
Dabei ergibt sich allerdings die Notwendigkeit,
die
Zahl der Teilnehmer stark zu beschränken und nur solche Schüler teilnehmen zu
lassen, die für das Ziel einer solchen »AG« Interesse haben. Es ist kaum möglich
- und einschlägige Erfahrungen auf Schulwanderungen liefern hierfür den Beweis
-, eine ganze Klasse mit ihren auseinanderstrebenden Interessen für das Studium
eines Naturobjekts, etwa eines Steppenheideflecks oder zweier benachbarter
Waldbestände, so zu erwärmen, daß sie als willige Zuhörer oder gar als werdende
Naturforscher mitgehen. Enger Kontakt mit der Natur läßt sich nur in kleinem
Kreise schaffen! Die Freiwilligkeit der Arbeitsgemeinschaften kommt dieser
Forderung entgegen, sie bietet Gewähr für einen Erfolg, der auch den Lehrer
befriedigt.
Welche
Aufgaben sind einer solchen Arbeitsgemeinschaft zu stellen? Sie werden sich nach
den Möglichkeiten, welche die Umgebung des Schulortes bietet, und den
wissenschaftlichen Spezialinteressen des Lehrers richten. Wir haben uns zum
Beispiel bei den jetzt laufenden Arbeitsgemeinschaften vorgenommen, biologisch
und forstlich interessierte Schüler mit den Waldgesellschaften der weiteren
Umgebung Tübingens, etwa der Neckartalhänge, des Schönbuchs und Albtraufs
bekannt zu machen.
Unsere
AG-Teilnehmer sollen durch eigene Anschauung Einblick in die floristische
Zusammensetzung dieser Pflanzengemeinschaften erhalten und durch den Vergleich
verschiedener Waldbilder einen klaren Blick für ihre Abhängigkeit von Klima- und
Bodenbedingungen bekommen, Sie sollen ferner In dem Nebeneinander von Wald und
Forst, wie es der Schönbuch und die Alb fast überall aufweisen, die
verschiedenen Grundsätze der Forstwirtschaft von einst und jetzt erfahren.
Vieles werden die Schüler durch eigene Beobachtung und Verarbeitung erschließen
können; manches wird der Lehrer vortragen müssen; das Wertvollste allerdings
wird sich erst im Laufe mehrerer Jahre einstellen.
Für
eine Reihe von besonders kennzeichnenden Leitpflanzen wichtiger Wald- und
Rasengesellschaften wird mit Hilfe der Karte 1:25 000 und des Planzeigers eine
möglichst genaue Standortkartierung durchgeführt; der eine oder andere Schüler,
der aus eigener Beschäftigung schon über eine gewisse Artenkenntnis verfügt,
kann bei selbständigen Geländebegehungen brauchbare Beiträge liefern; zugleich
wird der Lehrer seine privaten Ausflüge in den Dienst der Sache stellen. Im
Laufe der Jahre ergibt so ein immer umfang- und
aufschlußreicheres
Material. In einer Zusammenschau der gezeichneten Verbreitungskarten zeigt sich,
welche Arten gemeinsam auftreten und welche sich gegenseitig ausschließen. Der
Vergleich mit der geologischen Karte und mit Karten der Klimafaktoren erlaubt
dann den Schülern Rückschlüsse auf die
standortbedingenden und gemeinschaftsbildenden ökologischen
Faktoren.
Diese
»Inventaraufnahme« der Tübinger Flora und Vegetation scheint mir noch aus einem
andern Grunde wertvoll. Das unaufhaltsame Vordringen der Stadt in Gebiete, die
früher fast unberührte Natur waren, läßt den Wunsch aufkommen, sozusagen noch in
letzter Stunde ein Bild der gegenwärtigen Verbreitung der Pflanzen und Tiere im
Umkreis des Schulortes zu erfassen und aufzubewahren, wobei eine photographische
Dokumentierung besonders bemerkenswerter Objekte eine von geeigneten
Schülern gern geschaffene Ergänzung bietet.
Während
die drangvolle Enge, in der sich die Biologie bisher am Keplergymnasium befand,
einer solchen Materialsammlung entgegenstand, ist mit der Einweihung des Neubaus
und der Schaffung eines geräumigen Sammlungs- und Mikroskopierraumes für unser
Fach nun glücklicherweise die Grundlage dafür gegeben, daß in gemeinsamer Arbeit
von Lehrer und Schüler ein kleines biologisches »Heimatmuseum« aufgebaut werden
kann. Es wird keine Schulsammlung (also eine weitere Anhäufung von
unterrichtlichen Demonstrationsobjek-ten) sein, vielmehr ein lebensvolles
Zeugnis ablegen für die heimatliche Natur.
P.
Filzer

Problematik
und Aufgaben in unserer Zeit
Wer
heute als Anwalt der Landschaft und der Natur seine Aufgabe mit Verantwortung
erfüllen will, muß alle verfügbaren Kräfte mobilisieren, damit sein stummer und
oft verkannter Klient nicht kurzerhand eigensüchtigen Bestrebungen zum Opfer
fällt. Gerade in Zeiten einer industriellen Hochkonjunktur ist die Gefahr einer
immer mehr um sich greifenden materialistischen Denkweise gegenüber ideellen
Werten besonders groß. Es genügt deshalb heute nicht mehr, wenn sich die
Tätigkeit eines Naturschutzbeauftragten nur auf den konservierenden Schutz der
Natur und Landschaft beschränkt, sondern er muß sich rechtzeitig in die Planung
und Gestaltung aller Naturveränderungen einschalten, um in diesem für
Generationen entscheidenden »Schlußverkauf der Landschaft« gewichtig mitsprechen
zu können. Sein ganzes Tun gleicht sonst der Funktion einer Feuerwehr, die zu
den jeweiligen Brandherden gerufen wird und doch nur noch verbrannte Erde
vorfindet.
Schon
der Begründer und Nestor des deutschen Naturschutzes, Hugo Conwentz, hatte
erkannt, daß alle Bemühungen um den Naturschutzgedanken nur dann einen
bleibenden Erfolg verzeichnen, wenn nicht nur Wissenschaftler und besonders
interessierte Laien, sondern weiteste Volkskreise für eine verständnisvolle
Mitarbeit am Schütze der heimischen Natur gewonnen werden. Der sicherste Weg zu
diesem Ziele führt auch heute noch über die Schule.
Es
ist ein äußerst erfreuliches Zeichen, daß sich alle Kultusverwaltungen der
Nachkriegszeit immer wieder mit Runderlassen an die Schulen (einschließlich
Hochschulen) gewandt haben, um auf die Bedeutung des Naturschutzes für das
gesamte Bildungsziel unserer Zeit hinzuweisen. In einem dieser Erlasse heißt es
unter anderem: »Ziel des naturkundlichen Unterrichtes ist es, nicht nur Wissen
zu vermitteln, sondern im Rahmen der allgemeinen Charakterbildung auch zur
Ehrfurcht zu der Natur und zu einer anständigen Gesinnung der Natur gegenüber
hinzuführen.«
In einem Amtsblatt eines
Kultusministeriums wird ausgeführt, daß im Zeitalter der Technisierung und der
Neurosen die Rückbesinnung des Menschen auf die Natur und ihre Kräfte eine
spürbare Notwendigkeit ist. Die Natur ist heute mancherlei Gefährdung ausgesetzt
und mit ihr ist der Mensch in seinem wesentlichen Sein bedroht. Es gilt daher
diesen Gefährdungen mit allen Kräften entgegenzutreten, denn erst dann kann
unsere Kultur auf die Dauer vor dem Verfall bewahrt
werden.
Dies
ist aber nur möglich, wenn schon im Jugendlichen nicht nur die intellektuellen
und rationalen, sondern auch die heimatbildenden seelischen Kräfte entfaltet
werden und die Liebe zur Natur und Heimat geweckt und gepflegt wird. Aus dieser
Erkenntnis hat die ständige Konferenz der Kultusminister Leitsätze mit ähnlichem
Inhalt aufgestellt.
Diese
Beispiele zeigen, welchen Wert man den Zielen und Aufgaben des Naturschutzes bei
den entscheidenden und verantwortlichen Stellen in der Erziehung und Bildung
unseres Volkes beimißt. Bundestagspräsident Dr. Gerstenmaier faßte diese
Gedankengänge auf einer Naturschutztagung in Passau in der Forderung zusammen:
»Naturschutz ist Pflicht.«
Wir
Naturschutzbeauftragten haben allen Anlaß, diese Entwicklung mit Genugtuung und
Freude zur Kenntnis zu nehmen. Doch mit diesen Erkenntnissen und Entschließungen
ist es nicht getan. Unsere Aufgabe muß es
sein,
Mittel und Wege für die Praxis zu finden. Eine Aufgabe, zu deren Lösung schon
zahlreiche Ansätze gemacht wurden. Wenn diese Ansätze bisher immer wieder
steckengeblieben sind oder höchstens zu Einzelerfolgen führten, so liegt das
nicht nur an der Persönlichkeit des einzelnen, sondern einfach auch daran, daß
der Naturschutz als solcher immer dem Wechsel der verschiedenen Zeitströmungen
unterworfen war und ist. Gerade diese Tatsache muß aber bei der praktischen
Verwirklichung immer klar vor Augen stehen.
Besonders
der junge Mensch will nicht nur Jugend-, sondern auch zeitgemäß angefaßt werden,
denn er sieht sich mehr denn je von materialistischem Denken und Streben, von
Genuß- und Vergnügungssucht umgeben. Seine Gedanken bewegen sich oft mehr um
Filme, Fernsehen und sonstige nervenerregende Attraktionen, als um Schönheit und
Erlebnis der Natur. Es bedarf deshalb eines guten Einfühlungsvermögens gerade
des Lehrers in die Gedankenwelt und in die Sphäre der Jugend auch außerhalb der
Schule, um den Sinn für ein Gebiet zu wecken, das nicht zu den
»Versetzungsfächern« gehört. Nur der Erzieher, der auch diese Umgebungs-
und Gedankenwelt des Schülers sieht und auf sie einzugehen versteht, wird ihm in
taktvoller Welse und behutsam den richtigen Wertmaßstab vermitteln können. Diese
grundlegende Erziehungsaufgabe des Lehrers muß auch immer im Zusammenhang
mit seiner Lehraufgabe betrachtet werden, denn »nur was der Mensch weiß,
das sieht er«.
Leider
kann im Rahmen dieses kurzen Abrisses nicht auf praktische Beispiele für die
Verwirklichung dieser Aufgaben eingegangen werden. Möglichkeiten hierzu habe ich
bereits als Studienreferendar am Keplergymnasium in einer Examensarbeit
»Gegenwartsprobleme des Naturschutzes, ihre Behandlung im Biologieunterricht der
höheren Schulen, erläutert an Beispielen in Württemberg-Hohenzollern«,
veröffentlicht im Math.-Natur. Unterricht 1955/56, Bd. 5, 7, 300, Dümmlerverlag
in Bonn, aufgezeigt.
Doch
habe ich die beste Hoffnung, daß auch in dem jetzt eingeweihten repräsentativen
Neubau des Keplergymnasiums dem Naturschutzgedanken genügend Rechnung getragen
wird, zumal der jetzige Leiter, O.Stud.Dir. Prof. Schweizer, einstiger Schüler
des schwäbischen Nestors des Naturschutzes, Prof. Schwenkel, war. Möge deshalb
in allen neuen Räumen des Keplergymnasiums dem Naturschutzgedanken in seiner
Grundlage und Vielschichtigkeit der Platz zugewiesen werden, der ihm bei den
weitverzweigten Berufsmöglichkeiten einer mathematisch-naturwissenschaftlichen
Lehranstalt gebührt, denn »letztlich ist es nicht nur die Natur unserer
heimatlichen Landschaft, um die unsere Sorge im Naturschutz geht - natürlich ist
die Landschaft in Gefahr -, aber in gleicher Gefahr und im Zusammenhang mit dem
Schicksal der Landschaft ist es der Mensch«.
O.
Rathfelder
MUSIKPFLEGE UND
SCHULE
Als
ich vor vier Jahren die Leitung des Keplergymnasiums Tübingen übernahm, war es
mir ein wichtiges Anliegen, die Musik nach Kräften zu fördern, hatte ich doch
während meiner eigenen Schulzeit und Lehrtätigkeit in einer eindrucksvollen
und geradezu entscheidenden Weise die formende und tragende Kraft verspürt, die
aus dem Musizieren quellen kann.
Zunächst
galt es, für die Schule mit ihren nahezu 800 Schülern zwei Musiklehrer zu
gewinnen (bisher hatte die Schule ihren Musiklehrer mit einem anderen Gymnasium
geteilt). Dann gingen wir daran, bei den Eltern und Schülern dafür zu werben,
daß möglichst viele Schüler das Spiel eines Instrumentes erlernen durften. Ich
hatte mir damals vorgenommen, es im Lauf der Zeit so weit zu bringen, daß die
Hälfte meiner Schüler ein Instrument spielt. Dieses Ziel wurde
überraschenderweise schon nach zwei Jahren erreicht, in einigen Klassen
sogar
überschritten. So befanden sich z.B. 1956 in Klasse 2b 20 Geiger, 1 Cellist, 1 Oboist, 5
Trompeter, 2
Blockflötenspieler, 1 Querflötenspieler und 3 Klavierspieler, das sind 82
Prozent der Klasse (inzwischen sind es 86 Prozent geworden).
Heute
spielen 448 von unseren 754 Schülern ein Instrument, das sind 60 Prozent, 82 von
ihnen spielen zwei Instrumente und 16 sogar drei; Zusammen gibt dies 562
Instrumente. Unter ihnen sind 144 Klaviere, 109 Geigen, 101 Blockflöten, 37
Gitarren, 30 Trompeten, 28 Akkordeone, 21 Klarinetten, 14 Celli, 12 Querflöten,
12 Tenorhörner, 10 Oboen, 8 Waldhörner, 7 Posaunen, 6 Flügelhörner, 4
Kontrabässe, 4 Bratschen, 3 Baßtuben, 3 Fagotte, 2 Saxophone u. a.
Die
Eltern sind recht interessiert an der musikalischen Ausbildung ihrer Söhne und
begrüßen das Vorgehen der Schule. Bei allen unseren Werbungen kamen so viele
Meldungen, daß wir sie aus Mangel an Instrumenten und Musiklehrern oft nicht
alle berücksichtigen konnten. Die Tübinger Privatmusiklehrer sind durch unsere
Aktionen auf lange Zeit voll beschäftigt, wir müssen sogar zahlreiche Lehrkräfte
aus naher und weiter Umgebung herbeiziehen.
Ein
großer Teil des Unterrichts wird im Schulgebäude von 23 Privatlehrern erteilt,
und zwar im Rahmen des Jugendbildungswerkes der Volkshochschule. Bedürftige
Schüler erhalten ermäßigte Gebühren. Soweit die Eltern die Instrumente nicht
sofort beschaffen können, werden sie von der Schule oder der Volkshochschule
geliehen. Großzügige Angebote württembergischer Firmen mit langen Leihzeiten und
beträchtlichen Zahlungserleichterungen, besonders für gebrauchte Instrumente,
Zuschüsse des Regierungspräsidiums zum Jugendbildungswerk der Volkshochschule,
Reinerträge von Veranstaltungen der Schule, Vorschüsse und Spenden von Förderern
der Musikerziehung versetzten uns in die Lage, die Wünsche der Schüler und
Eltern im großen und ganzen zu erfüllen.
Der
ausgedehnte Einzelunterricht machte es uns möglich, innerhalb kurzer Zeit ein
Symphonieorchester aufzustellen
(30-35 Streicher und 6-12 Bläser), ferner ein Kammerorchester (16-20 Schüler und
Lehrer), ein Blasorchester
(60-80 Spieler), ein Nachwuchsorchester (25-45 Spieler)
und eine Blockflötenspielgruppe
(12 Spieler). Eine Reihe von Klassen hat ihr eigenes ,,Orchesterle", das bei
Klassenelternabenden eine wichtige Rolle spielt.
Der
vierstimmige gemischte Chor
wuchs von 50 Sängern im März 1955 auf 80 im November 1955 und auf 220 im
März 1956 an. Selbstverständlich ist hier wie im Orchester die Beteiligung
freiwillig. Chor und Orchester werben allein schon durch ihre Existenz und die
gezeigte Leistung. Wir wissen natürlich, daß die Leistung nicht proportional zur
Zahl der Mitwirkenden ist, legen aber doch in erster Linie Wert darauf, daß
möglichst viele Schüler aktiv mitwirken. Auswahlchöre und -Orchester können für
besondere Zwecke trotzdem gebildet werden. So haben zwei Bläserquintette (Oboe, Klarinette,
Querflöte, Fagott und Waldhorn) und ein Streichquartett in letzter Zeit
wiederholt bei öffentlichen Veranstaltungen erfolgreich mitgewirkt.
Sehr
vorteilhaft haben sich Musikfreizeiten
und Schullandheimaufenthalte
ausgewirkt, die in Sigmaringen, auf dem Hebelhof (am Feldberg), in Isny
und in Tieringen stattfanden. Sie ergaben einen geradezu sprunghaften
Fortschritt und erlaubten die zusammenhängende Einstudierung größerer
Werke.
Daß
sich die freiwillige Betätigung
unserer Schüler nicht nur auf Musik richtet, wurde an anderer Stelle
gesagt. Es ist auch keineswegs so, daß durch das Musizieren die übrige Arbeit
leidet. Von den Preisträgern des Schuljahrs 1956/57 spielten zum Beispiel 80
Prozent ein Instrument, von den Belobungsträgern 70 Prozent, von den
»Durchgefallenen« dagegen nur 20 Prozent. Man kann auch nicht sagen, daß wir
unter günstigen äußeren Umständen gearbeitet hätten. Es fehlten uns neben vielen
anderen Räumen ja bisher auch ein Musiksaal und eine Aula. Der reguläre
Musikunterricht fand seit Jahren in einem kleinen Lehrerzimmer statt. Auch sind
die Eltern unserer Schüler vielfach wenig bemittelt und es befinden sich viele
Kriegswaisen und Flüchtlinge in der Schule. Wenn sich trotzdem ein reiches
musikalisches Leben entwickelte, so ist dies Herrn Calgeer in der Instrumentalmusik und
Herrn Kaßner im Chorgesang und
dem Blockflötenspiel zu verdanken.
Welches
sind nun die Gesichtspunkte,
die uns bei der Pflege des Musikunterrichts leiten?
Es
ist stets ein Anliegen der Schulreformen gewesen, die Schule in das persönliche
Leben des Schülers, in seinen Interessen- und Gedankenkreis einzugliedern und
sie zu einem echten Lebensbereich
des Jugendlichen zu machen. Das ist an einer Tagesschule natürlich nur in
einem beschränkten Umfang möglich, denn viele Lehrstoffe entsprechen eben nicht
ohne weiteres den natürlichen Neigungen des Schülers.
Bei
der Musik und den übrigen musischen Fächern ist dies anders: sie kommen einer
natürlichen Veranlagung und Neigung der meisten Menschen entgegen. Singen und
Instrumentenspiel spricht die Mehrzahl der Schüler unmittelbar an. Es wird sehr
bald zu einem Tun, das den jungen Menschen erfaßt und ihm lieb und wert ist.
Wenn ihm nun die Schule Gelegenheit und Anregung zu diesem Tun gibt, so wird ihn
dies in einem nicht geringen Maß an seine Schule binden und diese in einem
freundlicherem Licht erscheinen lassen

Eine
Blockflötengruppe, Leitung H. Kaßner. Von links: Rumbaur,
Hansis,
Rübsamen und Fröschke.
Den
Eltern und uns Lehrern ist dabei ein zweites nicht unwichtig: die intensive
Beschäftigung mit einem Musikinstrument stellt in den labilen Jahren der Entwicklung einen Schutz und einen
Halt für die jungen Menschen dar, den man nicht gering einschätzen darf. Das
tägliche Üben bewahrt vor mancherlei fragwürdigen Beschäftigungen und Neigungen,
schützt vor manchen Verlockungen durch unerfreuliche Kameraden, lenkt ab vom
Kino und der Schundliteratur, verhindert die tötende Dauerbenutzung von Radio
und Fernsehen und hilft mit, eine vernünftige Lösung der heute so schwierigen
Frage der Freizeitgestaltung
»spielend« zu finden.
Die
Frage, welches denn die wichtigste Aufgabe der höheren Schule sei, wird
bekanntlich verschieden beantwortet; ein einheitliches Menschenbild gibt es ja
heute nicht. Trotzdem läßt sich wohl eine Formulierung für diese oberste
Aufgabe angeben, der jedermann zustimmen kann: die höhere Schule soll dem
Schüler vor allem einen Zugang zu der
Welt der Werte vermitteln, sie soll ihn nach Möglichkeit so an Werte
binden, daß diese Bindung für das ganze Leben anhält. Ein solcher Wertbereich
ist die Musik. Ihr Reich ist besonders leicht zugänglich, ihre großen Werke sind
gegenüber religiösen, weltanschaulichen, politischen Richtungen, gegenüber
Unterschieden in Alter, Geschlecht, Beruf und sozialer Stellung neutral, sie
sind zeitlos gültig; kein Urteilsfähiger wird an dem bleibenden Wert dieser
Werke zweifeln. Wenn wir dem Schüler den Zugang zu solchen Werken und Werten
ermöglichen, und das geschieht bekanntlich am besten durch das eigene Spielen
oder Singen, dann haben wir ihm etwas gegeben, das einen bleibenden Wert für
sein Leben darstellt.

Bläserquintett, von links:
Kratzsch, Mühlhäusler, Lehner, Lang,
Karcher
Ich
sagte, die Wirkung ist am nachhaltigsten, wenn eine eigene Betätigung vorliegt. Das ist
ja auf allen Gebieten so. Eigentlich fruchtbar wird doch nur das, was man selber
will und aus eigener Initiative treibt. Dieser besondere charakteristische Wert
der freiwilligen Eigentätigkeit
wird in der höheren Schule leider immer noch unterschätzt oder aber
erdrückt durch die Last und die Ausdehnung des Pflichtunterrichts. Daher auch
meine große Freude als Schulleiter über die zahlreiche Beteiligung unserer
Schüler an freiwilligen Arbeitsgemeinschaften und Übungen.
Überall
ruft man heute nach der Schülermitarbeit, auf vielen
Bereichen mit wenig Erfolg, hier in der Musik nicht. Man braucht auch keine
Sorge zu haben, daß Lust und Begeisterung mit der Zeit nachlassen, im Gegenteil,
wenn einmal ein gewisser Stand des Könnens erreicht ist, oder wenn nur ein
Fortschritt gespürt wird, so wird das wieder fördernd und anfeuernd auf den
Betreffenden zurückwirken. Wer sich einmal richtig mit der Musik eingelassen
hat, wird zum Glück meist nicht mehr von ihr loskommen. Auch hier gilt ein alter
Erfahrungssatz: Was man kann, das treibt man gern, und umgekehrt: Was man gern
treibt, das führt auch zu einem Können.
Als
Mathematiker und als Schulleiter schätze ich die Musik nicht zuletzt deshalb,
weil sie am stärksten mithilft, einen notwendigen Ausgleich und ein wirksames Gegengewicht gegen die vorwiegend
rational ausgerichtete Arbeit der höheren Schule zu schaffen. Der erdrückende
Vorrang des Verstandesmäßigen in den Gymnasien ist ja ein altes Übel dieser
Schulen. Hier liegt nicht zuletzt die Ursache für die oft geringe erziehliche
Wirkung unserer höheren Schulen.
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Eine
Gruppe des Großen Blasorchesters |
Von
einer besonderen Wichtigkeit ist mir als Schulleiter schließlich die Bedeutung
der Musikpflege für die Schulgemeinschaft. Es gibt im
Unterricht verhältnismäßig wenige Gelegenheiten, wo das Zusammenwirken einer
Gemeinschaft für einen gemeinsamen Zweck im Vordergrund steht. Es ist dies die
Arbeit im Chor, im Orchester, in einer Schauspielgruppe, im Mannschaftssport und
da und dort in einer Gruppenarbeit mit verteilten Rollen. Im übrigen arbeitet
jeder Schüler vorwiegend für sich selbst und für sein eigenes Fortkommen. Beim
Zusammenspiel im Orchester soll er zwar selbst möglichst viel können und an sich
arbeiten, er soll aber dieses sein Können einordnen und unterordnen in die
Notwendigkeiten und Forderungen, die das Werk bzw. der Dirigent herausstellt.
Das Ganze kann nur gedeihen, wenn alle sich richtig einfügen. So betrachtet ist
die Musikerziehung ohne Zweifel eine fruchtbare Form der
Gemeinschaftserziehung.

Das Symphonie-Orchester unter Leitung von Helmut Calgeer
Welche
Rolle die Musikerziehung, die Arbeit in Chor und Orchester, für die Gestaltung von Feiern und
Veranstaltungen aller Art spieltest niemand deutlicher als dem Schulleiter. Wenn
heute, nicht zuletzt auch von der Schulverwaltung, dringend gewünscht wird, eine
lebendige Schulgemeinde, die
Lehrer, Schüler, Eltern und Freunde der Schule umfaßt, zu schaffen, so geschieht
dies nicht zuletzt durch eine Förderung der Musikerziehung, die in Chor- und
Orchesterarbeit ausmündet. Die Musikanten und die Zuhörer werden dann bei vielen
Gelegenheiten voller Stolz und Freude sagen können: unser Chor hat schön gesungen, unser Orchester hat gut gespielt. So
wird der Chor und das Orchester zu einem Mittelpunkt der Schule und zu einem
Symbol des Zusammenwirkens von Lehrern, Schülern und Eltern.
W.Schweizer
Die
Musik- und Chorarbeit ist ein wichtiger Bestandteil der Gesamterziehung. Sie
soll die musikalische Ausdrucksfähigkeit des heranwachsenden Menschen fördern
und sein Gefühlsleben entwickeln helfen, ein klares Wertbewußtsein ausbilden,
den Geschmack veredeln und gegen die Einwirkungen des Kitsches abwehrfähig
machen. Schließlich obliegt ihr noch die Aufgabe, alle notwendigen
Voraussetzungen für das Teilhaben an der Musikkultur unseres Volkes und anderer
Nationen zu schaffen. So betrachtet steht die Musikerziehung im Dienste der
Persönlichkeitsentfaltung wie auch des Gemeinschaftslebens.
Trotzdem,
ist der Musikunterricht schon des öfteren empfindlich eingeschränkt worden. Als
ich Ostern 1954 ans Keplergymnasium kam, zeigten zwar etliche Lichtbilder, daß
die Anstalt schon einen Chor besessen hatte, doch schien das weit
zurückzuliegen. Planmäßige Musikstunden wurden nur bis zum Ende der dritten
Klasse erteilt. Das Singen hörte mit dem Einsetzen des Stimmwechsels auf, obwohl
die jugendliche Stimme gerade während dieses kritischen Umbruchs einer
sorgfältigen Anleitung und Pflege bedarf, wenn nicht alle Herrschaft über sie
verlorengehen und die Freude am eigenen Gesang verebben soll.
Ein
neuer Anfang wurde mit der Ausdehnung des Musikunterrichts auf beinahe alle
Klassen gemacht. Aber dieser Beginn war nicht leicht. Denn es galt, die
eingeschlummerte Sangesfreudigkeit wieder zu beleben und dabei manches
Trägheitsmoment zu überwinden. Besonders in den älteren Klassen scheint mancher
»Snob« das Singen als einen Verstoß gegen die ungeschriebenen Gesetze des
Intellektualismus gewertet zu haben. Mehrmals schien sich mir bestätigen zu
wollen, was auch die Sozialstruktur der Gesangvereine zeigt - daß nämlich der
Intellektuelle dem Singen widerstrebt.
Da
sich aber laut Kretzschmar »das Schicksal der deutschen Musik« - also nicht
minder die Zukunft des Einzel-, Gruppen- und Chorgesanges - »in der Schule
entscheidet«, konnten mich die anfänglichen Mißerfolge beim Aufbau des neuen
Schulchores nicht abschrecken. Wir begannen mit etwa 20 sangesfreudigen Schülern
aus den Klassen 1 bis 3, deren zunächst noch dünne Soprane durch die Mädchen
unserer Anstalt unterstützt wurden. Zwei- und dreistimmige Volksliedsätze
bildeten das erste Repertoire. Dann gelang es, Bässe und Tenöre zu gewinnen:
bezeichnenderweise keine Neulinge, sondern Schüler, die mittlerweile in andere
Singkreise eingetreten waren, weil ihnen die Schule kaum noch Gelegenheit zum
Singen geboten hatte.
So
entstand allmählich ein kleiner Gemischter Chor. Er trat zum erstenmal an die
Öffentlichkeit bei der Amtseinführung unseres jetzigen Direktors, der unsere
Schulmusik seither ganz besonders gefördert hat. Das Auftreten des Chores wurde
ein Erfolg. Der Bann wich. Mancher Junge, der dem Schulgesang innerlich
widerstrebt hatte, zeigte sich nun interessiert. Viele freiwillige Meldungen
erfolgten. Bald erreichte der Chor eine Stärke von 240 Sängern, unter denen sich
für bestimmte Zwecke ohne Schwierigkeiten eine leistungsfähige Auslese treffen
ließ.
r
Der
Schulchor unter Leitung von H.Kaßner.
Die
Forderungen konnten gesteigert, neue Ziele angestrebt werden. Jeder Chor wächst
ja mit der Größe der ihm gestellten Aufgaben. Mozarts »Ave verum« und eine
Stiftskirchen-Motette, in deren Mittelpunkt Dietrich Buxtehudes Kantate »Wie
soll ich dich empfangen« stand, wurden aufgeführt. Die bisher wohl
bemerkenswerteste Leistung unserer jungen Sänger war die Gestaltung der Kantate
»Nun komm, der Heiden Heiland« von Johann Sebastian Bach. Eine zweite
Buxtehude-Kantate - »Alles was ihr tut« - dürfte folgen.
Indes
wird unsere Arbeit trotz der erzielten Fortschritte immer schwierig sein. Denn
die Jungensoprane bleiben bestenfalls nicht länger als zweieinhalb Jahre und
müssen dann sozusagen wieder von unten nachwachsen. Deshalb können manche
heimlich gehegten Wünsche, etwa bezüglich der dynamischen Schattierung und des
Ausgleichs im Chorklang, nur annähernd erfüllt werden. Die zur Verfügung
stehende Zeit ist knapp. Nachwuchsmängel machen sich bemerkbar, insbesondere an
hohen Sopranstimmen. Doch all das hat keine schwerwiegende Bedeutung, wenn
unsere Schüler nicht nur mit dem Kehlkopf, sondern auch aus vollem Herzen
singen. Von solchen Singstunden kommt ein Glanz, der bis ins Alter strahlt.
H
Kaßner
ZUM
KUNST- UND WERKUNTERRICHT
Schon
lange sind an einer Reihe von Schulen verschiedene Arten der Durchführung des
Werkunterrichts erprobt worden, so daß heute eine klare Zielsetzung durchaus
möglich ist. Da ist zuerst die früher wohl am weitesten verbreitete Art,
nützliche brauchbare Werkstücke für den Schüler oder die Schule
herzustellen.
Eine zweite Art, die oft mit der
erstgenannten Hand in Hand ging, war die, eine möglichst weitgehende
Handfertigkeit
zu erzielen zusammen mit handwerklicher Genauigkeit und Sauberkeit. Leider wurde
dabei allzuoft der Schulwerkunterricht mit einer Handwerkslehre verwechselt, was
er nie sein kann, und die er nie zu ersetzen vermag. Als Drittes sei noch
erwähnt das Anfertigen von Anschauungsmodellen und Lehrgeräten für die
verschiedenen wissenschaftlichen Fachgebiete. Es ist gegen all das kein Einwand
zu erheben, wenn unser Werken nicht nur diesen Gesichtspunkten unterworfen wird.
Der tiefere Sinn der Werkarbeit liegt im Wecken und Pflegen der schöpferischen
Kräfte des Schülers.
Die
Phantasie, die eigenwillige Erfindungsgabe, die formschaffenden Kräfte sollen in
erster Linie angesprochen werden. Wenn auch die Kraft eines Schülers nur
bescheiden ist, so wird sie eben doch angeregt zur Auseinandersetzung mit einem
bestimmten Werkstoff, und häufig entdeckt der Schüler erst hier einen Stoff, mit
dem er etwas auszudrücken vermag, was ihm mit Zeichnen oder Malen vielleicht
noch niemals befriedigend geglückt ist.
Werken
ist, in diesem Sinne verstanden, die notwendige Ergänzung zum Malen und
Zeichnen. Der Werkstoff selbst kann oft schon zu einer Formfindung führen ; ein
Astholz kann eine Formvorstellung auslösen und den Anstoß geben zur
Verwirklichung dieser geschauten Form. Immer aber sind es hier die persönlichen
Kräfte des Schülers in ihrer Eigenart, die sich am Werkstoff auswirken, es ist
sein Auge, das den Fluß einer Linie im einen Fall gut, im anderen ungenügend
heißt; seine Hand und sein persönliches Tastgefühl entscheiden über die Wölbung
einer Schale. Die so entstehenden Werkstücke tragen alle den persönlichen
Stempel ihres Schöpfers.
E.
Meyder
SCHAUSPIELGRUPPE
UND WOCHENSCHLUSSFEIER
»...
um es endlich und auf einmal herauszusagen: der Mensch spielt nur, wo er in
voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.«
So
lautet ein Satz aus Schillers »Briefen über die ästhetische Erziehung des
Menschen«. Er besagt nicht zuletzt, daß wir zur Erhaltung unseres Menschentums
die Kräfte des Gemütes mindestens ebensosehr pflegen müssen wie die des
Verstandes. Die höhere Schule hat sich indessen vorwiegend mit der Ausbildung
des Intellekts zu befassen. Wir Lehrer des Keplergymnasiums meinen freilich, es
müsse trotzdem möglich sein, auch die übrigen Kräfte zu fördern. Daher u. a. die
Arbeit unserer Schauspielgruppe und die Gestaltung von Wochenschlußfeiern.
Die
Anfänge der Schauspielgruppe reichen bis in das erste Nachkriegsjahr zurück.
Damals wurde im Rahmen einer Goethefeier, die die Schule alljährlich
durchzuführen hatte, von Schülern »Die Fischerin« gespielt. Im selben
Zusammenhang folgte 1947 »Die Laune des Verliebten«. Und 1948 - im
»Hans-Sachs-Jahr« - brachten wir zur Schlußfeier den »Fahrend Schüler ins
Paradeis« sowie (ohne Musik) Teile aus dem zweiten Akt von Wagners
»Meistersingern«, um so den Jubilar gewissermaßen noch persönlich auf die Bühne
zu bringen.
Damals
gab mir der stellvertretende Schulleiter die Anregung, eine Art Schauspielschule
ins Leben zu rufen und Szenen aus klassischen Dramen, die im Deutschunterricht
nur gelesen werden, aktiv durch Schüler gestalten zu lassen. Ziel dieser Tätigkeit sollten nicht öffentliche
Aufführungen sein, sondern »Theaterproben« zur Ergänzung des auch
weiterhin notwendigen Lesens.
Leider
- möchte ich fast sagen - ist diese ursprüngliche Absicht gleich im ersten Jahr
aufgegeben worden, denn es kam das Goethe-Jahr 1949, und daß meine junge
Schauspielgruppe bei dieser Gelegenheit nun doch hervortreten mußte, war
geradezu selbstverständlich. Wir spielten »Götz von Berlichingen« und erzielten
damit einen Erfolg, nach dem es kein Halten mehr gab. Ziel der Probenarbeit
wurde fortan für unsere Schüler die
Aufführung.
Auf
13 größere Abende sind wir so seit dem »Götz« gekommen:
1949
»Goetz von Berlichingen« und »Maria Magdalena«
1950
»Turandot« und »Komödie der Irrungen«
1951
»Antigone« und »Die Jungfern vom Bischofsberg«
1952
»Der fahrend Schüler ins Paradeis«, »Die schwäbische Schöpfung«, »Peter
Squenz«
1953
»Was ihr wollt« und »Das Gastmahl«
1954
»Robinson soll nicht sterben«
1955
»Wallensteins Lager«
1956
»Der Bürger als Edelmann«
1957
»Der Widerspenstigen Zähmung«
Bemerkenswert
das Jahr 1953 mit der Aufführung des »Gastmahls«. Denn daß wir ein Stück nicht
nur aufführen, sondern auch selbst schreiben konnten, das war doch wohl etwas
Besonderes.
Ich
registriere es dankbar, daß ich bei all diesen Bemühungen um die musische
Erziehung nie allein stand. Neben der tatkräftigen Unterstützung durch Herrn
Professor Schweizer und dem nachsichtigen Verständnis der Kollegen, habe ich in
einer Reihe von Damen und Herren des Lehrkörpers stets wertvolle, zum Teil
völlig selbständige Mitarbeiter gefunden. Und was mir Herr Meyder als
Bühnenbildner und Werbegraphiker wert gewesen ist, kann ich überhaupt nicht
ausdrücken!
Die
Wochenschlußfeier geht auf dieselbe Idee zurück wie die Schauspielschule:
auf
den Wunsch, den Deutschunterricht im Rahmen des Möglichen seines lernmäßigen
Charakters zu entkleiden, »spielerisch« aufzulockern und zu ergänzen durch
Stunden, die schon vom Thema her keine Normalstunden waren. Es war naheliegend,
diese Stunden auf die erste Montagsstunde zu legen, damit der Wochenanfang eine
besondere Note bekam.
So
kam. zunächst die Wochenanfangsfeier zustande, die schon nach einem Jahr
in
die Wochenschlußfeier umgewandelt wurde. Gemäß ihrer Entstehung ist es bis heute
ihr Sinn geblieben, die Schüler, die das gerne wollen, am Ende der Woche mit
etwas Wertvollem zu entlassen, das unterrichtlich irgendwie am Rande liegt,
meist Musik oder Literatur. Sehr häufig wird beides miteinander verbunden. Daß
die Feiern ohne Plan einander folgen sollen, wie der Zufall es fügt, das ist
unsere Absicht. Dabei berücksichtigen wir aber gerne besondere Anlässe: Geburts-
und Todestage, Preisverleihungen u. ä. Da mich Kollegen aller Fakultäten und
Schüler immer wieder bei der Gestaltung der Feiern unter stützten, kam es, daß
wir auch manchen großen Naturwissenschaftler, Philosophen oder Staatsmann ebenso
»gefeiert« haben wie Dichter und Musiker.

Schauspielgruppe bei der Probe zu Schillers »Wallenstein«; rechts Studienrat Alfred Dürr
Großcr
Beliebtheit erfreuen sich vor allem auch Lichtbildervorträge und Filme.
Dazwischen hatten wir auch außerschulische Gäste, Herren des Landestheaters
und der Bläservereinigung des Reutlingcr
Symphonieorchesters, Rundfunksprecher und freie Schriftsteller. Das
meiste machen wir aber selber, oft mit Hilfe von Schülern, die etwas Hübsches zu
bieten haben. So geht es nun schon seit Jahren Samstag für Samstag bunt
durcheinander: von Seneca und Mark Aurel bis Hemingway und Kafka, von Bach bis
Gershwin, von Luther bis Kierkegaard, von Indien bis Irland, vom Volkslied zum
Jazz und von der Unsterblichkeit der Seele bis zur Verkehrssicherheit. Am
Samstag vor der großen Pause wird das Täfelchen mit dem Programm ausgehängt, und
wer Lust hat, kommt. Die Wochenschlußfeier ist ein fester Bestandteil unserer
musischen Erziehung geworden. Wir alle - Lehrer, Schüler und, wie ich
zuverlässig weiß, auch viele Eltern - wünschen, daß sie es bleiben möge.
A.
Dürr
SCHULLANDHEIMAUFENTHALT
IN TIERINGEN
Ein
Erfahrungsbericht
A..
Der Unterricht im Schullandheim
Der
Schullandheimaufenthalt stellt zwar eine Fortsetzung des Unterrichts mit anderen Mitteln dar, kann aber nicht immer
dieselben Gegenstände in den Mittelpunkt stellen. Es stehen ja nicht alle
Fachlehrer und Unterrichtsmittel zur Verfügung. Demgegenüber steht die Fülle,
die eine fremde Umgebung bietet, und die erzieherisch sehr fruchtbaren
Erfordernisse des Zusammenlebens auf engem Raum. An Unterrichtsfächern konnten
besonders versorgt werden:
Latein:
Es
wurde fast jeden Tag eine Vollstunde Latein gearbeitet, und zwar in der Form des
Lernens. Es ist eine bekannte Tatsache, daß dem Schüler das eigentliche Lernen
am schwersten fällt. So wurde hier, meist am frühen Morgen, zunächst einmal eine
Stunde, ein gewisses Pensum an Wörtern oder Formen in einer Arbeitsstunde
repetiert und dann schriftlich abgefragt. Ich verspreche mir davon manche
Entlastung meines Unterrichts.
Heimatkunde:
Alles
was mit Heimatkunde zusammenhängt, war am wenigsten problematisch. Geologie, Geographie, Biologie,
Kartenkunde und Kompaßübungen boten sich förmlich an und wurden
ausführlich betrieben. Ein einleitender Vortrag über die Entstehung der Alb -
ich war einmal Liebhabergeologe - bereitete
einen
Lichtbildervortrag vor, dessen ausgezeichnete und charakteristische Dias aus der
großen, von Oberstudienrat Dr. Gradmann geschaffenen Sammlung des Keplergymnasiums
stammten. Fräulein Dr. Mayer konnte einen Botanisierkurs und
Bestimmungskurs durchführen, Wanderungen und Übungen führten in das exakte
Kartenlesen und die Handhabung des Kompasses ein (einschließlich
64er-Eintcilung) und erschlossen vor allem die grandiose Landschaft. So wurden
Schlichemtal, Bäratal, Wenzelstein, Lochenstein, Schafbcrg, Plettenberg, Oberhohberg,
Schalksburg, Böllat, Steinernes Meer, Hörnle, Gräbelesberg erwandert. Unterwegs
wurden Versteinerungen gesammelt, vorgeschichtliche Beobachtungen
gemacht; in Burgfelden führte uns der Ausgrabungsleiter durch die
Ausgrabungen der alten romanischen Kirche, ein besonderer Glücksfall. Ebenso
fand ein Vortrag des Betriebsassistenten Herrn Glöckner über Perlon und Nylon
sowie eine Führung durch die Perlonwirkerei Mattes & Amann in Ticringen viel
Interesse, desgleichen ein Besuch des Ebinger Aquariums und der Ebinger Firma
Jehle (Klavier- und Instrumentenbau).
Mathematik:
In
guter Anpassung an die Gegebenheiten konnte Herr Studienrat Dr. Garten einige
Vermessungsaufgaben durchführen und zur weiteren Anleitung geben, so daß eine
Arbeitsgruppe nach seiner Abreise praktisch notwendige Vermessungsaufgaben für
den Heimleiter, Herrn Jüngert, durchführen konnte. Es handelte sich um eine
genaue Zeichnung und Berechnung zur Anlage eines Fahrradschuppens am
Steilhang.
Deutsch:
Ein
Vortrag von Herrn Hauptlehrer Eppler brachte einen Überblick über Tieringens
Geschichte, den Lebenslauf des Dichters Matthias Koch und wertvolle Proben aus
seiner Mundartdichtung in Originalaussprache. An Lektüre konnte bewältigt
werden: Hans Grimm, Der Richter in der Karru; Ponten, Der Meister; Paul Ernst,
Der Schatz im Morgenbrotstal; Teile des Götz von Berlichingen. Dazu bot vor allem ein Laienspiel
von Martin Luserke (das Abenteuer
von Tong-King) gute Gelegenheit, die schauspielerischen Kräfte der Jungen
zu erproben und die vermutlich Besten zu einer künftigen Aufführung zusammenzustellen und einzuüben. Ich glaube nicht,
daß der reguläre Unterrichtsbetrieb mir Zeit gelassen hätte, fast alle
Schüler einmal probeweise spielen zu lassen.
Musik:
Sie
sollte stets und auf allen Lagern eine Hauptrolle spielen. Das Klassenorchester
übte unverdrossen und mit Eifer, die ganze Klassengemeinschaft lernte eine Menge
Lieder, von der Moritat und dem Song bis zum hochkomplizierten vorklassischen
Kanon mit langausschwingenden Themen. Auch französische Lieder erfreuten sich
größter Beliebtheit. Es wurde jeden Abend gesungen! Es gibt nichts, was besser
zur Gemeinschaftsbildung beitrüge und mehr
Spaß machte. Dabei sollte man nicht zu bescheiden sein. Es ist erstaunlich,
was eine Klasse in kurzer Zeit lernen kann!
B.
Die Erziehung außerhalb des Unterrichts
Die
Erziehung zur Sauberkeit - auch in der Turnhose! - scheint mir nach meinen
Beobachtungen gar nicht überflüssig. Es ist eine heikle Sache, einen Schüler
wegen schwarzer Fingernägel und eines schmutzigen Hemdes aus der Schule nach
Hause zu schicken. Wenn man beim täglichen Fingernägelappell vor dem Mittagessen
(ohne komißmäßiges Antreten natürlich) solche Burschen einfach wegschickt, sie
zwingt, ihr Turnleibchen am andern Tag gewaschen vorzuzeigen oder ihren Scheitel
in Ordnung zu bringen, so geht das erheblich natürlicher. Es gehört sich, daß
man gemeinsam zu essen anfängt und aufhört, seinen Stuhl ordentlich hinstellt,
abends sein Zeug aufräumt, das Bett ordentlich macht, seine Schublade in Ordnung
hat und nur geputzte Schuhe anzieht. Ich wurde hier von den beiden Referendaren,
den Herren Betzen und Ackermann, aufs beste und eifrigste unterstützt. So lernte
tatsächlich jeder, wie man ein Hemd zusammenlegt, und eine ganze Reihe
ausgesprochener Schlamper war voll stolzer Selbstbewunderung über ihr eigenes
Können, als etwa vom dritten Tag an tatsächlich nichts mehr auszusetzen war!
Hausputz und Hausordnung wurden eine Zeitlang geradezu zum Sport, ohne Mutters
Nachhilfe. Das scheint mir durchaus der Mühe wert. Man darf nur nichts
Unmögliches verlangen, aber dafür auf dem Möglichen und Geforderten unbedingt
bestehen.
Militärische
Formen (Wecken, Zapfenstreich) machen die äußere Ordnung für junge Burschen
durchaus schmackhaft; es wäre ganz falsch, zu den einzelnen »Diensten« (Küchen-,
Stuben-, Hausdienst, Fallenbau, Schuhputzen) etwa viel Zeit zu geben. Solche
Dinge werden zügig ausgeführt oder überhaupt nicht. Der Dienstplan muß -
wenn er einmal angesagt ist - auf die Minute eingehalten werden - vor allen
Dingen auch vom Leiter! Die Trillerpfeife ist ein alterprobtes Mittel, gewöhnt
an Pünktlichkeit und erspart viel Ärger und Geschrei. Leichte Ordnungsstrafen
schaffen - weil sinnvoll - wenn ohne Geschrei verhängt, rasch die nötige
Zucht.
Außerordentlich
wichtig scheint mir folgendes: Es war von den Eltern eine scharfe Begrenzung des
Taschengeldes verlangt und auch eingehalten worden (5 DM). Infolgedessen bestand
keine Neigung zu »Ausgang« und ähnlichen Extravaganzen. Es erscheint mir aber in
diesem Zusammenhang wesentlich, daß auch der Erzieher sich an die Hausordnung
hält, nicht das Haus verläßt, wenn die Jungen im Bett sind, sich strikt an die
Hauskost hält und möglichst nichts nebenher verzehrt, vor allen Dingen beim
Essen nicht wählerisch ist, sondern immer
gleichmäßig mitißt. Wir sollten das ja auch in den. zurückliegenden Jahren
gelernt haben! Ich habe - vielleicht übertrieben - kein Stückchen Brot
und keine Flasche Sprudel nebenher gekauft. Ich wollte unbedingt vermeiden, daß
das Gefühl einer Benachteiligung, ein »Komplex«, sich bildete. Die unbedingte
Solidarität läßt den Schüler auch eine sehr straffe Führung und einen gefüllten
Tagesplan nicht nur gern, sondern mit Freuden hinnehmen.
Ein
Problem war in den ersten Tagen die Nachtruhe, zumal die Hitzewelle das Schlafen erschwerte. Frühzeitiges Wecken und
spätes Schlafengehen ließ die kühleren Stunden ausnützen, die Mittagsruhe
bot zwar keinen vollen Ersatz, zwang aber sehr bald die Klasse zu nächtlicher
Disziplin, zumal verschiedene Rundgänge Nachtruhestörer im Schach hielten. Etwas
anstrengend, aber rentabel. Als die Tage kühler wurden, konnte sich der
Tagesplan anpassen und der Schlaf konnte nachgeholt werden.
C,
Zur Organisation
Das
Landheim Tieringen ist durch Lage, Einrichtung und Leitung hervorragend
geeignet, besonders für Mittelklassen. Die Verpflegung ist reichlich, geradezu
unerschöpflich, Familie Jüngert bei Tageswanderungen zum äußersten
Entgegenkommen bereit (frühes Morgenessen, Marschverpflegung usw.). Eine
unangenehme Überraschung war die Erhöhung des Tagessatzes von 3.50 auf 4 DM. Für
Klassen mit viel wirtschaftlich schlechtgestellten Eltern wäre vielleicht eine
Erhöhung des Zuschusses der Behörde in Anpassung an die neuen Preise
wünschenswert. Als hinderlich hat sich die Tatsache herausgestellt, daß der
Leiter keinen Geldfonds zur freien Verfügung hat, von dem er - ohne Eltern zu
belasten - auch einmal eine Omnibusfahrt organisieren kann. So wurde die
Exkursion nach Ebingen (bei schlechtem Wetter eingefügt) nur möglich durch das
von der Klasse im voraus gesparte Geld. Dabei mußte sehr haushälterisch
verfahren werden. Am Heim wäre auszusetzen, dass der vorgesehene Duschraum noch
nicht eingerichtet ist. Es wäre - bei dem Mangel einer Badegelegenheit in der
näheren Umgebung - sehr wünschenswert, daß der Träger (Ev. Jungmännerwerk
Balingen) oder der JH-Verband bald die Mittel bekommt, den Duschraum
fertigzustellen. Gerade in den heißen Tagen hätte die Abkühlung vor dem
Schlafengehen notgetan. Ferner muß bedauert werden, daß das Heim kein Klavier
besitzt. Firma Jehle würde gerne ein geeignetes Klavier liefern, Herr Jüngert
hat das Modell schon ausgesucht, das Geld fehlt. Für jeden Musikbetrieb kleiner
Gruppen ist dies ein schweres Hemmnis.
Die Organisation und Vorbereitung von
seiten der Schulleitung hat sich sehr bewährt. Der Klassenlehrer als Leiter von
Anfang bis Schluß, Fachlehrer (Fräulein Dr. Mayer, Herr Dr. Garten) im Wechsel und ebenso die drei
Referendare Herr Dr. Ackermann, Herr Betzen und Herr Stifter ergänzten und
unterstützten einander in der richtigen Weise. Die Ausstattung mit
Vermessungsgeräten, Landkarten und Kompassen dürfte im Lauf der Zeit für so
große Klassen noch verstärkt werden; als Erstanschaffung bedeutete sie eine
Leistung.
W.
Lang

Am Stundenplan, von links: Studienassessor Karl Mütz,
Studienrat Prof. Dr. Heinz Lehmann, Studienassessor Paul-Wilhelm
Günther.
STATISTIK EINES
SCHULLANDHEIMAUFENTHALTS
A.
Allgemeines
1.
Klasse 6a des Keplergymnasiums
Tübingen; 37 Schüler.
2.
Schullandheim Isny (württ.
Allgäu); modern; zugleich Jugendherberge.
3.
Dauer: 27. 6. bis 9. 7.
1956
= 13 Tage einschließlich Reisetage; in
diesem Zeitraum zwei Sonntage und ein Feiertag (Fronleichnam), somit, vom
normalen Schulbetrieb her gesehen, 10 Schultage.
4.
Begleitende
Erwachsene:
a)
Ganze
Zeit: Studienrat
Reichle (Klassenlehrer; Deutsch, Geschichte, Kunstgeschichte,
Gemeinschaftskunde); Oberschullehrer Noller (Leibesübungen;
Streichergruppe; Wanderungen und Geländekunde gemeinsam mit Reichle); Frau Reichle
(Landschaftsaquarell; Singkreis, z. T. auch allgemeines Singen;
Krankenschwester«).
b) 4 Tage (Fronleichnam bis Sonntag je
einschließlich): Studienreferendarin Frl. Dr. Kuhn (Biologie, Geologie);
Studienrat Calgeer (allgemeines Singen; Bläsergruppe); Frau Calgeer (allgemeines
Singen, Madrigale).
B.
Durchführung
1.Anreise
mit
Omnibus über Reutlingen, Zwiefalten, Buchau, Steinhausen, Waldsee.
2.
Rückreise mit Omnibus über Ravensburg,
Weingarten., Altshausen, Sigmaringen, Gammertingen, Melchingen.
3.
Größere Ausflüge von Isny aus: Schletteralm -
Schwarzer Grat (1120 m) zu Fuß; Hochgrat (1835 m) - Rindalphorn
(Nagelfluhkette); An- und Rückfahrt mit Omnibus bis bzw. ab Lanzenbachmühle bei
Steibis.
4.
Kleinere Ausflüge: Ried - Neutrauchburg; Felderhalde -
Schweineburg (Fernsicht); Eistobel (Argenfälle).
5.
Täglich (außer an Tagen größerer Ausflüge):
Wecken mit Musik; Frühsport (Waldlauf und Gymnastik); Morgenfeier mit
Tagesspruch und gemeinsamen Liedern; 1 Stunde gemeinsames Singen; 1 bis 1
1/2 Stunden Mittagsruhe;
Übergang zur Nachtruhe mit Musik.
6.
Unterricht der ganzen Klasse (vorwiegend an
Regentagen): 7 Stunden Deutsch (»Fähnlein der sieben Aufrechten«;
Klassenaufsatz); 2 Stunden Geschichte (Säkularisation und Mediatisation,
besonders in Südwestdeutschland; Geschichte der oberschwäbischen Reichsstädte);
1 Stunde Gemeinschaftskunde (»Benimm«); 10 Stunden Singen; 2 Stunden
Schwimmen.
7.
Führungen:
a)
Geschichte:
Federseemuseum
(Vorgeschichte); ehemalige Reichsstädte Buchau, Isny, Ravensburg; geistesgeschichtlich einzigartige
Pfarrbücherei der Nikolaikirche Isny.
b)
Kunstgeschichte:
Zwiefalten;
Steinhausen; St. Georgs- und Nikolaikirche sowie Refektorium Isny; Münster und
Münsterorgel Weingarten (Sonderkonzert).
c)
Gemeinschaftskunde:
Vieh-
und Weidewirtschaft des Allgäus (Einzelhof; Sennerei Altringenberg; Fürstl.
Waldburg-Zeilsche Güterverwaltung Neutrauchburg, Führung Güterdirektor Rösner
und Gräfin Waldburg); Versehrtensportsanatorium Isny (Teilnahme am
Amputiertengeräteturnen; Durchführung eines Musikabends für Versehrte);
Farblichtbildervortrag von Herrn Backofen (Isny, Allgäu, Alpenstraße;
Oberschwäb. Narrentreffen}; traditionelles Isnyer Kinderfest mit
Umzug.
d)
Naturwissenschaften;
Federsee
(Verlandung; botanische Besonderheiten; Vogelkundliches Museum); Riede und Moore
(geologisch und botanisch); Botanisieren vom Schwarzen Grat bis Großholzleute;
Vogelstimmen-Frühwanderung zur Argen; Eistobel (botanisch und geologisch);
Schlangenfarm Isny. Führung durch Frl. Dr. Kuhn oder Herrn Rektor Georgii
(Isny).
8.
Arbeitsgemeinschaften;
Jeder
Schüler schloß sich 2 bis 4 Arbeitsgemeinschaften an; die Unterbringung in den 5
Schlafräumen erfolgte nach den durch die Arbeitsgemeinschaftswahl erkennbaren
besonderen Neigungen und Interessen.
a)
Bläser: 8 Schüler (2 Trompeten, 2 Flügelhörner, 2 Tenorhörner, 2 Posaunen);
gemeinsames Üben an 5 Tagen (Calgeer).
b)
Streicher: mit Herrn Noller 3 Personen; übten an 4 Tagen.
c)
Singkreis: 16 Schüler; übten hauptsächlich einfache polyphone Sätze mit Frau
Reichle an 4 Tagen.
d)
Aquarellieren in der Landschaft: 12 Schüler mit Frau Reichle an 3 Tagen;
außerdem Führung durch Töpferei und Keramikwerkstätte Isny.
e)
Biologie: etwa 12 Schüler machten Kurzwanderungen mit Frl. Dr. Kuhn an 2
Tagen.
f)
Geländekunde, Kartenlesen usw.: etwa 12 Schüler an 3 Tagen mit Herrn Noller im
Gelände.
g)
Leichtathletik: etwa 12 Schüler übten mit Herrn Noller an 6 Tagen
gesondert,
h)
Fußball: etwa 12 Schüler mit Herrn Noller an 6 Tagen; zum Abschluß
Wettspiel
gegen Progymnasium Isny 5:3 gewonnen.
9.
Tagebücher waren zu führen von jedem einzelnen
Schüler und von den größeren Arbeitsgemeinschaften; Reinschriftabgabe zwei
Wochen nach Ende des Landheimaufenthalts, womöglich mit selbstgefertigten
Bildern; Bewertung als Hausaufsatz.
10.
Beispiel »Aus der Gemeinschaft - für die
Gemeinschaft«: Tägliches Wecken und musikalischer Übergang zur Nachtruhe
durchgeführt von a) Bläsergruppe 5mal; b) Streichergruppe 3mal; c)
Ziehharmonikagruppe 1mal; d) Singkreis 8mal; e) Instrumentalgruppe der
Erwachsenen (Flöte, Geige, Laute) 5mal; f) Madrigalgruppe der 6 Erwachsenen
2mal; außerdem besonderer Madrigalabend für die Klasse. Die Instrumentalisten
wirkten überdies häufig bei den Morgenfeiern und beim gemeinsamen Singen der
Klasse und des Singkreises mit.
C.
Nachsatz:
Statistiken
sind ihrem Wesen nach trocken. Wer aber in der vorstehenden Zusammenstellung zu
lesen versteht, wird nicht nur Wichtigkeit und Ausmaß der
Vorbereitungen sowie umfangreiche Arbeit an sogenannten schulischen Stoffen
feststellen, sondern vielleicht auch etwas ahnen von dem unmittelbaren Leben,
das hier in unsere Schulgemeinschaft einströmt und Bestand hat über Jahre
hinweg.
- H.
Reichte
PRAKTISCHE
AUSBILDUNG DER STUDIENREFERENDARE AN DER SCHULE
Als
mit der Begründung des Landes Südwürttemberg-Hohcnzollern in Tübingen ein
Seminar für Studienreferendare begründet wurde, wurden die Gymnasien in
Reutlingen, Tübingen, Rottenburg und Metzingen zu Stätten der
unterrichtspraktischen Ausbildung der zukünftigen Studienräte ernannt. Seitdem
sind jedem Gymnasium je nach seiner Größe 4-8 Referendare zugeteilt.
Die unterrichtspraktische Ausbildung der
Referendare bedeutet gewiß eine Belastung für die Schule. Der Schulleiter hat zu
seinen mannigfaltigen Verpflichtungen auch noch die des Organisators der
Ausbildung: Der Lehrkörper erhöht sich, seine Verantwortung wächst. Wenn ein
Referendar mit einer Klasse nicht fertig wird, so muß er einschreiten, die
Schüler zurechtweisen, den Referendar beraten und ermuntern. Die Schüler sind
nicht immer Engel; sie erkennen mit Scharfblick die Schwächen ihrer Lehrer und
besonders die der Referendare.
Aber nicht nur er, jeder Lehrer ist
verpflichtet, sich der Referendare anzunehmen, ihnen Musterstunden vorzuführen
und sie während eines kurzen Übungslehrauftrags in seine Klasse aufzunehmen und
zu beraten. Wer macht sich klar, was es bedeutet, ständig einen Gast bei sich zu
haben und einem jüngeren Kollegen aus dem eigenen Erfahrungsschatz Vorschläge
für dessen Lehrtätigkeit machen zu sollen! 13er Unterricht trägt eine
persönliche Note, er ist ein enges Zusammenspiel zwischen Lehrer und Schüler,
bei denen beide Teile ihr Innerstes preisgeben, ihre Überzeugungen, Meinungen,
Vermutungen unbekümmert und im Vertrauen, verstanden zu werden, aussprechen.
Dabei wird oft die Anwesenheit eines Fremden als störend empfunden.
So ist es kein Wunder, daß auch die
Schüler nicht immer erbaut sind von der Anwesenheit der Referendare. Die Eltern
fürchten, ihrem Sohn gehe etwas verloren, wenn ein Neuling den Unterricht
übernimmt. Natürlich könne dieser nur schlecht unterrichten. Die ungenügende
oder mangelhafte Leistung in Mathematik oder Französisch komme dann daher, daß
ein Referendar die letzten Wochen unterrichtet hat.
Und die Referendare selbst? Sie sind am
meisten die Leidtragenden. Lehrzeit ist schwere Zeit, aber für den Referendar
ist sie fast unerträglich. Er soll auf die Wünsche jedes einzelnen Lehrers
eingehen, da doch das Unterrichten ein ganz persönliches Geschäft ist. Jedem
Lehrer billigt man seine eigene Unterrichtsmethode zu, nur nicht dem Referendar:
er soll unterrichten, wie man selbst seit dreißig Jahren unterrichtet hat. Dabei
haben sich doch die Denkweisen gewandelt. Der dreißigjährige Referendar hat
andere Erkenntnisse, Lebensziele, Vorstellungen vom Unterricht als der
fünfzigjährige Fachlehrer. Bei dem einen Lehrer muß er sich auf die direkte
Methode, bei dem anderen auf den strengen Grammatikbetrieb einstellen; der eine
Lehrer hält die Erziehung zum selbständigen Denken für die vordringlichste
Aufgabe der Schule, der andere betrachtet den Lehrervortrag für die ihm gemäße
Unterrichtsweise. Wie soll da der Referendar, der nun gleichzeitig lernen soll,
sein Universitätswissen schulgerecht zu machen, seines Lebens froh
werden?
Schulleiter, Fachlehrer, Schüler, Eltern
und Referendare sind geplagt durch die unterrichtspraktische Ausbildung der
Lehrer. Dies ist die eine Seite der Sache, wir wollen sie nicht mißachten; aber
es gibt eine ganz andere, wichtigere. Wer nur diese erste sieht, sieht am
Wesentlichen ebenso vorbei wie der Bergsteiger, der nur von den
Beschwerlichkeiten der Wege und dem Schweiß des Steigens spricht. Es ist deshalb
ein erfreuliches Zeichen, daß die anfänglichen Klagen über die Einrichtung sehr
schnell verstummt sind. Alle Beteiligten haben schnell erkannt, welcher Gewinn
in der Sache selbst steckt.
Das geistige Leben vollzieht sich in der
Auseinandersetzung. Der Fertige ist schon der Gestorbene; der Ringende ist der
geistig Rege. Schematismus und Schablone sind der Tod der Schule. Das
Sich-sclbst und den Wert des Unterrichtsgegenstandes immer wieder erneut
In-Frage-Stellen ist die dem Lehrer gemäße geistige Grundhaltung. Dazu regt
nichts besser an als die Anwesenheit junger Kollegen, die man in ihren Beruf
einführen soll, die fragen nach dem Warum und Wozu, die selbst einen ersten
Versuch wagen, der gewiß nicht mustergültig sein kann, aber aus einer ringenden,
sich bemühenden Seele aufsteigt und deshalb manchmal die Schüler besser trifft
als die wohlabgestimmte erprobte Unterrichtsstunde des bewährten
Fachmannes.
Neues Leben kommt in die Schulstube nur
auf dem Weg über die jungen Lehrer. Sie sind unser Kapital für die Zukunft.
ihnen zu raten, wo sie des Rates bedürfen, sie zu warnen vor Irrwegen, in denen
sich der Anfänger leicht verliert, sie von den Höhenflügen der Wissenschaft auf
den Ackerboden der Schulwirklichkeit hinzuleiten, ist eine der schönsten, wenn
auch schwersten Aufgabe der Schule. Deshalb gilt es mit Recht als eine
Auszeichnung, wenn eine Schule zu einer Ausbildungsschule erklärt und ein Lehrer
zum Fachausbilder ernannt wird.
Die Schüler und Eltern, die meinen, daß
durch den Übungsauftrag eines Referendars die Latein- oder Biologiekenntnisse
nicht genügend gefördert werden, können natürlich aus ihrer Augenblickslage die
verjüngende Wirkung der Gesamteinrichtung nicht erkennen, zumal sie in der Regel
von einer falschen Modellvorstellung des Lernens ausgehen. Sie denken
quantitativ. Die Menge des Wißbaren und die Note in der Klassenarbeit sind für
sie entscheidend. Aber sie lassen sich gerne belehren wie die Erfahrung zeigt,
daß der Lernvorgang als geistiger Aneignungsvorgang nicht quantitativer, sondern
qualitativer Natur ist. Gewiß, die Fähigkeit des Schülers, in einem
Unterrichtsfach selbständige Fragen zu stellen, selbständig zu arbeiten, läßt
sich nicht so leicht nachweisen wie die Kenntnis eingetrichterter Tatsachen.
Aber für das Leben ist die Fähigkeit zu fragen, zu denken, zu arbeiten, sich zu
konzentrieren entscheidend.
Wenn deshalb die Referendare angeleitet
werden, in dieser Erziehung zur Freiheit und zur Zucht der Arbeit die
Hauptaufgabe ihres Berufs zu erblicken, dann tragen sie allein durch ihre
Anwesenheit in der Schule und im Unterricht zu einer ständigen Selbstbesinnung
der Schule und zur Belebung des Unterrichts bei. Wir meinen, daß der Schule
diese Selbstbesinnung not tut.
R.
Ulshöfer
Vor drei Jahren hatte ich das Glück, als
Austauschlehrer in die Vereinigten Staaten fahren zu können, um dort vom Herbst
1955 bis zum Sommer 1956 an einem College zu unterrichten, einer angesehenen und
traditionsreichen Bildungsstätte im Süden des Landes. Ich gab 15 Stunden in der
Woche Unterricht in deutscher Sprache und Literatur und war außerdem für die
deutsche Abteilung der Fakultät verantwortlich.
Das Alter der 850 Studenten lag zwischen
18 und 22 Jahren. Die jüngeren hatten gerade die High-School absolviert und die
älteren bereiteten sich für ihr Fachstudium auf der Universität vor. Alle
Studenten wohnten gemeinsam in Wohngebäuden auf dem großzügig angelegten Gelände
des College, das mehr einem Park als einem Komplex von Schulgebäuden entsprach,
wie wir es in Europa kennen. Die Unterrichtsräume waren in einem großen
Zentralbau untergebracht, daneben lagen, von Baumgruppen eingefaßt, die Gebäude
für den Musikunterricht und für die Naturwissenschaften, die Bibliothek mit 75
000 Bänden und das Studentenklubhaus. Eingerahmt wurde der »Campus« von den
Verbindungshäusern und den schmucken Wohnungen der Professoren.
Bei der Ausbildung der Studenten wurde
neben der Wissensübermittlung besonderer Wert auf eine gediegene moralische und
geistige Unterweisung gelegt. Auf dem gesamten Gelände herrschte Alkoholverbot,
und da die Lehrer in allen Dingen des täglichen Lebens Vorbild sein sollten,
wurden auch in den Professorenfamilien keine Alkoholika ausgeschenkt, was ich in
den ersten Wochen sehr vermißte; jedoch gewöhnt man sich sehr schnell an diese
chronische Trockenheit. Im musischen Bereich wurde die Musik besonders gepflegt;
das College unterhielt neben einer »Band« zwei Chöre und ein gutes
Orchester.
Die Studenten kamen zum großen Teil aus
begüterten Kreisen des Südens oder aus Arzt- und Pfarrersfamilien. Mit sehr
wenigen Ausnahmen waren sie taktvoll und verantwortungsbewußt. Sie unterwarfen
sich freiwillig dem Ehrenkodex der Studentenselbstverwaltung. Schriftliche
Arbeiten wurden ohne Aufsicht des Lehrers durchgeführt, da der Student sich bei
Eintritt in die Schule verpflichtete, keine Hilfsmittel zu benutzen und anderen
keine Hilfe zu geben. Verstöße gegen den Ehrenkodex wurden von der
Studentenschaft selbst geahndet.
Ich unterrichtete sehr gerne in Davidson
College. Ich hatte mit den Studenten engen Kontakt und fand besonders unter den
Fortgeschrittenen ganz prächtige Menschen, die dem deutschen Studenten nicht im
kritischen Vermögen, aber in ihrer unmittelbaren Menschlichkeit und in ihrem für
die Allgemeinheit verantwortungsbewußten tätigen Leben überlegen waren. Mit
einigen Professorenfamilien verbindet mich noch heute eine herzliche
Freundschaft. Man findet viele selbstlose Menschen unter ihnen, die im
wesentlichen für andere leben. Besonders stark beeindruckt hat mich die ethische
Kraft, die aus dem gemeinschaftlichen Leben erwächst und die bei Professoren und
Studenten das tägliche Leben und Handeln bestimmt. Nach meinen bisherigen
Erfahrungen bleibt auch ein guter Teil dieses Geistes den Studenten in ihrem
späteren Leben erhalten und bildet so für die gesamte Nation einen Gewinn. Ich
glaube, daß bei uns in deutschen Schulen gerade in dieser Richtung noch manches
zu tun übrig bleibt, um bei unseren Schülern einen stärkeren Sinn für die
Aufgaben zu wecken, die ein gutes Gemeinschaftsleben erfordert.
Neben dem College hatte ich die
Gelegenheit, mehrere Universitäten des Südens und die benachbarten Schulen
kennenzulernen. In Gesprächen mit Direktoren und Erziehungsberatern konnte ich
Probleme und Zielsetzungen der amerikanischen und deutschen Schulen miteinander
vergleichen. Durch Vorträge sowie durch einen Bericht in einem Fernsehstudio
lernte ich Amerikaner kennen, die nicht als Erzieher tätig waren, aber ein
großes Interesse an den Schulen hatten. Dabei war festzustellen, daß die Eltern
in den Vereinigten Staaten mehr mit den Erziehungsanstalten verbunden sind und
sich intensiver mit Erziehungsproblemen beschäftigen als in
Deutschland.
Wenn ich an meine Austauschzeit
zurückdenke, so habe ich in besonders guter Erinnerung die enge persönliche
Fühlung zwischen den Kollegen, das gute Vertrauensverhältnis zwischen Lehrern
und Schülern, die
großzügige
Gastfreundschaft und die Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit, die mir jederzeit
entgegengebracht wurde. Die pädagogische und fachliche Arbeit wurde sehr
erleichtert durch die ausgezeichnete Führung der Schüler und durch das »Honour
System«, das jegliche Unlauterkeit bei Klassen- und Examensarbeiten
ausschloß.
Bei größerem Abstand von deutschen
Schulmethoden und Unterrichtszielen zeichnet sich das Ergebnis amerikanischer
Erziehung auf das gesellschaftliche Leben positiv ab. Der Einfluß der Schulen
auf die Öffentlichkeit, das Weiterleben von Schulerinnerungen und Freundschaften
bei den Studenten und die sozialen und ethischen Impulse, die dem einzelnen von
der High-School und vom College mitgegeben werden, sind nachhaltiger und
wirkungsvoller als in Deutschland.
Jedoch scheint mir der ins College neu
eintretende Student mit seinen 18 Jahren dem Schüler der Oberstufe unserer
Gymnasien in seinem Wissensstand und in seiner Arbeitsweise nicht ganz zu entsprechen. So sehr ich
die Notwendigkeit einsehe, gute Staatsbürger zu erziehen, scheint mir doch das
Unterrichtsziel der High-Schools noch zu einseitig an der Tradition des
Isolationismus ausgerichtet zu sein: wenig oder keine Fremdsprachen, keine
Erdkunde in der Oberstufe, die Geschichte anderer Völker nur sehr kursorisch!
Ich muß gestehen, daß mich die geringe Kenntnis fremder Kulturen und Traditionen
bei manchen Studenten und beim Durchschnittsamerikaner sowie die auffallende
Uniformität der öffentlichen Meinung doch etwas nachdenklich stimmte. Für
bedenklich halte ich auch, wenn dem Optimismus zuliebe ernste Erscheinungen des
menschlichen Lebens wie Tod oder Tragik oft im Alltagsleben übertüncht werden,
weil man sie nicht gerne sieht.
So melden sich auch heute schon in
Amerika gewichtige Stimmen, die angesichts der Verantwortung, die dieses Land
für die übrige Welt hat, eine stärkere Betonung des naturwissenschaftlichen und
des sprachlichen Unterrichts, eine bessere Förderung der Intelligenz und eine
strengere Arbeitsdisziplin in den Schulen fordern.
Trotzdem bleibt vieles im amerikanischen
Schulwesen für uns Deutsche nachahmenswert und vorbildlich. Besonders erfreulich
ist die formende Kraft auf erzieherischem und sozialem Gebiet. Schon in der
Schule wird der Charakter des Amerikaners geprägt, hier wird sein Sinn für
Geselligkeit entwickelt und sein soziales Empfinden geschärft. Zu den besonders
schätzenswerten Eigenschaften des gebildeten Amerikaners: der steten
Bereitschaft zur Verwirklichung sittlicher Ideen, der Toleranz, der
Hilfsbereitschaft und der Disziplin im Alltag hat die Schulerziehung im
wesentlichen beigetragen.
Sehr zu begrüßen ist auch das Interesse
der Öffentlichkeit für Fragen der Erziehung. Welchen Raum gewähren Zeitungen und
Zeitschriften verschiedener Richtungen den Schulproblemen! Welche umfangreichen
Stipendien und Schenkungen werden von den Vertretern der Industrie und des
Handels den Schulen und Universitäten vermacht! Welch starke Verantwortlichkeit
zeigen die Eltern für die Schulen ihrer Kinder, und wie intensiv ist die
Zusammenarbeit der Eltern und
Lehrer im Bereich der Schulorganisation und der Erziehung. Wie
wünschenswert wäre diese Aktivität in Deutschland, wo sich meistens nur der
Fachmann mit Erziehungsfragen befaßt! Ganz im Gegensatz dazu hatte ich in den
Vereinigten Staaten das Gefühl, daß hier ein Volk alle Mittel dransetzt, um sich
selber zu erziehen und zu bilden.
Abschließend darf ich sagen, daß ich die
gute Zusammenarbeit mit amerikanischen Kollegen und Schülern nie vergessen
werde, und daß ich es jedem deutschen Lehrer von Herzen gönne, wenn er für
einige Zeit in einer guten amerikanischen Schule unterrichten kann. Nach einem
solchen Jahr gemeinsamer Tätigkeit mit einem großen Volk in einem weiten Land
weitet sich das eigene Blickfeld: man versteht die Sitten, Traditionen und
Anliegen der anderen Nationen besser, und man erkennt auch, daß bei uns noch
manches im pädagogischen und gesellschaftlichen Leben der Ergänzung bedarf, was
unser Leben und das der kommenden Generation lebenswerter macht.
K.
G. Jung
IN
WELCHE SCHUL?
Keine
Festrede
Die Frage, in welche Schule man seinen
Buben schickte (die Mädle kamen sowieso in die Mädlesschul), wurde nicht immer
nach Maßgabe des gebotenen Lehrstoffes entschieden. Es spielte auch eine Rolle,
mit was für einem Sortiment von Originalen der jeweilige Lehrkörper einer Schule
bestückt war. Solche Wertstücke bekamen nicht ohne weiteres Pluspunkte bei
den Eltern. Es bleibe aber dahingestellt, an welcher Anstalt sich solche
biedermeierliche Restfossilien am längsten gehalten haben.
Außerdem kam es ein bißle darauf an, wo
man wohnte. Einem kleinen Kirchgäßler war es mehr oder weniger in den Sternen
vorgezeichnet, daß er in die Realschule kam, einem Neckarhäldler eher, daß er
ins Gymnasium einzog. Seitdem es nur noch »Gymnasien« gibt, die man mittels
angedichteter Schutzheiliger voneinander unterscheiden muß, ist's mit dieser
natürlichen Ordnung der Dinge vorbei.
Ganz hat es mit dieser Ordnung auch schon
früher nicht gestimmt. Wenn ein kirchgäßlicher Vater sich gelegentlich im
Hintertreffen wähnte, weil er zur Ergründung lateinischer Inschriften die
Beihilfe eines Spezels brauchte, so nahm er sich vor, seinen Buben mittels
Gymnasiumsbesuchs in solchen Dingen selbständig zu machen. Wenn aber so ein
Saubub behauptete, die lateinischen Inschriften seien ihm wurst? Zeichnen
sei schöner, und das tue man in der Realschule! Ist ja auch kein Wunder,
wenn die grammatikalischen Regeln schon von weitem mit einladend erhobenem
Zeigefinger in Reimform auf ihn zukamen! Noy,
so abbies! Gab's
denn nicht genug Leute, die das kannten und wußten?
Gefährlich
konnte es doch erst dann werden, wenn lateinische Witze flogen, angesichts
deren man in den Verdacht einer langen Leitung kommen konnte. Also »freiwilliges« Latein. Das
scheint aber eine contradictio in adjecto zu sein; mindestens scheint dieser
Unterricht bei den »Heutigen« noch genauso zu verlaufen wie bei den
»Ehemaligen«, soweit man das aus der Probestunde beim letzten Festle im Museum
entnehmen kann. Immerhin reichte es aus, um den Namen der Unteren Stadt zu
latinisieren, und das hatte Martin Crusius offenbar vergessen. Einer seiner
»vollspurigen« Nachfahren ließ sich darauf vernehmen:
„Ecce
hominem nefarium
Qui
simulat ,Gogarium'«
und
das heißt, etwa nach einem Schillerschen Vorgang
übersetzt:
„Do
bobbelt der nixnutzig Ma
Uns
mit eme ,Gogarium' a«.
Aber statt ausgewachsenem Latein warteten
in der Realschule andere Alpträume auf ihre Opfer. Sinus und Cosinus, das tat's
noch (der Asinus gehört mehr in die persönliche Sphäre), aber wenn diese ganzen
Biester einander in der sphärischen Trigonometrie selber gegenseitig auf den
Buckel steigen - - - der Großvater hat immer gesagt, man trage an nichts schwer,
was man gelernt habe. Aber ich glaube, das kommt hauptsächlich davon her, daß
der Eimer, in dem wir all das spazierentragen, hehlingen rinnt. Denn auch in
anderen Fächern, die mehr Gnade fanden, wie die Analytische Geometrie oder die
Infinitesimalrechnung, ist man nach Jahren nur froh, wenn man nicht darüber
ausgefragt wird.
Eine Geißel der Menschheit ist die
Zeugnisarithmetik. Unter ihrem Einfluß wird jedes Fach »Nullachtfuffzehn«. Da
sie eine Erfindung des Teufels ist, mußte sie an allen Schularten eingeführt
werden.
Im übrigen ging es keineswegs amusisch zu
in der Realschule, und wenn man die antiken Götter hauptsächlich nur in Marmor
(d. h. in Gips) kennen lernte, so blieb ein weit edlerer Nimbus um sie, als wenn
man mittels der zuständigen Sprachen allzusehr hinter ihre Schliche kommt. Man
fragt nicht dauernd: »Was tat der Aristoteles dazu sagen?«, aber dem Iktinos
fühlt man sich ganz insgeheim umso mehr verpflichtet.
Das schöne Modell, das unsere »Heutigen«
von unserer schönen Stadt und dem halben Oberamt gebastelt haben, hat bloß den
einen Fehler, daß wir »Ehemaligen« es nicht schon vor 40 Jahren hingezaubert
haben.
Musik gab's früher überhaupt nicht, und
eineweg war sie zu jeder Feier mit Begeisterung und mit Anstand zur Stelle. Man
hegte sie latent, aber man hegte sie: Rektor Krimmel, dessen respektgebietende
Haltung ihn keinen Augenblick hinderte, einen freundlichen menschlichen Kontakt
zu funken, kam einmal während des Unterrichts unvermittelt auf mich zu: »Na, Sie
musicien (solche Einstreuungen gehörten zu seiner Unterrichtsmanier), kommen Sie
auch noch zum Üben?« Es war in einer oberen Klasse, wo man hätte »ochsen«
sollen. Scheinheilig antwortete ich: »Ach ja, es geht!« Die Klasse konnte das
Prusten nicht halten - kannte denn der ehrenwerte »Alte« den Stein und Bein
bezwingenden Anschlag nicht, der die Fenster der ganzen Kirchgasse erklirren
ließ, auch dann, wenn er selber auf seinem Schulweg vorbeikam? Und ihm konnte
man sonst wahrhaftig nichts vormachen.
Als bei mir zur Debatte stand, »in welche
Schul«, da war ein Onkel Zeichenlehrer an der Realschule. Diese Verwandtschaft
hätte die Wahl nie bestimmt, nur das, was er lehrte. Als ich in den
Zeichenunterricht kam, war er nicht mehr am Leben. Die nur wenig Älteren, die
ihn noch als Lehrer erlebt hatte, rühmten - heute noch -, daß man was bei ihm gelernt
habe. Was sie der Nachwelt sonst über ihn weitergereicht haben, sind allerdings
nur goldene Worte, mittels deren er die künstlerischen Funken aus ihnen zu
schlagen wußte. Da aber die Zeichensäle damals im Kornhaus nach der Ammerseite
hin lagen, sind hieraus nie »Protokollschwierigkeiten«
erwachsen.
Von
seinem Nachfolger, Herrn Merz, ist nur die eine Hälfte zu berichten, dass man
was bei ihm lernte. In der anderen Hälfte aber konnte ihm der Neffe des
Vorgängers nicht gut aushelfen - oder sollte? - Bei dessen späterem
Architekturstudium hat einmal der Baugeschichtsprofessor zu ihm gesagt: »Sie
müssen heiraten, sonst werden Sie ein greuliches Original!« - Was gibt's denn da
zu lachen? Er hat doch geheiratet! K.
Weidle
Wir alle freuen uns über die Einweihung
des Schulerweiterungsbaus, um so mehr, als auch für uns im Rahmen des Anbaus ein
Raum für die Schülerzeitung zur Verfügung gestellt werden kann.
Die
Schülerzeitung wurde im April 1956 von einer kleinen Gruppe mutiger Schüler ins
Leben gerufen und hat sich bis heute eine anerkannte Stellung im schulischen
Leben erworben. Ihr Name setzt sich zusammen aus den Anfangsbuchstaben der drei
Tübinger Gymnasien: Uhland-, Kepler- und Wildermuth-Gymnasium, in denen die
Zeitung erscheint. In jüngster Zeit ist auch die Waldorfschule hinzugekommen.
Durch die Unterstützung namhafter Firmen sowie der Stadtverwaltung ist es uns
gelungen, das UKW 10mal jährlich bei einem Umfang zwischen 30 und 40 Seiten
herauszubringen. Daneben haben wir versucht, durch einen Schüleraustausch mit
der amerikanischen Highschool in Pattonville bei Stuttgart einen kleinen Beitrag
zur Völkerverständigung zu leisten.
Die
Arbeit der Redaktionsgemeinschaft wurde im April 1957 mit einem zweiten und im
April 1958 mit einem dritten Preis des Kultusministeriums Baden-Württemberg
belohnt.
Wir
glauben, die Schülerzeitung hat sich als Bindeglied zwischen Lehrern, Eltern und
Schülern gut bewährt. Sie trägt mit dazu bei, den Blick der Lehrer und Eltern
auf die heutigen Probleme der Schüler zu richten. Hier können wir zeigen, daß
wir am schulischen Leben regen Anteil nehmen.
R.Jäger
A.
Deutscher Aufsatz (Zeit 5 Stunden)
1.
Einer Ihrer Kameraden behauptet, im Zeitalter des Films, des Rundfunks und des
Fernsehens habe das Buch seine Bedeutung weithin eingebüßt. Was sagen Sie
dazu?
2.
»Weich ist stärker als hart, Wasser stärker als Fels, Liebe stärker als Gewalt«
(Hermann Hesse).
3.
»Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar« (Paul Klee,
Schöpferische Konfession).
4.
Der Mensch in Schuld und Bewährung. (Aufzuzeigen an einer Dichtung oder an
mehreren Dichtungen.)
B.
Französisch (Zeit: 4 Stunden)
L'homme
et le monde moral
Ce
qui fait la grandeur de l'homme, c'est d'ètre incomplet; c'est de se sentir par
une foule de points hors du fini; c'est de percevoir quelque chose au delà de
soi, quelque chose en deçà. L'homme porte en lui, pour ainsi dire, un exemplaire
mystérieux du monde parfait, auquel il compare sans cesse et malgré lui le monde
imparfait, et lui-même, et ses infirmités, et ses appétits, et ses passions et
ses actions. II comprend profondément qu'il n'y a rien d'inutile et d'omissible
(1) dans ce monde. Le juste, l'injuste, le bien, le mal, les bonnes œuvres, les
actions mauvaises tombent dans le gouffre (2), mais ne se perdent pas, s'en vont
dans l’infini à la charge ou bien au bénéfice (3) de ceux qui les accomplissent.
Se perdre, s'évanouir, s'anéantir, cesser d'etre, n'est pas plus possible pour
l'atome moral que pour l’atome matéricl. De là, en l'homme, ce grand et double
sentiment de sa liberté et de sa responsabilité. II lui est donné d'être bon ou
d'être méchant. Ce sera un compte à régler. II peut être coupable;
et; chose frappante et sur laquelle j'insiste, c'est là sa
grandeur.
Rien
de pareil pour la brute. Pour elle, rien que l'instinct: boire à la soif, manger
à la faim, dormir quand le soleil se couche, s'éveiller quand il se lève, faire
le contraire si c'est une bête de nuit. L'animal n'a qu'une espèce de moi obscur
que n'éclaire aucune lueur morale. Toute sa loi c'est l’instinct, sorte de rail
où de nature fatale (4) entraine la brute. Pas de liberté, donc pas de
responsabilité; pas d'autre vie par conséquent. La brute ne fait ni bien ni mal,
elle ignore. Le tigre est innocent. (Victor Hugo, Napoléon le
Petit).
1)
omissible: ce que l'on peut omettre, laisser de côte, oublier, passer sous
silence;
2)
gouffre: abime;
3)
être à la charge, être au bénéfice de q.: (hier) im Sinne von belasten bzw.
entlasten;
4)
fatal: fixé irrévocablement par le sort.
Questions
(répondre
à une question):
1)
Parlez de ce que vous devez à autrui (parents, professeurs, amis etc.). Comment
pouvez-vous montrer votre reconnaissance?
2)
Faites
le portrait de votre correspondant(e) étranger(ère) d'après ses
lettres.
3)
Impressions d'une promenade en ville, un soir d'hiver.
C.
Englisch (Zeit:
3 Stunden)
The
other day at Oxford we were discussing the question: What is the greatest
contribution England has made to the civilization of the world? As is natural,
we each tended to emphasize the importance of our own honour of being the mother
of parliaments, and that true democracy can be found only in such a form of
government. He acknowledged that parliamentary procedure was not suited to all
peoples, but nevertheless he thought that it furnished an ideal Standard by
which other systems could be measured. The professor of English, on the other
hand, felt that this country's greatest contribution had been made in the realm
of poetry, with Shakespeare, of course, as the supreme example. The economist
thought that the outstanding English contribution had been to industry and
commerce: the remarkable industrial development of the world in the past two
centuries was due, he said, in large part to the lead given by this
country.
As a lawyer, I agreed that each of these
contributions has been of major importance, but I suggested that there was one
other which passed beyond all of them. This contribution may be described as the
conception of the supremacy of law. It is on this conception that our freedom is
based, and it is here that the essential distinction between a totalitarian
theory of the state and ours can most clearly be seen. I am not suggesting, of
course, that the conception of the supremacy of law is a purely English one, or
that it bas not been recognized in other countries, but I think it is true to
say that nowhere else had it been so completely accepted. It runs like a golden
thread through the web of English history. The basic constitutional principles -
independence of jurisdiction, protection against arbitrary arrest, freedom of
conscience, and freedom of Speech - have all been established in the courts of
law.
(325 words)
A.
L. Goodhart, TJniversity College, Oxford. (The Listener, May 6, 1954; Vol.
II,
No. 1314, p. 776)
D.
Latein (Zeit: 4 Stunden)
Die
Gebildeten und die Politik
Cum
indicendo saepe par, nonnumquam etiam superior visus esset is, qui omisso studio
sapientiae nihil sibi praeter eloquentiam comparavisset, fiebat, ut et
multitudinis et suo iudicio dignus, qui rem publicam gereret, videretur. Hinc
nimirum1), cum ad gubernacula rei publicae temerarii atque audaces
homines acccsserant, maxima aec miserrima naufragia fiebant. Quibus rebus tantum
odii atque invidiae suscepit eloquentia, ut homines ingeniosissimi quasi ex
aliqua turbida tempestate in portum, sie ex seditiosa ae tumultuosa vita se in
studium aliquod traderent quietum. Quare mihi videntur postea cetera studia
recta atque honesta per otium concelebrata2) ab optimis
enituisse3); hoc vero a plerisque eorum desertum
obsolevisse4) eo tempore, quo multo vehementius erat retinendum et
studiosius augendum. Nam quo indignius rem honestissimam et rec-tissimam
violabat stultorum et improborum temeritas et audacia summo cum rei publicae
detrimento, eo studiosius et illis resistendum fuit et rei publicae consulendum.
Quod nostrum illum non fugit Catonem neque Laelium neque horum discipulum
Africanum neque Gracchos Africani nepotes: quibus in hominibus erat summa virtus
et auctoritas et, quae his rebus ornamento et rei publicae esset praesidio,
eloquentia. Quare
eloquentiae studendum est, et eo quidem vehementius, ne mali magno cum
detrimento bonorum et communi omnium pernicie plurimum possint.
l)
nimirum adv. - zweifellos
a)
concelebrare - nachdrücklich betreiben
s)
enituisse: zu niterec
4)
obsolescerec - außer Übung kommen
F.
Mathematik (Zeit; 4 Stunden)
1.
a) Untersuche die Kurve y²= x³ / 2-x auf
Symmetrie, Schnittpunkte mit den Achsen, waagrechte Tangenten und Asymptoten,
bestimme ihren Definitionsbereich und zeichne sie (Einheit 2
cm).
b)
Bestimme die Gleichung der Geraden, die die gegebene Kurve im Punkt B (l/+?) berührt. Zeichne die Gerade
und berechne ihren Schnittpunkt A
mit der Kurve.
c)
Weise nach, daß die gegebene Kurve bei der Lösung der folgenden Aufgabe
auftritt:
Eine
beliebige Gerade durch O schneidet den Kreis (x— 1)2+y² -1 zum
zweitenmal in S. Das Lot auf
OS in O schneidet die Parallele zur y-Achse
durch S in P. Bestimme den geometrischen Ort,
den P beschreibt, wenn die
Gerade OS um O gedreht wird.
2.
Johannes Kepler hat sich mit folgendem Problem beschäftigt:
Ein
Faß von der Form eines Kreiszylinders besitzt im Mittelpunkt einer Mantellinie
ein Spundloch. Es wird der Abstand e
des Spundlochs vom entferntesten Punkt des Grundkreises gemessen. Wie muß
sich der Grundkreisdurchmesser zur Faßlänge verhalten, damit bei gegebenem e der Rauminhalt den größten Wert
erreicht?
a)
Löse dieses Problem unter Verwendung der bekannten Hilfsmittel
(Differentialrechnung) .
b)
Berechne für e = √ 3 m den
größten Rauminhalt und die zugehörigen Maße für Durchmesser und
Länge.
c)
Um wieviel Prozent ändert sich dieser Rauminhalt, wenn e = √ 3 m unverändert bleibt, dagegen die
Faßlänge um 10 Prozent vergrößert wird?
d)
Bestimme - für allgemeines e -
die Werte von Durchmesser und Länge, für die sich ein kleinster
Rauminhalt ergibt. Warum erhält man diese Werte nicht durch Ableiten der in a)
gewonnenen Funktion?
3.
Eine zur x-Achse symmetrische
Ellipse mit der Halbachse a = 4
geht durch den Ursprung und den Punkt A (6/6).
a)
Bestimme durch Konstruktion und Rechnung die Halbachse b und die Brennpunkte (die
Konstruktion ist kurz zu beschreiben und zu begründen). Zeichne die Ellipse
(Einheit 1 cm).
b)
Bestimme die Gleichung des Kreises um O, der die Ellipse von außen berührt
und zeichne den Kreis.
c)
Die Ellipse und der Kreis schließen im 1. und 4. Feld ein sichelförmiges
Flächenstück ein. Welchen Rauminhalt hat der Körper, der durch Drehung dieses
Flächenstücks um die x-Achse entsteht?
4.
Ein Erdsatellit bewegt sich um den Erdmittelpunkt in einer Kreisbahn, deren
Radius den Erdhalbmesser um 1/6 übertrifft. Er wird von einer Station A bei
Quito im Zenit gesehen und so lange beobachtet, bis er am Horizont in der
Richtung N 47° E untergeht. In diesem Augenblick überfliegt der Satellit den
Punkt B der
Erdoberfläche.
a)
Ermittle durch Konstruktion und Rechnung die sphärische Entfernung zwischen
A und B (Erdradius r = 6 cm).
b)
Bestimme mit Hilfe einer neuen Figur zeichnerisch und rechnerisch die
geographische Länge und Breite von B.
(Sommer
1958)
Oberstudiendirektor
Prof.
Wilhelm Schweizer
Gymnasialprofessor
Anton Amann
Gymnasialprofessor
Kurt Arzt
Oberschullehrer
Hugo Boess
Oberstudicndirektor
Wilhelm Bosch
Studienrat
Helmut Calgeer
Studienrat
Dr. Hellmuth Günther Dahms
Studienrat
Alfred Dürr
Oberstudienrat
Prof. Dr. Paul Filzer
Studienrat
Pfarrer Rolf Fritz
Studienrat
Dr. Viktor Garten
Katechet
Paul Geywitz
Studienrat
Dr. Peter Goessler
Studienassessor
Paul-Wilhelm Günter
Oberstudienrat
Walther Haug
Studienrat
Hans Hauser
Oberstudienrat
Dr. Eugen Heck
Prof.
Dr. Otto Huth
Frau
Dr. Karla Johns
Studienrat
Karl-Günther Jung
apl.
Oberschullehrer Hans Kassner
Studienassessor
Dr.Willi Kops
Studienrat
Wilhelm Lang
Studienrat
Prof. Dr. Heinz Lehmann
Frau
Dr. Lotte Lehmann
Studienrätin
Dr. Gertrud Mayer
Studienrat
Eugen Meyder
Studienrätin
Roswitha von Möller
Studienassessor
Karl Mütz
Oberschullehrer
Wilhelm Noller
Studienrat
Hans Reichle
Studienrat
Dr. Ernst Rieber
Pfarrverweser
Dr. Hans Schilling
Gymnasialprofessor
Helmut Streicher
Studienrat
Dr. Arno Tausch
Studienrat
Bruno Zimmermann.
Oberstudiendirektor
Dr. Eugen Bückle
Studienrat Emil
Burkhardt
Prof. Dr.
Friedrich Eppensteiner
Oberstudiendirektor Prof. Dr. K.
Fladt
Oberstudienrat Dr.
Hans Gradmann
Prof. August
Häberlen
Studienrat Dr.
Heinrich Hermann
Oberstudienrat
Wilhelm Hornung
Oberstudienrat Dr.
Rudolf Knapp
Prof. Dr. Richard
Oberdorfer
Oberstudienrat Dr.
Willi Portzehl
Prof. Theodor
Reuss
Oberreallehrer
Georg Roll
Prof. Dr. Josef
Schad
Oberschullehrer
Paul Schlenker
Studienrat Gustav
Schlipf
Prof. Otto
Schnitzler
Oberstudienrat
Ignaz Weber
Reallehrer Paul
Wurster.
DIE SCHÜLER DES
KEPLERGYMNASIUMS
(Sommer
1958)
Klasse
1 a Klassenlehrer:
Oberschullehrer
H. Böß
Ingo
Buck
Christian
Dehne
Ralf
Ehart
Konrad
Fauser
Jörg
Frank
Hermann
Frankenhauser
Gerhard
Hasenfratz
Eckhard
Heberle
Walter
Hornung
Wielfried
Junginger
Andreas
Kauffmann
Bernhard
Kaupa
Otto
von Klimesch
Ulrich
Kölle
Karl
König
Wolfgang
Kroll
Peter
Kühlwein
Georg
Möhres
Robert
Müller
Peter
Neu
Bernd
Ottmüller
Werner
Pelz
Eberhard
Pfeiffer
Hans
Jürgen Platzek
Günther
Posselt
Thomas
Regenbrecht
Hans-Werner
Reinelt
Roland
Richter
Franz
Schibalski
Norbert
Schicker
Gottlieb
Schramm
Jochen
Schuler
Christoph
Schumm
Jürgen
Schweinbenz
Hermann
Seeger
Josef
Seider
Rudolf
Seiz
Bernd
Seiz
Roland
Stehle
Helmut
Strasdeit
Matthias
Thanhäuser
Herbert
Tressel
Klasse
1 b Klassenlehrer:
Studienassessor
P. W. Günter
Hans-Jörg
Armbruster
Helmut
Ayen
Hans-Jörg
Bernard
Harald
Binder
Reinhard
Böhler
Peter
Breitenbücher
Jakob-Willi
Dietter
Hans-Friedrich
Fehse
Hans-Joachim
Fritz
Reinhold
Füssle
Albrecht
Haug
Hans-Jürgen
Hechler
Paul-Martin
Hechler
Holger
Heck
Joachim
Hoffmann
Hans-Jürgen
Hoheisel
Wolfgang
Keiß
Gerhard
Krapf
Martin
Kunze
Wolfgang
Lörcher
Manfred
Lutz
Wolfgang
Mayer
Jürgen
Pfaus
Gerhard
Rall
Dieter
Rauscher
Manfred
Reutter
Hartmut
Rilling
Christof
Sautter
Gerhard
Schach
Heinz
Scherer
Michael
Scherz
Frank
Schiller
Frank
Schimpff
Wolfgang
Schmid
Reinhard
Schmidt
Dieter
Schneiderhan
Thomas
Seidel
Gerhard
Seifried
Peter
Sigloch
Eberhard
Sinner
Volker
Urban
Werner
Widmann
Klasse
1 c Klassenlehrer:
Fräulein Studienrätin Dr. G.
Mayer
Joachim
Amann
Hans-Jörg
Bäuchle
Jürgen
Beier
Erhardt
Bergmann
Johannes
Bergmann
Hartmut
Bihlmayer
Rainer
Fauser
Hermann
Fegert
Werner
Fritz
Herbert
Füger
Wolfgang
Garten
Eberhard
Gekeler
Hans-Dieter
Grauer
Dietrich
Herzog
Rainer
Hipp
Rüdiger
Hornung
Alexander
Johner
Rudolf
Kasprzyk
Bernd
Krause
Martin
Laemmert
Peter
Macher
Wolfgang
Maurer
Hans-Jörg
Merk
Titus
Milech
Bernhard
Mohr
Helmut
Pohl
Hans-Martin
Renz
Gottfried
Ringwald
Werner
Schall
Wolfgang
Schcible
Hans-Dieter
Scheu
Ernst
Schlecht
Martin
Schmidt
Hanns-Joachim
Schmidt
Karl
Schweizerhof
Karl-Eberhard
Seelos
Thomas
Sturm
Gerhard
Teufel
Gert-Otto
Waiblinger
Roland
Walker
Gerhard
Weber
Hans-Joachim
Wörner
Klasse 2 a
Klassenlehrerin:
Frau Dr. K. Johns
Michael Achtelik
Horst-Martin
Ammann
Wolfgang
Bart
Michael
Bartschat
Detlef
Blesch
Rainer
Braun
Bernd
Datz
Hans-Martin
Dieter
Jörg
Griewatz
Michael
Grünwald
Helmut
Hämmerle
Peter
Häussler
Wolfgang
Henkel
Rainer
Kluge
Helmuth
Korell
Gerhard
Letzkus
Werner
Links
Hans-Heinrich
von Lüttichau
Gerhard
Luz
Dieter
Mayer
Volker
Neubauer
Egon
Nieser
Rainer
Oeckinghaus
Peter
Pietsch
Helmut
Schlotterer
Gerhard
Schmid
Otto-Heinz
Schmid
Johann
Schneck
Wolfgang
Schumm
Gebhard
Stotz
Hans-Jürgen
Stützlein
Reinhold
Vollweider
Klaus-Dieter
Wahl
Werner
Walker
Herbert
Weichert
Wolf
von Wolfframsdorff
Klasse
2 b Klassenlehrer:
Studienassessor
K.Mütz
Joachim.
Aldinger
Helmut
Apfel
Rainer
Bischoff
Hans-Günter
Bordt
Werner
Davids
Siegfried
Ellmcr
Hans
Giese
Rainer
Häberle
Werner
Härle
Klaus
Harr
Michael
Hering
Thomas
Huhn
Berndt
Kaßner
Tilmann
Kohler
Karl
Kühn
Hans-Joachim
Lange
Claus
Macher
Peter
Otterbach
Stefan
Pabst
Ulrich
Plischke
Wolfgang
Ragnit
Klaus
Reinicke
Karl-Heinz
Retzlaff
Hans-Martin
Rieckert
Klaus
Schäffer
Kamran
Schahrochi
Albrecht
Schmeissner
Jörg
Schmidt
Hubertus
Schwarz
Jurij
Suchowerskyj
Gerhard
Sy
Wolfgang
Ulmer
Helmut
Wacker
Manfred
Weiß
Klasse
2 c Klassenlehrer:
Studienrätin
R. v.Möller
Wolfgang
Amann
Hans-Ulrich
Barth
Friedrich
Brezger
Horst-Dieter
Fickert
Paul-Heinrich
Fuchs
Sebastian
Garten
Armin
Häcker
Wolfgang
Herrlinger
Dieter
Kasprowicz
Heinz.
Klenk
Friedrich
Kratzsch
Reinhart
Laven
Frank
Leuze
Reinhart
Majer
Wolfhard
Margenfeld
Harald
Markert
Friedrich
Martin
Friedrich
Herrmann Melz
Dieter
Müller
Walter
Müller
Wolfgang
Müller
Dago-Bernd
Otterstein
Gerhard
Pekari
Günter
Pfeiffer
Rüdiger
Pickert
Rainer
Schmid
Gottfried
Veihelmann
Matthias
Weisheit
Heiko
Werner
Joachim
Wiese
Edgar
Wuchter
Klasse
3 a Klassenlehrer:
Studienrat
H. Calgeer
Heinz
Bauer
Jürgen
Baumann
Markus
Beitlich
Erhard
Binder
Dieter
Bronner
Rolf
Brose
Peter
Eissler
Jürgen
Felmy
Hermann
Gauger
Karl
Haap
Bernd
Hanemann
Heinz
Hausch
Rolf
Hausch
Ernst
Heimes
Günter
Hofmann
Volker
Kappler
Erwin
Löffler
Dieter
Lucas
Bernd
Nusser
Bernd
Oldenburg
Rainer
Pfefferkorn
Ulrich
Polzer
Wilhelm
Rall
Paul-Bernd
Rilling
Joachim
Scheible
Roland
Schöttle
Wolfgang
Schroeder
Dietmar
Schroll
Jürgen
Schwarz
Wolfgang
Seeger
Gert
Streib
Hasso
Winkler
Klasse
3 b Klassenlehrer:
Studienrat
W. Lang
Reiner
Blunck
Joachim
Diedler
Hans-Jürgen
Eichhorn
Michael
Fröhlich
Joachim
Gögelein
Klaus-Dieter
Grauer
Hans
Gross
Wolfgang
Häussler
Dirk
Helmke
Kurt
Kocher
Karl-Friedrich
Morlok
Ernst
Ott
Dieter
Paul
Michael
Pabst
Peter
Pacher
Knut-Ingomar
Pedal
Wolfgang
Philipp
Gerhard
Rau
Hermann
Sautter
Henning
Schramm
Ernst
Schubert
Michael
Schulz
Gerhard
Schweizerhof
Kurt
Seizinger
Peter
Seizinger
Manfred
Speidel
Wolf
von Tessin
Manfred
Übelmesser
Bernd
Ullrich
Eberhard
Wagner
Wichard
Wenzel
Wolfgang
Witt
Rolf-Dieter
Zamoryn
Klasse
4 a Klassenlehrer:
Studienrat
Dr. V. Garten
Edwin
Beckert
Hartwig
Camerer
Karl
Dais
Friedrich
Gäbele
Hans-Jürgen
Grossmann
Eugen
Hausch
Jörg-Dieter
Häusser
Dietrich
Henkel
Horst
Jehle
Ernst-Detlev
Keck
Hansjörg
Klotz
Karl
Kocher
Dieter
Kühn
Burkhard
Laven
Erwin
Leibold
Friedrich
Lutz
Wolfgang
Martin
Hans-Jürgen
Meier
Dietrich
Neuendorf
Wolfgang
Oehler
Fritz
Queissner
Jürgen
Reiber
Herbert
Rübsamen
Dietmar
Schatz
Ulrich
Schelling
Wolfgang
Seizinger
Lothar
Sperl
Detlef
Steiner
Rainer
Steinhilber
Peter
Strobel
Peter
Struss
Hans-Dieter
Wahl
Hartmut
Wehner
Ulrich
Wenmakers
Horst
Wetzel
Hartmut
Witte
Klasse
4
b Klassenlehrer:
Studienassessor
Dr. W. Kops
Helmut
Baisch
Hermann
Dieter
Roland
Gerlach
Albert
Geyer
Peter
Goessler
Wolf-Dieter
Grauer
Winfried
Gruber
Karl-Heinz
Gugel
Friedrich
Häberle
Friedemann
Häcker
Bernhard
Haug
Joachim
Heindel
Willi
Höckh
Gerhard
Hölzel
Klaus
Junginger
Wolfgang
Kasprowicz
Erwin
Kurz
Raimund
Lembke
Max
Mayr
Heinz-Helmut
Mühlhäusler
Peter
Nöhricke
Dieter
Rautenberg
Walter
Röck
Dietrich
Röllinghoff
Gerhard
Rooschüz
Wilhelm
Rühle
Wilhelm
Schuster
Hermann
Schweizer
Hans
Stoß
Wadym
Suchowerskyj
Eugen
Vollmer
Michael
Wacker
Hans-Emil
Warth
Gerhard
Wizemann
Jürgen
Zechiel
Klasse
5 a Klassenlehrer:
Studienrat
Dr. A. Tausch
Gustav
Ambacher
Werner
Ambacher
Walter
Benedix
Hans-Peter
Brick
Bernhard
Delorme
Gerhard
Frey
Jost
Goller
Jürgen
Heuer
Dieter
Hezel
Herbert
Höger
Cambys
Kar
Manfred
Leist
Hartmut
Mähr
Wilhelm
Maisch
Uli
Mang
Volker
Nieser
Dieter
Ott
Volker
Quade
Roland
Ritz
Friedrich
Schüle
Konrad
Strauß
Norbert
Vogt
Jürgen
Wahl
Jürgen
Zeeb ,
Klasse
5 b Klassenlehrer:
Oberschullehrer
H. Kaßner
Jürgen
Abele
Gernot
Auer
Klaus
Baier
Klaus
Batzer
Dieter
Bleicher
Wolfgang
Burkhardt
Eckart
Daur
Albrecht
Dietz
Hermann
Grell
Werner
Hagdorn
Michael
Jaeger
Landfried
Keller
Jochen
Kittel
Bernd
Klett
Gert
Paulsen
Günther
Reitgaßl
Georg
Rumbaur
Bodo
Sauter
Alfred
Schwander
Herbert
Vollmer
Wolfgang
Wagner
Hans
Walker
Wilfried
Zanker
Helmut
Zwanger
Klasse
5 c Klassenlehrer: Studienrat H. Hauser
Ulrich
Beißner
Veit
Berger
Gerhard
Diebolt
Volker
Dietz
Bernd
Epperlein
Michael
Fischmann
Hans
Frischhut
Peter
Gartz
Rolf
Gößler
Gerhard
Greiner
Volker
Guthke
Wolfgang
Hamm
Walter
Hasenmüller
Dieter
Hauser
Klaus
Heritsch
Winfried
Holubarsch
Ernst
Knorpp
Dietrich
Mast
Hans-Ulrich
Mödinger
Peter
Mohl
Klaus
Osterried
Gerhard
Ott
Wilfried
Pflüger
i
Joachim
Probst
Ingolf
Prowe
Guido
Raab
Dietrich
Rösler
Klaus
Schneider
Hans
Schöttle
Wolfgang
Stille
Tilman
Todenhöfer
Eckart
Wieland
Harald
Wuchter.
Klasse
6 a Klassenlehrer:
OStD W.
Bosch
Otto
Aicheler
Harald
Braun
Hans-Peter
Brocke
Ludger
Flaig
Dietrich
Jenth
Peter
Jubel
Hans-Ulrich
Kaiser
Peter
Kiesinger
Klaus
Kleiner .
Eugen
Kuhnle
Wolf-Dieter
Lewandrowski
Helmut
Mägerle
Rainer
Meyder
Gustav
Niethammer
Waldemar
Öchsner
Christian
Paech
Klaus
Pflüger
Eberhard
Pollmann
Wolfgang
Reith
Rainer
Rienmüller
Albrecht
Schaal
Adolf
Schelling
Jürgen
Schempp
Ulrich
Schill
Utz
Schwarz
Werner
Seiser
Werner
Staiger
Klaus
Streib
Michael
Sündermann
Rudolf
Tracht
Wolfgang
Ulmer
Hans
Wagner
Rolf
Wagner
Hermann
Walz
Eckhard
Wandel
Eberhard
Zimmermann
Robert
Zimmermann
Norwig
Zwerenz
Klasse
6 b Klassenlehrer:
Studienrat
Prof. Dr. H. Lehmann
Bernd-Wilfried
Bergen
Hans-Peter
Blunck
Hartmut
Braun
Volker
Brillinger
Eberhard
Brösamle
Stefan
Cremers
Rainhard
Diedler
Rolf
Eggenweiler
Helmut
Franz
Eberhard
Fröschke
Werner
Göhner
Willi
Göhring
Wilfried
Häussler
Hermann
Hansis
Hans
Peter Henig
Hans
Peter Henkel
Wolfgang
Jung
Fritz
Kern
Frank
Kienle
Roland
Kurz
Günter
Ladcnburger
Rüdiger
Lang
Günther
Maier
Horst
Mayer
Rolf
Merz
Hans
Mohl
Hans-Peter
Müller
Helmut
Müller
Udo
Pfefferkorn
Gerhard
Raiser
Helmut
Reichelt
Siegbert
Ricker
Horst
Röhrer
Gerhard
Schneck
Reinhart
Scholl
Udo
Sterr
Peter
Stolz
Eckart
Weinmann
Manfred
Willnauer
Klasse
6 c Klassenlehrer:
Studienrat
H. Reichle
Klaus
Barenthin
Wolfgang
Bauer
Horst
Beck
Rudolf
Benner
Gerhard
Beyer
Jürgen
Bildstein
Norbert
Eschenlohr
Peter
Gerometta
Wilfried
Härtner
Sigurd
Hainmüler
Wolfgang
Hasenfratz
Hermann
Krämer
Albrecht
Länge
Friedrich
Länge
Jürgen
Lang
Werner
Lang
Konrad
Leverenz
Eckhart
Löffel
Wolfgang
Lutz
Siegfried
Maier
Wolfgang
Neef
Ralf
Oestreich
Jürgen
Ruff
Ulrich
Sailer
Udo
Scharpf
Wilfried
Setzler
Erdmann
Stolz
Burkhard
Streit
Hans
Strohm
Michael
Strohm
Rudolf
Strubelt
Günter
Teufel
Jürgen
Uhl
Heinz-Horst
Ulma
Roland
Wettemann
Erich
Witte
Klaus
Zeltmann
Klasse
7 a Klassenlehrer:
Studienrat
Dr. E. Rieber
Klaus-Erdmann
v. Bandemer
Siegfried
Bausch
Herbert
Besson
Hartmut
Böß
Peter
Böttinger
Volker
Datz
Bertram
Eckle
Elmar
Eith
Gert
Frösner
Volkcrt
Harpprecht
Günter
Herre
Manfred
Hölzel
Richard
Jäger
Reginald
Kunzelmann
Dieter
Lang
Alfred
Lumpp
Werner
Maier
Werner
Möck
Thomas
Rogge
Heinrich
Stähle
Jochen
Wessely
Uwe
Wilsser
Heinz
Wollenhaupt
Klasse
7 b Klassenlehrer:
Studienrat
Dr. H. G. Dahms
Hans
Beckert
Klaus
Döringer
Jürgen
Haidt
Joachim
Hegemann
Volker
Hobohm
Hans-Dieter
Langohr
Hans
Rüdiger Kant
Volkmar
Kübler
Herbert
Lieb
Ingo
Liebe
Bernd
Mayer
Günter
Merz
Hermann
Paperlein
Rolf
Pinzler
Konrad
Pracht
Manfred
Schiz
Herbert
Schlauch
Hartmut
Schweizer
Volker
Starrock
Rolf
Theurer
Wolfram
Timm
Rüdiger
Tschanter
Wolfgang
Wiedmaier
Klasse
7 c Klassenlehrer: Gymnasialprofessor A. Amann
Lutz
Beyer
Joachim
Cyran
Gerhard
Dieter
Gottfried
Dürr
Gerhard
Gößler
Peter
Gundlach
Wolfgang
Häberle
Jörg
Hansis
Jörg
Hartenburg
Jens
Peter Just
Herbert
Krauss
Heino
Langen
Konrad
Melchers
Wolfram
Müller
Andreas
Probst
Martin
Röllinghoff
Werner
Schäfer
Joachim
Schlech
Jürgen
Schöngarth
Karl
Starzmann
Hartmut
Vergin
Hellmuth
Walter
Erhard
Weidekamm
Klasse
8 a Klassenlehrer: Oberstudienrat Dr. E. Heck
Wolfgang
Döcker
Günter
Federle
Joachim
v. Glasenapp
Viktor
Gusowski
Karl-Dieter
Hartenburg
Hartmut
Hesse
Peter
Hüttner
Wolfgang
Joos
Adolf
Klein
Thomas
Lehmann
Werner
Lutz
Hermann
Maier
Wolfram
Müller
Dietrich
Noeske
Herbert
Oswald
Eckhard
Pfitzner
Horst
Ruf
Hans-Georg
Scheil
Claus-Peter
Surholt
Rainer
Tressel
Volker
Vött
Manfred
Wandel
Rudolf
Weiss
Klasse
8 b Klassenlehrer:
Studienrat
Dr. P. Goeßler
Eberhard
Braun
Wolfgang
Fritz
Wolfram
Hansis
Jörg
Hermann
Hermann
Junger
Klaus
Kärcher
Richard
Kaiser
Hans
Kienzle
Wolf-Dieter
Knapp
Otto
Kulcke
Wolfgang
Lehner
Jochen
Meyder
Peter
Mühlhäusler
Ulrich
Neuscheler
Dieter
Reusch
Ludolf
Riek
Hans-Jörg
Ruoff
Heinz
Schrade
Jost-Ulrich
v. Schütz
Peter
Schweickhardt
Dieter
Spendou
Werner
Stahl
Erdmann
Timm
Helmut
Wacker
Eberhard
Wagner
Peter
Waiblinger
Klasse
8 c Klassenlehrer:
Studienrat
A. Dürr
Heinrich
Auer
Gert
Auterhoff
Eberhard
Batzer
Hans-Georg
Beez
Erich
Benner
Heinz-Jürgen
Beyer
Falko
Binder
Alexander
Boeck
Dieter
Brösamle
Otto-Walter
Bünning
Hanspeter
Cyran
Fritz
Griesinger
Peter
Guntrum
Jürgen
Haux
Utz
Jeggle
Ulrich
Keller
Martin
Koppensteiner
Ulrich
Kratzsch
Eckart
Leverenz
Christoph
Melchers
Eckart
Pfeiffer
Bernhard
Sell
Burkhardt
Stein
Karl-Alfred
Storz
Klasse
9 a Klassenlehrer:
Studienrat
K. G. Jung
Bertram
Amann
Rudolf
Bartl
Heinz
Bauer
Jörg
Boekle
Richard
Brillinger
Peter
Brösamle
Dieter
Eitel
Hartmut
Gaebele
Frede
Gescholowitz
Hans-Peter
Götz
Rainer
Hahn
Gerhard
Heberle
Hans
Hollmann
Udo
Kauer
Ulrich
Keller
Werner
Krebs
Harald
Lumpp
Peter
Maier
Walther
Maier
Friedrich
Mast
Dieter
Mehl
Heinz-Dieter
Metzger
Werner
Mollenkopf
Ludwig
Noeske
Gisbert
Pasch
Herbert
Pollak
Peter
Schmidtke
Klasse
9 b Klassenlehrer:
Gymnasialprofessor K. Arzt
Helmut
Aichele
Volker
Arzt
Hanns-Jörg
Batzer
Christian
Bauer
Hanns-Martin
Bez
Gerhard
Bickenbach
Dietrich
Birkenhofer
Werner
Boeck
Rolf
Breitenbücher
Gerhard
Engel
Ulrich
Engel
Rüdiger
Fritz
Dietmar
Greifeneder
Edith
Heckh
Gunter
Held
Ernst-Theo
Henig
Eberhard
Hungerbühler
Thomas
Kochle
Siegfried
Kunz
Jörg
Lechler
Hans-Werner
Leutheuser
Gerhard
Necker
Heinz
Neidlein
Walter
Pietzcker
Isolde
Pufe
Jürgen
Wittkopf
Helmut
Zimmer.
|
DIE
VEREINIGUNG DER EHEMALIGEN SCHÜLER UND DER FREUNDE DES KEPLERGYMNASIUMS
|
|
wurde
am 19. November 1956, am Tag vor dem Richtfest des Erweiterungsbaues,
gegründet. Sie hat sich zur Aufgabe gestellt, in erster
Linie die Bildungsarbeit
des Keplergymnasiums (der früheren Oberrealschule) zu fördern und
die persönlichen Beziehungen
zwischen den ehemaligen Schülern und der Eltern- und Lehrerschaft
zu pflegen. Gerade im jetzigen Augenblick möchte sie mithelfen, Mittel für
die Einrichtung der Lehrmittelsammlungen und der Werkräume aufzubringen.
Darüber hinaus ist es ein besonderes Anliegen des Vereins, die
Bestrebungen der Schule auf dem Gebiet der Musik, des Schauspiels, des
Sports und der Landheimarbeit nach Kräften zu unterstützen. Lebhaftes Interesse bringt die
Vereinigung den öffentlichen
Veranstaltungen der Schule entgegen. Am ersten Samstag im Oktober
jeden Jahres werden sich dazuhin die Mitglieder der Vereinigung mit ihren
Angehörigen bei einem geselligen
Abend im neuen Festsaal des Keplergymnasiums zusammenfinden. Wenn
dabei gleichzeitig eine Reihe von Klassenzusammenkünften
abgehalten wird, so ergeben sich gewiß vielfältige Gelegenheiten
zur Schaffung und Erneuerung persönlicher Beziehungen. An
alle alten Oberrealschüler und Keplergymnasiasten, an die Eltern und
Freunde der Schule ergeht daher der Ruf und die Bitte, die Bestrebungen
der Vereinigung durch den Erwerb der Mitgliedschaft zu unterstützen. Der
jährliche Mitgliedsbeitrag beträgt DM 5.-, für Personen in der
Berufsausbildung DM 2.-; Beiträge und Spenden sind steuerlich absetzbar.
Anmeldungen werden an die Schule oder an den Schriftführer, Herrn
Stadtoberinspektor Fauser, Tübingen, Goesstr. 31, erbeten. Die
Mitgliederversammlung vom 7. Juni 1958 wählte für die nächsten 3 Jahre die
folgenden Vorstandsmitglieder: 1.
Vorsitzender: Herr
Stadtobervermessungsrat Ernst
Henig, Tübingen stellv. Vorsitzender: Herr Dr. med. dent. Eberhard Ulmer,
Tübingen Schriftführer: Herr Stadtoberinspektor
Albert Fauser, Tübingen Schatzmeister: Herr Josef Theurer, Bankbeamter,
Tübingen Schriftleiter des Mitteilungsblattes: Herr
Gymnasialprofessor Helmut
Streicher, Tübingen Beisitzer: Herr
Oberstudiendirektor Prof. Wilh.
Schweizer, Tübingen Frau
Dr. med. Ruth Camerer,
Tübingen Herr
Dr. Oswald Rathfelder,
Hauptkonservator, Stuttgart Herr
stud. math.Adolf Mader,
Tübingen Der
erste Vorsitzende: Ernst
Henig |






